Grüner wird's nicht: Was Regen im Oman auslöst

So grün sehen die Berge im Süden des Wüstenlandes Oman während der Regenzeit aus. Foto: Sultanat Oman, Tourismusministerium
1 von 10
So grün sehen die Berge im Süden des Wüstenlandes Oman während der Regenzeit aus. Foto: Sultanat Oman, Tourismusministerium
Tierlieb: Touristenführer Ahmed al-Mahri mit einem Kamel bei Salalah. Foto: Benno Schwinghammer
2 von 10
Tierlieb: Touristenführer Ahmed al-Mahri mit einem Kamel bei Salalah. Foto: Benno Schwinghammer
Vater Homam al-Jundi, seine Frau Hiba und Tochter Marwa ruhen unter einem Baum. Die Familie kommt aus Syrien und lebt seit dem Krieg in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Foto: Benno Schwinghammer
3 von 10
Vater Homam al-Jundi, seine Frau Hiba und Tochter Marwa ruhen unter einem Baum. Die Familie kommt aus Syrien und lebt seit dem Krieg in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Foto: Benno Schwinghammer
Diese Straße führt durch die Region Salalah - dass hier eigentlich Wüste ist, würde man zunächst nicht glauben. Foto: Benno Schwinghammer
4 von 10
Diese Straße führt durch die Region Salalah - dass hier eigentlich Wüste ist, würde man zunächst nicht glauben. Foto: Benno Schwinghammer
Müllsammler räumen auf am Wadi Darbat. Dass Abfall der Umwelt schadet, ist offenbar noch nicht vielen Besuchern klar. Foto: Benno Schwinghammer
5 von 10
Müllsammler räumen auf am Wadi Darbat. Dass Abfall der Umwelt schadet, ist offenbar noch nicht vielen Besuchern klar. Foto: Benno Schwinghammer
Rau und trübe sieht das Meer bei Salalah in der Regenzeit aus - und ziemlich atmosphärisch. Foto: Benno Schwinghammer
6 von 10
Rau und trübe sieht das Meer bei Salalah in der Regenzeit aus - und ziemlich atmosphärisch. Foto: Benno Schwinghammer
Autoreifen liegen im Wadi Darbat - Umweltschutz steht im Oman nicht unbedingt ganz oben auf der Agenda. Foto: Benno Schwinghammer
7 von 10
Autoreifen liegen im Wadi Darbat - Umweltschutz steht im Oman nicht unbedingt ganz oben auf der Agenda. Foto: Benno Schwinghammer
Europäer würden bei einem solchen Wetter nur ungern eine Reise antreten - doch viele Araber kommen in der Regenzeit gerne nach Salalah. Denn Niederschlag ist etwas Besonderes für sie. Foto: Benno Schwinghammer
8 von 10
Europäer würden bei einem solchen Wetter nur ungern eine Reise antreten - doch viele Araber kommen in der Regenzeit gerne nach Salalah. Denn Niederschlag ist etwas Besonderes für sie. Foto: Benno Schwinghammer
Wasser sprüht aus den unterspülten Felsen an der Küste bei Salalah - ein echtes Spektakel vor allem für die Kinder. Foto: Benno Schwinghammer
9 von 10
Wasser sprüht aus den unterspülten Felsen an der Küste bei Salalah - ein echtes Spektakel vor allem für die Kinder. Foto: Benno Schwinghammer

Einmal im Jahr geschieht im Süden des Oman ein Wunder. Aus der wüstenartigen Landschaft wird ein Kleinod. Hunderttausende Araber strömen dann nach Salalah. Sie lassen die Region wirtschaftlich leben - und bedrohen die lebendige Natur.

Salalah (dpa/tmn) - Als der Monsunschauer einsetzt, verändern sich die Schwingungen im Wadi Darbat. Die Menschen laufen aufgescheucht umher, schauen in den wolkenverhangenen Himmel und lassen sich mitten auf der grünen Wiese voller Vergnügen vollregnen. Ein perfekter Urlaubstag. Jedenfalls für Araber.

In Hamburg wäre es ein klarer Fall von Schietwetter. Hier im Oman, an der Südküste der sonst staubtrockenen Arabischen Halbinsel, fühlt es sich an wie ein Wunder. Einmal im Jahr, wenn der Südwestmonsun von Ende Juni bis Anfang September an die Berghänge nahe der Stadt Salalah prallt, wechselt die Region ihre Farben. Aus endlosem Sandbraun wird das Grün des schottischen Hochlands.

"Hier ist es einfach nicht normal", schreit Abas schon fast vor Begeisterung. "Sonst ist das doch alles Wüste. Aber hier..." - der Tourist breitet seine Arme aus und deutet mit einer halben Drehung auf die Berghänge des Wadi Darbat - "...alles grün!"

