Ausländerbeiräte entfachen Debatte

Schwimmen nach Geschlechtern

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Zwei muslimische Schülerinnen und ihre Lehrerin beim Schwimmtraining. Der Landesausländerbeirat hätte gerne mehr Schwimmzeiten, die Frauen vorbehalten sind.

Frankfurt - Eigene Schwimmzeiten für Frauen sind in Hessens Bädern rar – Angebote gibt es vor allem in Großstädten. Die Ausländerbeiräte fordern eine Ausweitung. Frankfurts Sportdezernent hält dies dagegen integrationspolitisch für bedenklich. Von Thomas Maier 

Wer als Mann am frühen Samstagabend im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim Schwimmen gehen will, sollte besser zu Hause die „Sportschau“ gucken. Denn im dortigen Hallenbad haben zu dieser Zeit nur Frauen Zutritt. Auch das Personal ist weiblich. Das Angebot richtet sich vor allem an muslimische Frauen – und hat sich bewährt. „Der Bedarf ist definitiv da“, sagt Kirsten Reuter von der stadteigenen Wiesbadener Bäderverwaltung mattiaqua. Diese hat auf den Wunsch des Integrationsamts reagiert. Wiesbaden ist nicht allein: Auch andere Großstädte wie Frankfurt oder Kassel haben Frauenschwimmen institutionalisiert. In Frankfurt steht das Riedbad-Hallenbad im Stadtteil Bergen-Enkheim dienstags für Frauen offen – im Winter. Das Gartenhallenbad in Frankfurt-Fechenheim bietet bereits seit 1993 an Sonntagen drei Stunden an. Der Burkini, der den ganzen Körper bedeckt, ist in Frankfurt ohnehin erlaubt.

Dem Frankfurter Ausländerbeirat (KAV) reicht das jedoch nicht: Ein Antrag an die Stadtverwaltung, das Angebot auf weitere Bäder auszudehnen, hat in Hessens Metropole eine grundsätzliche Debatte ausgelöst. Der Bedarf reiche seit langem nicht mehr aus, da gerade muslimischen Frauen aus medizinischen Gründen das Schwimmen empfohlen werde, sagt Hüseyin Kurt vom Ausländerbeirat. Diese wollten aber – auch aus Schamgründen – nicht mit Männern im Bad zusammensein. Der für Frankfurts größtes Bad am Rebstockgelände zuständige SPD-Ortsbezirk hat die Stadt nun aufgefordert, das Anliegen des KAV zu prüfen. Die Bäderverwaltung gibt sich zur Ausweitung des Frauenschwimmens aber zurückhaltend. „Wir müssten dann andere Angebote einschränken“, sagt Geschäftsführer Frank Müller. Es gebe auch keinen Beleg für eine höhere Nachfrage. Müller verweist auf Befragungen unter Gästen.

Noch deutlicher wird der für die Bäder und Sport zuständige Frankfurter Dezernent Markus Frank. „Es wird keine Ausweitung geben“, betont er. Der CDU-Politiker sieht nicht nur Mischnutzung und Flexibilität der Bäder gefährdet, sondern führt auch integrationspolitische Gründe an. „Wir wollen ein Ort für alle sein.“ Eine Geschlechtertrennung in den Bädern widerspreche dem Prinzip des gemeinsamen Schwimmunterrichts in den Schulen. Wer so argumentiere, vergleiche „Äpfel mit Birnen“, kontert der Landesausländerbeirat. Das Prinzip der Koedukation an den Schulen sei ein wichtiger Eckpfeiler, betont der Vorsitzende Enis Gülegen. Beim Frauenschwimmen gehe es aber um Wahlfreiheit für Erwachsene. „Wir sind eine pluralistische Gesellschaft, da soll sich jeder entfalten können“, sagt Gülegen und verweist darauf, dass es auch Fitnessstudios für Frauen gebe.

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Die Diskussion dürfte weitergehen: Denn auch unter Hessens größten Städten gibt es kein einheitliches Angebot. In Darmstadt etwa bietet gar kein Schwimmbad ein gesondertes Frauenschwimmen an. Dafür fehle das weibliche Personal, sagt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage. Außerdem seien die Bäder anderweitig belegt. Anders dagegen im kleineren Maintal: Dort hat die Stadt das Maintalbad, das Hallenbad im Stadtteil Dörnigheim, ab Mitte September freitags eine Stunde für Frauen reserviert. „Es soll allen Besucherinnen die Möglichkeit bieten, sich ohne Schamgefühle gerade im Hinblick auf körperbetonte Badekleidung und männliche Blicke im Schwimmbad unter Frauen frei bewegen zu können“, heißt es auf der Homepage des Hallenbads. Der Badebetrieb läuft ohne weibliche Aufsicht. (dpa)

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Quelle: op-online.de

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