Drei große Bauprojekte an der Zeil

Konsummeile erfindet sich neu

Frankfurt - Die Frankfurter Zeil ist eine der umsatzstärksten Einkaufsstraßen in Deutschland – und immer wieder im Wandel. Drei große Bauprojekte sollen das Areal in der City künftig noch attraktiver machen. Von Ira Schaible

Auf dem Dach des ehemaligen Einkaufszentrums „Zeilgalerie“ reißt ein Bagger mit seiner Abbruchzange den Aufzugsschacht ein. Bis zu 70 Arbeiter sind damit beschäftigt, das 1992 errichtete Gebäude aus der Konkursmasse des Baulöwen Jürgen Schneider nach und nach dem Erdboden gleich zu machen. Bis 2018 soll daraus das Geschäftshaus „UpperZeil“ werden. Die Baustelle ist eine von drei großen Projekten an der umsatzstarken Frankfurter Zeil. Die letzte große Bauphase ist noch keine zehn Jahre her: Damals wurden das Einkaufszentrum „MyZeil“ und das angrenzende „Palaisquartier“ gebaut.

Zeitgleich zum Abriss der „Zeilgalerie“ wird das benachbarte Shoppingcenter „MyZeil“ mit dem imposanten Glasdach des italienischen Stararchitekten Massimiliano Fuksas von innen in Etappen umgebaut. Wenige Meter weiter, auf dem ehemaligen Gelände der „Frankfurter Rundschau“, entsteht am Eschenheimer Turm ein ganz neuer Komplex aus Hotels, Wohnungen, Geschäften und Gastronomie: „Flare of Frankfurt“.

Die drei großen aktuellen Projekte erfordern genaue logistische Absprachen, zumal das Shoppingerlebnis so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll. Von der „Zeilgalerie“-Baustelle werden derzeit jede Nacht etwa vier bis fünf Container mit jeweils rund 40 Kubikmeter abgebrochenem Stahl abgefahren. Dafür wurde eigens eine dreieinhalb Meter breite Baustraße aus recycelbaren grauen Kunststoffmatten über das Zeil-Pflaster gelegt. In Spitzenzeiten sollen bis zu 25 Lastwagen zwischen 22 Uhr und 9.30 Uhr darüber rollen können. Seit Beginn der Bauarbeiten Anfang Juli klappe es bislang problemlos, heißt es im Verkehrsdezernat der Stadt.

Die „Zeilgalerie“ wird bis auf die Decke des zweiten Untergeschosses abgerissen, wie Tobias Riik vom Immobilienentwickler RFR gestern bei einem Rundgang über die Baustelle sagte. „Statt einer Mall wollen wir wieder ein Geschäftshaus machen“, berichtete Thorsten Bischoff vom Projektentwickler DC Values. „Die Idee, mit dem Fahrstuhl in den siebten oder achten Stock zu fahren und dann eine Rampe herunter zu laufen und mit zehn Einkaufstüten in der Hand unten anzukommen, hat nicht mehr funktioniert.“

Rund 11.000 der 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche übernimmt der benachbarte „Kaufhof“, außerdem ziehen zwei Modegeschäfte sowie ein Mobilfunkunternehmen ein. Damit sich das neue Haus mit der Glasfassade perfekt zwischen die beiden Nachbarn „Kaufhof“ und „MyZeil“ fügt, werden die beiden oberen Stockwerke um knapp vier Meter zurückversetzt, wie Architektin Beata Keidl vom Büro Jürgen Engel in Frankfurt sagte

Beim „Flare of Frankfurt“ wird gerade die Baugrube ausgehoben. Als erstes entstehe dann das Haus mit den fast 60 Wohnungen, später folgen die beiden größeren Hotelgebäude. Büros sind nicht geplant, aber Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss, wie Riik sagt. Im Herbst werde der Rohbau nach den Plänen des Hamburger Architekten Hadi Teherani beginnen.

Bilder: Umbau der „Zeilgalerie“ zur „UpperZeil“

In „MyZeil“ wird auch vor allem nachts gearbeitet, damit die rund 90 Geschäfte wie gewohnt weiter verkaufen können. Center-Manager Marcus Schwartz spricht „von einer Operation am offenen Herzen“, die die Kunden bislang nicht abschrecke. „Wenn es auf der Zeil gerade leerer ist, liegt das sicher daran, dass viele bei dem schönen Wetter nochmal ins Freibad gehen, statt Winterkleidung zu kaufen.“

Zunächst werden zwei Rolltreppen umgesetzt: „Das gibt ein anderes, viel größeres Raumgefühl im Erdgeschoss“, beschreibt Schwartz eine der Folgen. Außerdem sind der erste und der zweite Stock künftig besser miteinander verbunden. Dabei sollen sich neue Blicke durch die Glasfassade auf die Zeil ergeben. Die 42 Meter lange Rolltreppe, eine der längsten in Europa, bleibt. Bis zum Weihnachtsgeschäft ab 21. November soll der Abschnitt fertig sein. In einer zweiten Etappe wird dann 2017 der sogenannte Food-Court im vierten Geschoss um- und ausgebaut. Verhandelt wird noch darüber, ob auch das Kino Astor Film Lounge einzieht, in dessen früherem Zuschauerraum auf der „Zeilgalerie“ derzeit der Abrissbagger steht. (dpa)

Die beliebtesten Parks und Gärten in Deutschland

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare