Viele Superstars lassen sich nicht mehr von der Presse ablichten

Rihanna, Lady Gaga oder Beyoncé: Fotografieren verboten!

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Archivbild

Frankfurt - Rihanna, Lady Gaga oder Beyoncé – die Kontroll-Freaks unter den Superstars erfinden immer neue Gründe, um Presse-Fotografen bei ihren Shows draußen zu lassen. Müssen jetzt auch bald die Handys weggepackt werden? Die Karre scheint ziemlich verfahren. Von Peter H. Müller

Neulich, beim Hamburger Stadion-Gig von Kapuzen-Diva Rihanna, kam es zu einem absurden Szenario, das selbst für Presse-Fotografen mit 25 Jahren Erfahrung ein Novum bedeutete. Drei Tage vor dem Konzert wurde den bereits seit Wochen angemeldeten Medien ein kategorisches Fotoverbot übermittelt. Begründung: keine. Knapp 24 Stunden später kam vom Veranstalter dann doch noch ein Okay – inklusive strengster Vertrags-Vorgaben des Managements. Gegen 20 Uhr, kurz vorm Konzertstart, gab es dann die böse Überraschung: Keine Fotos. Die versammelten Fotojournalisten durften unverrichteter Dinge wieder abreisen. Eine Begründung gab es wieder nicht. Das Phänomen ist ein internationales, und vor allem kein neues. Knopfler tut es, der olle Dylan exerziert es, selbst Fischers herzallerliebste Helene hat längst garstige Knebel-Verträge gestrickt. Von Iron Maiden über Adele bis Grönemeyer, Rapper Cro oder Ärzte-Vorstand Farin Urlaub – eine ganze Legion von Musikern und Managern hat die Bildjournalisten seit Dekaden als Lieblingsfeinde ausgemacht. Ausgerechnet jene also, die professionell das aktuellste Fotomaterial liefern.

Es geht dabei nicht nur um Marotten, Eitelkeiten oder Allüren, sondern vielmehr um Urheberrechte, damit verbunden Lizenzen und Mehrfach-Verwertungen, ferner um fein säuberlich lancierte Images und, na klar, um Geld. Juristisch mag das noch im Rahmen sein: Der Veranstalter besitzt für die Konzertdauer das Hausrecht und darf das Fotografieren nach Gusto des Künstlers reglementieren. Wo jedoch der Sinn des Fotoverbots liegt, ist unklar, zumal authentische Konzertfotografie auch der Popularität des Promis dient.

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Ob nun gleich die Pressefreiheit angegriffen ist, wie der Deutsche Journalistenverband nach Helene Fischers bis in Kleinste durchdiktierten Fotoverträgen der „Farbenlehre“-Tour wetterte, sei dahingestellt. Einige Medien und Agenturen sehen sich gezwungen, eine Berichterstattung über die Konzerte zu boykottieren. Wie im Jahr 2006, bei der Tour von Robbie Williams. Das Enfant terrible sperrte bei seiner nächsten Deutschland-Tour dann seinerseits die Agenturen aus. Einige Medien reagieren mit Ironie, wie zum Beispiel der Spiegel, der letzten Monat die Kritik des Rihanna-Konzertes mit der Kinderkritzel-Zeichnung eines Strich-Frauchens illustrierte. Das geht mal. Aber sehen wir bald nur noch schwarze Kästen oder Karikaturen?

Gleichzeitig zeigt sich eine paradoxe Entwicklung: Rihanna, der schnöden Welt längst entrückt, hat mehr Facebook-Freunde als Deutschland Einwohner, sie verzeichnet 41 Millionen Instagram-Abos und ist ein YouTube-Megastar. Bei ihrem Konzert in Hamburg und ein paar Tage später in der Commerzbank-Arena lüftet sie – freundlich fotogen – vor 75 000 glühenden Smartphones ihre Schlumpf-Kapuze. Die Bilder dazu sowie unzählige Wackel-Videos gingen Sekunden später via Twitter und Co. ins Netz. Verstehen muss man das nicht.

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Aber womöglich sind auch die Ikonen der Szene mittlerweile auf den Trichter gekommen und werkeln an Maßnahmen gegen die globale Handy-Pest in ihren Shows: Alicia Keys beispielsweise hat bei einem Club-Gig vor kurzem alle Smartphones mit einer Art „Kondom“ versiegeln lassen, das man an Unlock-Stationen außerhalb des Saales wieder aktivieren konnte. Das System stammt von einem Silicon-Valley-Startup. Wie man hört, hat auch Apple gerade mit einem Patent aufgeschlagen, das per Infrarot-Signal die iPhone-Kameras außer Gefecht setzen kann. Ob die Fans das mitmachen? Sicher ist dagegen: Die vertrackte Sache muss einmal ganz neu gedacht werden – von allen Seiten.

Quelle: op-online.de

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