RMV testet neue Allround-App

Einsteigen und nur noch losfahren

Frankfurt - Einsteigen und losfahren, ohne dass man über den jeweiligen Tarif Bescheid weiß oder vorher eine Fahrkarte kaufen muss. Von Michael Eschenauer

Dies ist das Prinzip des jetzt vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf der Frankfurter Busline 32 mit zehn Linienbussen getesteten Projekts „E-Sim 2020“. Die Neuerung besteht darin, dass die Fahrt mit allen Tarif-Eigenheiten automatisch erfasst wird, ohne dass sich der Fahrgast darum kümmern muss. Zentraler Bestandteil des Systems ist das Smartphone, das der Fahrgast mit sich trägt.

Mit Hilfe einer speziellen App auf dem Smartphone wird über WLAN ein Signal an eine Vorrichtung im Bus gesendet. Der Bus-Rechner führt akribisch Buch darüber, wie viele Fahrgäste ein- und aussteigen, und um wen es sich hierbei handelt. Verlässt man den Bus, endet die Signalverbindung, der Preis für die jeweilige Fahrt wird aufgrund der entsprechenden Tarife berechnet und dem Fahrgast am Monatsende zugeschickt. „Heute müssen Fahrgäste vor Fahrtantritt eine Fahrkarte kaufen und sich über Tarife informieren. Mal ist eine Kurzstrecken-, mal eine Tages-, mal eine Einzelfahrkarte die beste Wahl. Mit der automatischen Abrechnung auf Basis von Raumerfassung heißt es zukünftig ‘Einsteigen und Losfahren’“, bilanzierte Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) die Vorteile des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekts mit derzeit 200 Testpersonen, das noch bis Ende Juni laufen soll. Die Kosten der insgesamt bisher drei Jahre dauernden Tests werden auf 4,7 Millionen Euro beziffert.

Auf diese Weise werde der Nahverkehr gerade auch für Gelegenheitskunden attraktiver, sagte Majer und betonte, auch wenn es im Forschungsprojekt zunächst um die technische Machbarkeit gehe, habe man das Thema Datenschutz mitberücksichtigt. „Es wurden bereits Gespräche mit dem Hessischen Datenschutzbeauftragten geführt und ein weiterer Informationsaustausch auf dem Weg zur Umsetzungsreife vereinbart“, sagte er bei der Vorstellung von „E-Sim 2020“. Schon jetzt würden die Daten anonymisiert und Klarnamen codiert.

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat nennt das automatische Bezahlen ohne klassischen Fahrschein die „Technologie der Zukunft“. Frankfurt sei hier Vorreiter. Der Feldversuch in den 32er Bussen läuft seit anfang Mai dieses Jahres. Bewähre sich das Verfahren, will man das revolutionäre Nutzungs- und Abrechnungsverfahren zunächst im RMV-Gebiet einsetzen. Eine Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet ist möglich, weil man schon jetzt an den deutschlandweiten Standards mitwirke. Ringat nannte als Zeithorizont die Jahre ab 2020.

In jedem Fall sei das neue, durch eine App gesteuerte Ticketing bisher europaweit einzigartig. Im Auge hat man beim RMV auch die Einbeziehung von Leihrad oder Leihauto beim neuen E-Ticket. Die klassischen Vertriebswege der Tickets über die Automaten, die herkömmlichen E-Tickets, auf die Zeitkarten geladen werden, oder die Busfahrer will man aber beibehalten.

Quelle: op-online.de

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