Jäger in Südhessen sehen andere Arten bedroht

Störche bald eine Plage?

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Sind die Störche – einst eine Seltenheit – auf dem Weg zum Störenfried des ökologischen Gleichgewichts?

Groß-Gerau - Kann es in einer Region zu viele Störche geben, die durch ihr Fressverhalten andere Arten wie Hasen und Rebhühner bedrohen? Zwischen Jägern und Naturschützern in Südhessen ist über diese Frage ein veritabler Streit ausgebrochen.

Im hessischen Ried und dem Vogelschutzgebiet der Altneckarschlingen in Südhessen finden die Vögel ideale Bedingungen – fast die Hälfte der hessenweit rund 450 Brutpaare leben hier. „Wir können nicht nur eine Art fördern, und alle anderen gehen zugrunde“, beschreibt Hansjörg Miller vom Kreisjagdverein Groß-Gerau das Problem aus Sicht der Jäger. „Jetzt haben wir ganze Reviere, da gibt es keine Hasen mehr, da ist der Besatz mit Rebhühnern gleich null.“ Schuld daran sei der Storch, der die Jungtiere verspeise. Storchenexperte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen hält dagegen: „Das ist vollkommener Quatsch und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ Auf dem Speiseplan der Störche stünden vor allem Regenwürmer und Mäuse. Höchstens ein bereits durch Mäharbeiten getötetes Häschen würde der Aasfresser ab und zu verspeisen. „Es ist überhaupt nicht der Fall, dass Störche andere Arten ausrotten“, erklärt Petri.

Miller fordert, Nisthilfen zu verlegen, damit sich die Störche auf ein größeres Gebiet verteilen. „Das ist die einzige Lösung, die ich sehe.“ Petri zufolge werden in Südhessen jedoch schon seit fünf Jahren keine künstlichen Nisthilfen mehr aufgestellt, weil es genügend alte Baumstümpfe gibt, auf denen die Vögel ihre Nester bauen können. „Die Nahrungsverfügbarkeit reguliert den Bestand.“ Jungstörche würden sich dann auch anderswo ansiedeln – ohne dass man dafür Nisthilfen verlegen müsste. „Unsere Empfehlung ist, der Natur zu vertrauen“, sagt Petri. Der hessische Landesjagdverband formuliert das Problem deshalb etwas allgemeiner: Wenn es Hinweise gebe, dass eine Art regional besonders häufig vorkommt, könnten andere Tiere dadurch bedroht sein, hieß es.

Naturschutzbund beringt Störche

Die Jäger im angrenzenden Rheinland-Pfalz können die Sorgen ihrer südhessischen Nachbarn nicht nachvollziehen. „Wir sehen in den Störchen keine Gefahr“, sagt Günther Dieter Klein vom Landesjagdverband. Die Jäger freuten sich über den Anblick der Vögel sogar. Ähnlich sehen das die Bauern. Weil die Vögel Schädlinge wie Mäuse und Heuschrecken fressen, bestehe zwischen Landwirten und Störchen eine „gute Partnerschaft“, berichtet Miriam Bienau vom Hessischen Bauernverband. „Bei der Bodenbearbeitung bewegen sich die Störche zahlreich hinter den Schleppern her und fressen die an die Erdoberfläche beförderten Mäuse.“ dpa

Quelle: op-online.de

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