Frankfurter Portikus zeigt großformatige Bilder der Amerikanerin Amy Sillman

Sequenzen aus New York

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Installierte ihre Bilder dicht an dicht: Amy Sillman wird derzeit im Frankfurter Portikus ausgestellt.

Frankfurt - Die Kunst der amerikanischen Malerin und Städel-Professorin Amy Sillman hat ihre Wurzeln in der New York School der 70er Jahre. Von Eugen El 

Im Frankfurter Portikus ist jetzt ihre erste museale Einzelschau in Deutschland zu sehen: Es sind großformatige Malereien, die Figuration mit Abstraktion verbinden. Dicht an dicht stehen 24 gleich große Leinwände in der Frankfurter Kunsthalle Portikus. Sie füllen den Ausstellungsraum aus. Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland hat die 1955 geborene, in New York lebende Malerin Amy Sillman eigene Zeichnungen vergrößert und im Tintenstrahldruckverfahren auf die Leinwände übertragen. Im nächsten Schritt hat sie sie grundiert und mit Gouache sowie Tinte über die Drucke gemalt.

Sillman ist seit 2015 Professorin für Malerei an der Frankfurter Städelschule. Die vergangenen Monate hat sie in Frankfurt verbracht, die meisten Bilder sind indes noch in New York entstanden. Sillmans Motive changieren zwischen Abstraktion und Figuration. Oft sind es Farbflächen und großzügige malerische Gesten. Manchmal meint man, Gegenständliches wie eine Hand oder einen Kopf zu erkennen. Viel Schwarz kommt zum Einsatz, aber auch Violett- und Magentatöne. Die Malerei des Abstrakten Expressionismus, auch als New York School bekannt, gilt als ein wichtiger Einfluss für Amy Sillmans Werk.

Sie nennt dabei Namen wie Willem De Kooning und Cy Twombly. In den 1970ern sei die New York School an den Kunsthochschulen in den USA regelrecht verboten gewesen, erzählt die Künstlerin. Vor allem Frauen hätten damals diese Malereitradition neu für sich entdeckt. Für die Frankfurter Schau hat Amy Sillman ein Künstlerheft in Leporello-Form produziert, das im Ausstellungsraum ausliegt. Es beinhaltet einige Motive der bedruckten und bemalten Leinwände, kurze zeitgenössische und historische Texte sowie eine Geschichte, die von Sillman selbst verfasst wurde. Sie beschreibt einen dramatisch-komischen Ausflugstag mit ihrer Malereiklasse.

Erwerben kann man das Heft, indem man einen Euro in den weit offenen Mund einer Keramikfigur wirft. Die Münze wird gleichsam wieder ausgeschieden und landet in einem Eimer. Dieselbe Figur taucht auch in einem kurzen Animationsfilm auf, der im Eingangsbereich der Ausstellung zu sehen ist. Der Film vermittelt eine märchenhafte, bisweilen brutale Stimmung und kommt ohne eine eindeutige Erzählung aus. Ihre Arbeiten auf Leinwand sieht Sillman als „Malerei mit Mitteln der Animation“. Tatsächlich wirken sie wie eine Bildsequenz.

Amy Sillman präsentiert sich im Portikus als eine experimentierfreudige Künstlerin, die ihr Tun reflektieren kann. In einer ihrer nächsten Werkreihen werde sie bestimmt auch ihre Eindrücke aus Frankfurt verarbeiten, erzählt Sillman. Das werde sich in der Farbwahl niederschlagen. „Es ist so grün hier!“, sagt sie. „Amy Sillman the ALL-OVER“, bis 4. September im Portikus Frankfurt, geöffnet Di.-So. 11-18 Uhr und Mi. 11-20Uhr.

Quelle: op-online.de

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