Vier Jahren und neun Monaten Haft: Revision angekündigt

Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs  verurteilt

Rossdorf - „Der Vorwurf ist nicht Ihre Pädophilie als solche, sondern dass Sie sich trotz Kenntnis ihrer Neigung bewusst in gefährliche Situationen begeben und diese ausgelebt haben!“ Die Botschaft im Schlussvortrag von Oberstaatsanwalt Wolfgang Sattler ist eindeutig. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Weder das umfangreiche Geständnis, die Bemühungen um eine schnelle Therapie noch die immer wieder bekundete Reue des 29-jährigen Erziehers einer Roßdorfer Kindertagesstätte haben ihm zur Bewährungsstrafe verholfen. Der bislang unbescholtene junge Mann wurde gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einer Schutzbefohlenen und des Besitzes von 7 900 kinderpornografischen Dateien zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Wahlverteidiger Jürgen Rath kündigte Revision an: „Das Urteil verstößt gegen die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, der in ärgeren Fällen bei voller Geständigkeit und Therapiewillen eine Bewährungsstrafe mehrfach bestätigte.“

Der junge Pädagoge hatte im Sommer vergangenen Jahres ein vierjähriges Mädchen in fünf „Settings“, wie er es selber nannte, an den Genitalien gestreichelt und einmal einen Finger in den Po der Kleinen gesteckt. Eigenen Angaben zufolge habe er „vielleicht unbewusst“ die Situation ausgenutzt, wenn er in der Pause mit den Kindern allein im Turnraum war. Dort hatten maximal zwölf Kinder die Möglichkeit, ihren Mittagsschlaf zu halten, das Mädchen Klaudia (Name v. d. Red. geändert) schlief jedoch meist nicht. „Gelegenheit macht Diebe, heißt es so schön. Sie konnten ihre Neigung zwar lange kontrollieren, aber damit war es dann doch irgendwann vorbei“, so der Vorsitzende Richter Marc Euler in seiner Urteilsbegründung. „Eltern geben ihre Kinder in den Kindergarten, weil dies eine Schutzzone ohne Gewalt und Übergriffe ist und kein Selbstbedienungsladen für Pädophile! Für eine verminderte Schuldfähigkeit gibt es hier keinen Raum!“

Mit dieser Einschätzung folgt Euler der Oberstaatsanwaltschaft, die überdies die erhebliche kriminelle Energie anprangert. Der Angeklagte habe, so Sattler, nach dem anfangs noch harmlosen Googeln von Kinderfotos bewusst den Schritt ins „Darknet“ gewählt, um sich illegale Dateien herunterzuladen. Sattler fordert sogar eine Haftstrafe, die 25 Monate über der verkündeten liegt.

Archivbilder

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Außergewöhnlich ist nicht nur der gesamte Prozess, sondern auch das Schlusswort des Angeklagten. In einem sehr gewählt formulierten Vortrag bittet er in direkter Ansprache an die Mutter und Nebenklägerin einmal mehr um Verzeihung: „Kein Kind sollte Missbrauch erleben. Ich bereue diese Sache sehr.“ Der Richter beschreibt das widersprüchliche Verhalten des Erziehers so: „Einerseits ist die Pädagogik Ihr Steckenpferd, das Wohl der Kinder liegt Ihnen am Herzen, und andererseits treten Sie im Kindergarten wie der Wolf im Schafspelz auf.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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