Eröffnung am Sonntag

Stadthaus: Was kann, was darf die Braut?

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Das Stadthaus in Frankfurt.

Frankfurt - Brautschau in Frankfurt: Gestern führten Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und der Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft, Michael Guntersdorf, das neue Stadthaus vor, die jüngste der schönen Töchter der Stadt. Freier müssen sich aber noch zurückhalten, denn niemand weiß: Was kann, was darf die Schöne? Von Michael Eschenauer

Nur wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung des 20 Millionen Euro teuren Sandstein-Komplexes direkt am Dom und am Rande der „Neuen Altstadt“ am kommenden Sonntag ist völlig unklar, wie das spitzgiebelige Gebäude mit einem spektakulären, zwölf Meter hohen, 150 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal eigentlich genutzt werden soll. Der scheidende Bürgermeister, leicht genervt: „Man könnte das langsam mal klären. Wir machen nur Vorschläge. Entscheidungen treffen andere.“ Die Debatte schwankt zwischen der Einrichtung eines ökumenischen Kirchenmuseums, in dem Exponate aus dem Ikonenmuseum und dem Dommuseum Platz finden, und einer professionell vermarkteten Veranstaltungsstätte, die jeder buchen kann. Cunitz, der in der neuen schwarz-rot-grünen Stadtregierung keinen Dezernentenposten mehr bekleiden wird, machte aus seiner Präferenz für ein reines Veranstaltungshaus gestern keinen Hehl. Eine Nutzung als Museumsdependence würde wegen des dann erforderlichen Lichtschutzes und der speziellen Klimatechnik möglicherweise aufwendige Umbaumaßnahmen nach sich ziehen. Außerdem sei das Haus gedacht nicht nur als Belebung des neuen Quartiers, sondern auch als Entlastung der überbuchten Veranstaltungsflächen im Römer, in der Paulskirche und im Haus am Dom. Guntersdorf gab zu Protokoll, dass das Gebäude betriebsfertig, aber derzeit trotz großen Interesses nur schwer vermarktbar sei. Grund: Niemand kann potentiellen Betreibern exakt sagen, was sie für ihre Pacht an Raumressourcen erhalten.

Das Schmuckstück des neuen Stadthauses bildet ein zwölf Meter hoher Veranstaltungssaal im 1. Stock. Er wirkt fast schon sakral - vielleicht auch deshalb, weil man aus einem seiner Fenster auf den benachbarten Kaiserdom blicken kann.

Bei einer musealen Nutzung werde und müsse es Einschränkungen geben. Ab Sommer visiert man immerhin einen regelmäßigen Betrieb in dem 25 Meter hohen Komplex an. Ungeachtet der Probleme gab es gestern von offizieller Seite viel Lob für die Braut. Die zeitgenössische Architektur mit historischen Bezügen sei durch die Nutzung von einheitlichen Materialien zurückhaltend, aber dennoch prägnant. „Wir laufen nicht Gefahr, dass das schnell aus der Mode kommt wie seinerzeit die Postmoderne“, so Guntersdorf. Cunitz bezeichnete das aus fünf Teilen mit - außer dem für 200 Menschen zugelassenen fast sakral wirkenden Saal - zwei Seminarräumen und dem überbauten historischen Garten bestehende Gebäude als „wesentlichen Eckpfeiler“ des Dom-Römer-Areals. Das Stadthaus bilde die gestalterische Brücke zwischen Schirn, Dom und Altstadtbebauung. Der archäologische Garten mit steinernen Zeugnissen aus den Anfängen der Stadtgeschichte in römisch, karolingisch und hochmittelalterlicher Zeit gilt als der wahre Mittelpunkt der Stadt und wird möglicherweise schon ab Herbst für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Unterdessen geht es mit dem Bau der knapp 186 Millionen Euro teuren „neuen Altstadt“ zwischen Dom, Römer, Schirn und Braubachstraße zügig voran. Basierend auf einem Stadtverordnetenbeschluss des Jahres 2007 soll das aus 80 Wohnungen in 15 originalgetreu rekonstruierten und 20 neugestalteten Häusern sowie 15 Läden bestehende fußballfeldgroße Zentrum der Kaiserstadt Ende 2017/Anfang 2018 mit einem großen Fest eröffnet werden. Dessen Kosten werden bereits heute auf bis zu eine Million Euro taxiert.

Quelle: op-online.de

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