DLRG nennt fehlende Schwimmbäder als Grund

Viele Kinder können nicht schwimmen

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Ein niedliches Bild. Doch dieses Mädchen sollte bald ohne Schwimmflügel im Wasser zurechtkommen. Schwimmen, so Fachleute, kann bereits ein Fünfjähriger lernen.

Offenbach/Darmstadt - Viele Grundschüler können sich nicht mehr selbstständig über Wasser halten. Das birgt Gefahren. Grund für das Defizit: Es fehlen  Schwimmbäder.

Viele Kinder können heutzutage nach der Grundschulzeit nicht richtig schwimmen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mahnt: Es fehlen Schwimmbäder. Rund ein Drittel der Grundschüler in Hessen kann nach Einschätzung von Experten nicht oder nur unsicher schwimmen. Das hat nach Ansicht der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mehrere Gründe. „Es gibt immer weniger Schwimmbäder“, sagte der DLRG-Vorsitzende Hessen, Thorsten Reus. Schulklassen müssten zum Schwimmunterricht weiter fahren als früher. „Von einer Doppelstunde habe ich dann vielleicht nur eine halbe Stunde fürs Wasser.“ Der Vorsitzende des Verbandes der Lehrer (VDL) Hessen, Jörn Leinberger, betont, bei längeren Fahrten zu Schwimmbädern stiegen die Kosten für einen Bus. „Da müssen Schulen überlegen.“ Die DLRG könne das nicht alles auffangen und habe selbst Anlass zur Klage, sagte Reus. „Wir haben die Badezeiten nicht mehr so zur Verfügung wie früher.“

Zuletzt hatte der tragische Tod von drei ertrunkenen Geschwistern in einem Löschteich im nordhessischen Neukirchen für Schlagzeilen gesorgt. Es war die Frage aufgeworfen worden, ob richtige Schwimmfähigkeit in diesem Fall Leben gerettet hätte. Zwei der toten Kinder, fünf und acht Jahre alt, konnten nicht schwimmen. Laut DLRG können Kinder dies aber schon ab fünf Jahren lernen. Schon vor einigen Jahren sei in einer Umfrage festgestellt worden, dass etwa die Hälfte der Zehnjährigen sich nicht richtig über Wasser halten könne, sagte Reus. Daran habe sich bis heute nicht viel geändert. „Die Schwimmfähigkeit in Deutschland hat im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren abgenommen“, sagte auch der Sprecher der DLRG-Zentrale in Hannover, Martin Holzhause. Die Situation unter Flüchtlingen sei meist noch schlimmer.

Selbst wenn es ein Schwimmbad gibt, ist längst nicht alles in Ordnung, betont Bernhard Engel, Leiter Wasserwacht im DRK-Landesverband Hessen. „Wenn doch ein Bad vorhanden ist, ist es oft „nur“ ein Spaßbad. Spaßbäder sind aber meist von ihrer Struktur her nicht geeignet, Schwimmunterricht zu erteilen und Schwimmfähigkeiten zu verbessern.“ Darüber hinaus sind nach Ansicht von Reus viele Kinder heute körperlich weniger fit als früher. „Sie haben eine andere Erfahrung mit Bewegungen und haben weniger Ausdauer. Sie sind eher mit der Fernbedienung und mit dem Handy unterwegs.“ Auch Herkunft und Bildung spielten eine Rolle. „An Gymnasien schwimmen Kinder besser als an der Hauptschule.“

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Dabei sei Schwimmen eine Sache fürs ganze Leben. „Schwimmen ist wie Fahrradfahren, das verlerne ich nicht mehr“, sagte Reus. Mitunter gäben sich Eltern leider zufrieden, wenn der Nachwuchs die Seepferdchen-Auszeichnung geschafft habe. Allerdings beweise erst der Freischwimmer, dass sich einer sicher im Wasser bewegen kann. Das sei später beispielsweise wichtig – wenn jemand Wasserski lernen will. „Wenn er ins Wasser fällt, muss er schwimmen können“, sagte Reus. Unter den Flüchtlingen könnten viele nicht schwimmen. So sieht es auch die DLRG. „Es spricht vieles dafür, dass die Schwimmfähigkeit unter den Flüchtlingen deutlich geringer ist“, sagte

Sprecher Holzhause. „Der prozentuale Anteil der Nicht-Schwimmer und der Schlecht-Schwimmer ist höher als unter der deutschen Bevölkerung.“ Das Kultusministerium will an dem Ziel festhalten, „dass am Ende der Grundschulzeit alle Schüler schwimmen können“, wie Sprecher Stefan Löwer sagte. Grundsätzlich sei es allen Sportlehrern möglich, auch Schwimmunterricht zu geben. (dpa)

Quelle: op-online.de

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