Nicht weit entfernt wendet Homam al-Jundi ein Hähnchen auf dem Grill. Seine Frau Hiba drapiert Besteck und Teller auf der Decke unter einem knorrigen Baum. Tochter Marwa quengelt. Die junge Familie stammt eigentlich aus Syrien, lebt seit dem Krieg aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Dort haben wir zuviel Sonne. Jeden Tag arbeiten wir in der Sonne", stöhnt Al-Jundi. Deshalb kommen sie jedes Jahr her. So gut wie alle anderen Orte der Arabischen Halbinsel können es im Sommer locker auf 45 Grad bringen.

Die dicken Geländewagen schieben sich dieser Tage in langen Kolonnen durch die Gebirgsschluchten. In einem der Allrad-Fahrzeuge sitzt Ahmed al-Mahri. Seine Familie kommt aus dem kleinen Küstenort Sadah östlich von Salalah. Al-Mahri trägt einen Massar - den traditionellen Turban im Oman. Während der Regenzeit, dem Charif, fährt er die Touristen hoch in die Berge und zeigt ihnen die grünsten Stellen der Arabischen Halbinsel. Viele Saudis und Emiratis fahren mit ihren eigenen Karossen den weiten Weg in den Regen, erzählt Al-Mahri.

Al-Mahri wundert sich am Anfang über den Fahrgast, der heute neben ihm sitzt: "Das ist nicht die richtige Zeit für Deutsche", meint der junge Omani beim Einsteigen. Er klingt fast ein bisschen schroff. "Es regnet. Und ihr mögt Regen nicht."

Der Oman ist auch für längere Aufenthalte zu empfehlen. Das Land ist sicher, im Gegensatz zu vielen anderen Staaten der Region. Salalah hat sich seit der Kindheit von Ahmed al-Mahri zwar stetig, aber mit Bedacht weiterentwickelt. Der junge Mann erinnert sich noch genau daran, wann er das erste Mal den Charif erleben durfte. Seine Eltern besaßen Kamele. 30 Tiere, erzählt er. Während der Regenzeit wurden sie in die grünen Berge getrieben, um Futter zu sparen.

Heute nutzen viele Hausbesitzer den Charif als Gelddruckmaschine: Für die zahlungswilligen internationalen Gäste gibt es nicht ausreichend hochklassige Hotels. Die Bürger Salalahs stellen deshalb ihre Bleiben zur Verfügung. Es lohnt sich, sagt Al-Mahri. Einheimische und Touristen treffen sich in der Saison jeden Abend auf einem großen Platz in Salalah. Dort lockt während der nassen Tage das Karif-Festival mit Volksfestvergnügungen, Falafel und Tanzeinlagen.

Auch außerhalb des Schmuddelwetter-Hypes hat die Region einiges zu bieten. An der Küste bei Mugsail, einige Kilometer westlich von Salalah, umspülen Wellen die schroffen Felsen. Die Bergpässe hinter Mugsail führen zu sehenswerten Fischerdörfern nahe der jemenitischen Grenze. Zurück geht es durch die Serpentinen und die Stadt Salalah zum gut gefüllten Wadi Darbat: Auf der nur wenige Hundert Meter langen Wasserfläche in dem Tal tummeln sich Dutzende Kanus, Tret- und Motorboote. Aber auch ein Autoreifen liegt nicht weit entfernt in der seichten Suppe, daneben Plastikflaschen und anderer Unrat. Das Urlaubsparadies wird bedroht vom Müll.

In wenigen Wochen ist das Wadi Darbat wieder braun. Der Autoreifen im Wasser wird überwintern und bleiben, bis der nächste Monsun die Farben der Landschaft erneut verwandelt - und die Regenurlauber wieder ausrasten.

Auswärtiges Amt zum Oman

Anreise: Verbindungen gibt es von Deutschland aus über Frankfurt/Main und München mit Oman Air über die Hauptstadt Maskat oder mit Katar Airways via Doha. Die Flüge kosten ab 500 Euro.

Reisezeit: Im Oman ist es ganzjährig heiß. Zwischen Oktober und März sind die Temperaturen erträglich, dann ist Reisezeit. Der Charif dauert von Ende Juni bis Anfang September.

Einreise: Reisende erhalten bei der Ankunft am Flughafen in Maskat ein Visum (rund 12 Euro für bis zu zehn Tage, 50 Euro für bis zu einem Monat Aufenthalt).

Übernachtung: Gute Hotels in Salalah sind während des Charif sehr gefragt, eine Bleibe für unter 100 Euro pro Nacht zu finden, wird dann fast unmöglich. Gerade mit größeren Gruppen kann sich deshalb die Suche nach privat vermieteten Häusern lohnen.

Informationen: Sultanate of Oman, Ministry of Tourism, c/o Interface International, Karl-Marx-Allee 91a, 10243 Berlin (Tel.: 030/42088012 - www.omantourismus.de/das-sultanat-oman.html).

Kommentare