Pop-Quartett The Corrs in Frankfurt

Anschmiegsam und nie sperrig

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Sharon Corr an der Geige: Bei den Corrs treffen eine gehörige Portion Lebensfreude auf Charme.

Frankfurt -  Manche behaupten, sei seien die gewaschene Antwort auf die Kelly Family. Das freilich ist zu kurz gedacht, denn das Geschwister-Quartett Corr hat mit der Musikgruppe aus dem Doppeldeckerbus nicht viel gemeinsam. Von Harald H. Richter 

The Corrs aus Irland gehören mit ihrer Mischung aus lieblichem Gesang, eingängigen Melodien und wohldosierten Folk- zu den erfolgreichsten Pop-Exporten der grünen Insel. Zudem versprühen Leadsängerin Andrea, Geigerin Sharon, Caroline am Schlagzeug sowie Gitarrist und Keyboarder Jim neben einer gehörigen Portion Lebensfreude auch eine Menge Charme. Wer sie zum ersten Mal auf der Bühne erlebt, möchte annehmen, es handelt sich um eine gecastete Gruppe aus drei grazilen Schönheiten mit männlicher Begleitung.

Geboren und aufgewachsen in Dundalk, haben die Vier das musikalische Handwerk von der Pike auf im McManus Pub ihrer Tante gelernt – klingt nach Klischee, ist aber keins. Und wer bei Alan Parkers legendärem Musikfilm „The Commitments“ von 1991 genau hinschaut, kann alle Corrs in Kleinstrollen entdecken. Vier Jahre später folgte ein musikalischer Siegeszug rund um die Welt, anfangs noch als Support von Celine Dion. 35 Platin- und 15 Goldalben waren der Lohn. Dann besannen sich The Corrs darauf, dass Irland vielleicht noch katholischer ist als gemeinhin angenommen, gründeten Familien und kümmerten sich je um einen bis drei Erben. Nun haben sie die 40 überschritten, lassen wieder musikalisch von sich hören und sind auf Tournee.

Über 3000 Fans präsentierten sie am Samstagabend in der Frankfurter Festhalle neben Songs aus ihrem neuen Album „White Light“ etliche ihrer größten Hits, etwa „Runaway“ und „Forgiven, not forgotten“ aus dem Karrierestartjahr 1995 sowie „What can I do“ von 1998.

Den deutschen Anhängern unvergessen sind Titel wie ihre Version des Fleetwood-Mac-Klassikers „Dreams“ und „Radio“, die ebenfalls nicht fehlen durften. Aber auch dem aktuellen Album entnommene Songs fanden Gefallen. Schon beim Opener „I do what I like“ raste das Herz von Andrea Corr, das sich nicht beruhigen ließ, da sie gesanglich das Paradies erblickte. Stets hochemotional, immer anschmiegsam und nie sperrig – so geht es zumeist in den Liedern zu, in denen der Himmel auch manchmal grau ist. So reihte sich das gefühlvolle „Kiss of life“ ebenso wie das eher unprätentiöse „Stay“ an extrem harmonisch arrangierten Hochglanzpop.

Die Mixtur aus Balladen zum Dahinschmelzen und melodiösen Sounds, verbunden mit rustikal-gälischen Klängen, sorgte konsequenterweise für glückselige Gesichter. Dem verwendeten Musikequipment sei Dank. Neben klassischen Instrumenten, wie Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, kamen auch Violine, die Bodhrán genannte irische Rahmentrommel und Tin Whistle, eine spezielle Flöte, zum Einsatz. Bei der „Irish Pub Session“, einem Potpourri aus modern angeordnetem Folk, hielt es die Fans nicht auf ihren Sitzen. Die grün-weiß-orange Trikolore schwenkend, wurde begeistert mitgesungen. Kein Wunder, dass The Corrs nicht ohne Zugaben von der Bühne gelassen wurden.

Quelle: op-online.de

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