Der große Vergleich von T6 und T4

VW-Typen im Test: Zwischen Freundschaft und wahrer Liebe

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Hin- und hergerissen: Autor Stefan Dorner zwischen T6 und seinem T4.

Gerade mal 3000 Kilometer auf dem Tacho gegen 300.000. Baujahr 2003 gegen 2015. Ist dieser Fahrzeug-Vergleich von VW T6 und VW T4 nicht schon allein deshalb unfair? Finden wir nicht.

Wir haben den neuen Volkswagen Multivan T6 gegen seinen Großvater, den T4, antreten lassen. Bei unserem Bulli-Test trifft Hightech auf Nostalgie. Ergebnis: Den Neuen kann man schnell mögen. Den Alten muss man einfach lieben!

Das Äußere

Seine „feinen“ Gesichtszüge hat der VW-Bus schon mit dem T5 verloren. Die an die Generation Golf erinnernde Front ist einem aggressiven, wuchtigen Kühlergrill gewichen. Und weil VW-Busfahrer zu ihren Gefährten emotionale Beziehungen aufbauen, kann man nur sagen: „Der T4 und alles davor hatte ein schöneres Gesicht!“ Das gilt auch für den VW T6 mit seinen klaren, nüchternen Konturen. Als „Facelift“ unterscheidet er sich äußerlich nur unwesentlich vom 5er. Das gilt auch für die Maße: 4,89 Meter ist er lang und passt mit 1,95 Höhe gerade noch in die Tiefgarage.

Das Innenleben

Im T6 macht sich die neue Länge positiv bemerkbar: Drehsitze und ein verschiebbarer Mitteltisch erhöhen den Komfort für Familien.

Der T6 bietet nicht nur üppigere Maße, sondern auch mehr Luxus und Funktionalität: Die umlegbare 3er-Rückbank ist komplett bis zum Ende des Kofferraums zu verschieben. Die beiden Drehsitze davor und der auf Schienen geführte Mitteltisch lassen First-Class-Gefühle in Sachen Beinfreiheit und Komfort aufkommen. Das Camping-Gefühl des T4 ist allerdings passé.

Das Cockpit 

Wie schon beim T5 hat auch der 6er mit seinem langen Armaturenbrett die wohlige Pkw-Anmutung der alten Bullis verloren. Aber es überwiegt all das Positive, das dank der technischen Quantensprünge der vergangenen 15 Jahre dort verbaut ist. Multifunktionslenkrad, Navigation, USB, Ablagefächer etc.: Wenn man sich, verglichen mit dem T4, an die vielen Knöpfe und Dinge gewöhnt hat, macht es einfach Spaß, hier am Steuer zu sitzen.

Das Fahrverhalten

Nostalgie im T4: Kassettendeck.

Den T6 gibt es ab 84 PS bis hin zu 204 PS, die unser 2,0-TDI-Testmodell aus der Comfortline-Linie hat. Das Rattern des Diesels ist nicht mehr zu hören. Die optimale Reisegeschwindigkeit des T4 von 130 kann man bei seinem Nachfolger getrost per Tempomat auf 160 festlegen, wenn es die Autobahn hergibt. Man hört trotzdem mehr und schaukelt weniger. Beim Verbrauch liegt der T6 jetzt wieder deutlich unter zehn Litern pro 100 Kilometer und erreicht bei angemessener Fahrweise T4-Werte von sieben bis acht Litern.

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Die Neuheiten

Der T4 ist ein Fahrzeug, das einem einfachen Gesetz folgt: Einsteigen, vorglühen, anlassen, losfahren. Und als Gurtwarnsystem dient hier nicht etwa ein nerviger Piepston, sondern die achtjährige Leni. „Papa, du bist nicht angeschnallt!“

Der T6 hingegen ist ein Hightech-Fahrzeug: Die Adaptive Cruise Control (ACC) misst Abstand und Geschwindigkeit der vorausfahrenden Autos. Der Bus bremst und beschleunigt in der Tempomat-Funktion selbstständig. Das Fernlicht schaltet sich bei Dunkelheit und Gegenverkehr automatisch an bzw. ab. Rückfahrkamera, Parkpilot, Toter-Winkel-Warner: Alles mit dabei bei einem gut ausgestatteten T6. Und alles sehr sinnvoll. Jedoch sehr weit weg von den Ur-Bullis, deren erster vor über 65 Jahren vom Band lief.

Der Preis

Den T6 gibt es in Diesel- und Benzin-Varianten. Los geht es mit der recht nüchternen Conceptline bei 29 952 Euro. Realitisch muss man für einen guten Bulli der neuen Generation 50 000 Euro hinblättern. Das teuerste Highline-Modell kostet 62.326 Euro. Viel, aber gut investiertes Geld: Multivans sind praktischer als jedes andere Familienfahrzeug und wertbeständiger. Unser alter T4 liegt mit etwas Pflege und Rostschutz seit Jahren beständig bei Restwerten um rund 10 000 Euro. Aber seine alte Liebe verkauft man nicht.

Das Fazit

Um den T4 hat sich vor allem im Internet eine wahre Fangemeinde entwickelt. Und der T6? Ist, dank der behobenen Mängel des T5, ein Fahrzeug, das keine Wünsche offen lässt. Ein zuverlässiger Partner für Familie, für Urlaub und Sport. Ob es mal zum Kult reicht? Schwer zu sagen. Aber vielleicht kann man sich heute in Autos generell nicht mehr so verlieben wie früher.

Stefan Dorner

Ein Bus ist ein Lebensgefühl

Seit knapp 20 Jahren macht Kfz-Meister Bernhard Lischka alte Bullis wieder fit.

Das VW-Bus-Virus hat auch Bernhard Lischka erfasst – und er hat eine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Kfz-Meister hat sich in Landsberied (Lkr. Fürstenfeldbruck) auf T-Modelle spezialisiert. 790 Kunden weit über die Region hinaus hat er in seiner Kartei. Seine Werkstatt – ein Tummelplatz für Bulli-Fans.

Herr Lischka, woher die Liebe zu den Bussen?

Lischka: Ich habe bei VW gelernt. Als dann 1996 die ersten T4 mit Turbodiesel vom Band liefen, hatte ich einen Spezl mit einer Leihwaschmaschinen-Firma. Er war in ganz Deutschland unterwegs und hatte in einem Jahr 100 000 Kilometer drauf. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich die Wartung übernehme. So fing das an.

Wie ging es weiter?

Ein anderer Freund ist IT-Spezialist. Er betreut die Homepage für die bayerischen Surfer und auch meine. Dann hat er meine Website auf die der Surfer verlinkt. Und welche Autos fahren Wassersportler ...?

Hauptsächlich VW-Busse!

Richtig! Das war der Durchbruch vor nunmehr knapp 20 Jahren.

Warum ist ein Bus mehr als ein Auto?

Weil es ein Lebensgefühl ist. Die Leute bauen da unglaubliche Emotionen auf. Sie sind oft bereit, völlig irrationale Preise zu bezahlen, um ihren Liebling wieder auf die Straße zu bringen.

Welches T-Modell ist für Sie das beste?

Technisch erstes Niveau sind die neuen T5- und jetzt T6-Modelle. Aber der T4 bis 2003 – das war der letzte ohne großen Schnickschnack. Und der T4 hat großes Potenzial, mal in die Oldtimer-Riege der Ur-Bullis aus den 50er-Jahren aufzusteigen.

Mehr Infos unter: www.t4-spezialist.de

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