Betrugsmaschen immer perfider

BKA warnt vor Welle von Anrufen vermeintlicher Polizeibeamter

Wiesbaden/Offenbach - Trotz aller Warnungen: Trickbetrüger bringen wieder verstärkt meist ältere Menschen um Hab und Gut. Die Zahl der Betroffenen kann keiner genau beziffern, der Schaden liegt allein in der Region um Offenbach nahe der Million.

Das Bundeskriminalamt (BKA) sah sich gestern gezwungen, erneut vor betrügerischen Anrufen zu warnen, bei denen sich Kriminelle als BKA-Beamte ausgeben und Geld zur Unterstützung der Polizeiarbeit fordern. Die Täter wenden sich gezielt an ältere Menschen und wollen deren Gutgläubigkeit und Vertrauen in staatliche Institutionen ausnutzen, wie die Behörde in Wiesbaden mitteilte. Den Ermittlern zufolge ist in jüngster Zeit eine erneute Welle dieser Betrugsmasche zu verzeichnen. Das BKA appellierte an die Bürger, sich bei solchen Anrufen keinesfalls auf Forderungen einzulassen. Mitarbeiter deutscher Strafverfolgungsbehörden würden sich niemals mit einer direkten Geldforderung zur Unterstützung ihrer Arbeit telefonisch, schriftlich oder persönlich an Bürger wenden.

Die bundesweit agierenden Betrüger hätten es vielmehr auf Kontozugangsdaten, Bargeld und andere Wertgegenstände abgesehen, betonte das BKA. Die Behörde rief Betroffene auf, Name, Rufnummer und Dienststelle des angeblichen Polizeibeamten zu notieren und bei der örtlichen Polizei Anzeige zu erstatten. Erst in der vergangenen Woche hatte die Polizei in Frankfurt von einer heftigen Betrugswelle berichtet. Mal sei es der „Enkeltrick“, bei dem ein vermeintlich naher Verwandter oder der nette Nachbar schnell Hilfe wegen eines finanziellen Engpasses benötigten, mal würden vermeintliche Wasserableser oder Hausverwalter sich Zutritt zu den Wohnungen verschaffen und Geld und Schmuck mitgehen lassen. Inzwischen würden auch beide Maschen kombiniert. „Die Methoden sind mannigfaltig und variieren immer wieder aufs Neue, sagte der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Den Schaden in der Mainmetropole bezifferte er seit September 2015 auf mehr als eine Million Euro.

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Auch Andrea Ackermann vom für die Region zuständigen Polizeipräsidium Südosthessen berichtet von einer massiven Zunahme der Trickdiebstähle und -betrügereien seit Jahresbeginn mit sehr hohen Schäden. Die Täter gingen äußerst professionell vor. Die Anrufe kämen mutmaßlich aus Callcentern im Ausland, angezeigt werde aber beispielsweise die Nummer des Polizeireviers um die Ecke. Auch vermeintliche Staatsanwälte, Richter oder verdeckte Ermittler würden sich melden, um Geld für ihre Arbeit zu fordern. Das Perfide daran, erklärt Ackermann, sei, dass die sehr bestimmt auftretenden Anrufer ihre älteren Opfer so verunsichern würden, dass diese sich nicht mehr trauten, sich an die Polizei zu wenden. Ohnehin sei die Dunkelziffern bei diesen Delikten sehr hoch, wie Ackermann und Füllhardt unisono berichten. Viele Senioren schämten sich für ihre Leichtgläubigkeit, auf Betrüger hereingefallen zu sein.

ad/afp

Quelle: op-online.de

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