In die Röhre gucken – für die Sicherheit

Tunnel werden über eine Zentrale in Eschwege überwacht

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Blick in die Tunnel-Leitzentrale (TLZ) in Eschwege. Von hier aus werden zehn hessische Tunnel überwacht. Die TLZ kümmert sich um Lüftung und Beleuchtung, Sperrung der Fahrbahn und Durchsagen im Tunnel, zudem setzt der Disponent die Rettungskette in Gang.

Eschwege -  Wenn ein Auto in einem Tunnel Feuer fängt, wird es schnell brenzlig. Giftige Gase können entstehen und nicht nach oben entweichen. Rauch vernebelt die Sicht, es kann zu Auffahrunfällen kommen. In Hessen greift dann die Tunnelleitzentrale (TLZ) in Eschwege ein. Von Timo Lindemann

Sie kümmert sich um Lüftung und Beleuchtung, Sperrung der Fahrbahn und Durchsagen im Tunnel, zudem setzt der Disponent die Rettungskette in Gang. Die Zentrale ist in dieser Art einzigartig in Deutschland: Nirgendwo anders sitzen eine TLZ und die Leitstelle des Kreis-Rettungsdienstes in einem Raum. „Wir arbeiten zusammen mit Straßenmeistereien, Polizei und Rettungsdienst“, sagt Günther Schmidt vom Dezernat Strategisches Tunnelmanagement bei Hessen Mobil. In einem halbrunden Raum mit einer großen Leinwand aus Bildschirmen werden derzeit zehn hessische Tunnel überwacht - vom Theatertunnel in Frankfurt über den Tunnel Lohberg auf der B 426 Nieder-Ramstadt bis zu gleich mehreren auf der A 44 in Nordhessen zwischen Kassel und Herleshausen. Sieben davon sind mit Videotechnik ausgerüstet.

Tag und Nacht achten ein bis zwei der insgesamt 17 Mitarbeiter auf die Live-Bilder und Daten, die von den Röhren nach Eschwege gesendet werden. Mehr als ein Dutzend Tunnel sind noch im Bau oder geplant und werden in den kommenden Jahren dazukommen. Ein Schwerpunkt wird dann die A44 in Nordhessen mit insgesamt 13 Tunneln sein. „Das ist dann die längste Tunnelkette Deutschlands“, sagt Schmidt.

Für den ADAC ist die TLZ ein „wichtiges Sicherheitsinstrument“, wie ADAC-Verkehrstechniker Wolfgang Herda sagt. Die Richtlinien sorgten für eine große Sicherheit. Es sei genau festgelegt, „was im Fall x oder y passiert“, betont Herda. Es gebe keine Hinweise, dass Krisen in hessischen Tunneln nicht bewältigt worden seien. Da aber einige, vor allem kürzere Tunnel in Hessen noch nicht entsprechend umgerüstet seien, forderte er, dies möglichst schnell anzugehen.

Kaum jemand bemerkt, welche Technik in einem Tunnel steckt. Los geht es schon vor der Einfahrt mit einer Ampel und Schranken, um den Verkehr bei einem Ernstfall draußen zu halten. Neben der Fahrbahn befinden sich die Notgehwege mit Notrufnischen und Notausgängen. Ab 400 Metern Tunnellänge sind Kameras vorgeschrieben, deren Bilder auf die Medienleinwand in der Eschweger TLZ einlaufen. „Wir haben auch die Möglichkeit, in den Verkehrsfunk einzusprechen“, erzählt Schmidt.

Sensoren erkennen, wenn es brennt, über andere Instrumente werden Kohlenmonoxidgehalt, Nebel oder Rauch gemessen. „Die Trübsicht-Messanlage meldet sich als erstes, wenn etwas passiert“, sagt Schmidt. Zudem gibt es an jedem Tunnel ein Vorratsbecken mit Löschwasser. Doch nicht nur um Brände oder liegengebliebene Autos kümmert sich die TLZ.

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„Es gibt Tage, da ist nur eine Störung, dann auch mal vier bis fünf“, berichtet Disponent Mirco Werner. An Freitagnachmittagen, wenn die Mitarbeiter von Baufirmen auf dem Weg nach Hause seien, falle schon mal eine Schubkarre vom Transporter. Zudem bleibe rechnerisch im Schnitt pro Woche knapp ein Wagen in einem Tunnel liegen.

Warum wurde die TLZ in Eschwege installiert? Zum einen war laut Hessen Mobil der Zeitpunkt günstig. Denn der Werra-Meißner-Kreis habe ohnehin eine neue Zentrale Leitstelle bauen wollen und da habe sich das Zusammengehen angeboten. Vor allem aber ist der Kreis das „Tunnel-Zentrum“ Hessens. Allein 12 der 13 Tunnel der A 44 liegen im Werra-Meißner-Kreis. Hessen Mobil hat noch Mitarbeiter in Fulda, Wiesbaden und Heppenheim, die sich um die Technik in den dortigen Straßentunneln kümmern. Überwacht allerdings werden alle Tunnel aus Eschwege. (dpa)

Quelle: op-online.de

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