Geringes Interesse bei Patienten in Hessen

Terminservice für Fachärzte ein Flop

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Symbolbild

Offenbach - Lange haben sich Kassenärzte gewehrt, Servicestellen für die Terminvergabe einzurichten. Es gebe keine langen Wartezeiten in Praxen – war ihr Argument. Die Nachfrage scheint tatsächlich relativ gering zu sein. Von Peter Schulte-Holtey

Die Servicestelle zur Vermittlung von Facharztterminen in Hessen stößt auf weit geringeres Interesse als ursprünglich erwartet. Im ersten Halbjahr ihres Bestehens wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) 5138 Termine an Kassenpatienten vermittelt. Im Schnitt melden sich 117 Anrufer täglich. Im Schnitt werden pro Tag hessenweit 39 Termine vermittelt und bestätigt. Viele rufen allerdings ohne Überweisung an oder haben Überweisungen ohne Code. Sie erfüllen damit nicht die Bedingungen für eine Terminvermittlung. Die KV war bei der Planung für die Servicestelle mit zehn Mitarbeitern von 25.000 zu vermittelnden Terminen pro Monat ausgegangen – und klagt jetzt über Ineffektivität des Angebots. Wegen der geringen Nachfrage belaufen sich die Vermittlungskosten pro Termin auf 107 Euro.

Zum Hintergrund: Seit dem 25. Januar können sich gesetzlich Versicherte von den Mitarbeitern in der Servicestelle unterstützen lassen. Wer eine dringende Überweisung des Hautarztes hat, kann die Terminservicestelle anrufen (Tel: 069/4005000-0 / Dienstzeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr - Freitag von 9 bis 14 Uhr). Die Mitarbeiter müssen den Patienten innerhalb einer Woche einen Termin anbieten. Die Praxis darf bis zu einer Stunde weit weg sein. In Hessen wurden bislang am häufigsten Termine bei Neurologen vermittelt – im Schnitt 71 Termine in der Woche.

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Von der Techniker Krankenkasse (TK) wird die KV-Servicestelle jetzt gedrängt, auch eine Online-Terminvergabe anzubieten. Die Patienten könnten so vom Computer, Smartphone oder Tablet aus eigenständig und rund um die Uhr dringliche Facharzttermine im Internet buchen. Eine Analyse der Krankenkasse hat gezeigt, dass sich jeder zweite Deutsche wünscht, mit seiner Haus- oder Facharztpraxis digital in Kontakt zu treten – vor allem um Termine online auszumachen. „Könnten die Versicherten eigenständig im Internet ihre Arzttermine vereinbaren, würde das die KV zudem enorm entlasten“, so TK-Landeschefin Dr. Barbara Voß.

Gerade die KV in Hessen habe darüber geklagt, wie viele Mitarbeiterkapazitäten und finanzielle Mittel die Terminservicestelle in Anspruch nehme. Die Kasse setzt bereits auf Online und bietet ihren Versicherten schon seit 2011 die Möglichkeit an, Arzttermine online zu buchen. Bundesweit beteiligen sich derzeit laut der TK 3500 Arztpraxen, davon 340 in Hessen, an diesem Service. Gegenrede kommt von der KV. „Der telefonische Kontakt ist patientenfreundlich und niederschwellig“, sagte KV-Sprecherin Petra Bendrich auf Anfrage.

Quelle: op-online.de

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