Ausstellung „Licht Luft Sonne“

Zeugnisse architektonischer Revolution

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Von Hans Poelzig stammt das Verwaltungsgebäude der I.G.-Farbenindustrie AG 1928-1931, heute Teil der Goethe-Universität.

Frankfurt - In mehrjähriger Arbeit hat der Fotograf Matthias Matzak die Bauten des Neuen Frankfurt dokumentiert, Zeugnisse jener kurzen Periode der Weimarer Republik, in der unter Stadtbaurat Ernst May Architekturgeschichte am Main geschrieben wurde. Von Christian Riethmüller

Ende der 1920er Jahre schaute Europa auf Frankfurt. In der alten Reichsstadt spielte sich seit 1925 eine städteplanerische und architektonische Revolution ab. Stadtbaurat Ernst May und Architekten wie Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer, Mart Stam, Adolf Meyer und Grete (Schütte-)Lihotzky entwickelten anhand eines ständig aktualisierten Masterplans ein „Neues Frankfurt“, wie das ambitionierte Bauprojekt genannt wurde. Sie wollten mit ihrer Vision eines Neuen Wohnens letztlich die Voraussetzung für einen Neuen Menschen schaffen, der die mittelalterlichen Behausungen der Altstädte hinter sich lassen und in die Moderne treten würde.

Auch Walter Gropius hat in Frankfurt gebaut - Balkondetail in der Siedlung „Am Lindenbaum“ von 1930.

In Frankfurt entstanden von 1925 bis 1932 Siedlungen mit über 12 000 Wohnungen, dazu Industriebauten, Schulen, Sportstätten, Verwaltungsgebäude und Kirchen. Dabei wurde Pionierarbeit geleistet und es wurden auch heute noch gültige Standards gesetzt wie die Typisierung familiengerechter Wohnungsgrundrisse, die industrielle Vorfertigung des Rohbaus, das flache Dach, die integrierte Stadt- und Grünplanung bis hin zum Entwurf funktionalen Mobiliars oder der ersten Standardküche, die unter dem Begriff „Frankfurter Küche“ zur Legendenstatus erlangte. Innerhalb weniger Jahre entstand eine Bauerbe der klassischen Moderne, das nur mit Berlin zu vergleichen ist und damit selbst über den Einfluss und die Bedeutung des Bauhauses hinausreicht.

Martin Elsaesser, künstlerischer Leiter des Hochbauamts, hat die Konrad-Haenisch-Schule (Pestalozzischule) 1926-1928 entworfen.

Gut 80 Jahre später ist dieses Erbe im Frankfurter Stadtbild noch immer sichtbar, selbst wenn es nicht immer pfleglich behandelt wird. Die ganz besondere Würdigung dieses beispielhaften Projekts demokratischen Bauens, die nun der Frankfurter Fotograf Matthias Matzak präsentiert, kommt deshalb gerade recht. Matzak hat seit dem Jahr 2008 die Bauten des Neuen Frankfurt dokumentiert, dazu unter www.neues-frankfurt.de ein Online-Archiv mit über 1000 Bildern angelegt und daraus nun eine Auswahl getroffen, die nicht nur eine sehenswerte Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt bestückt, sondern auch den wundervollen Bildband „das neue frankfurt“ (Ernst Wasmuth Verlag, 48 Euro), der gleich als Standardwerk gelten darf. Matzak hat dabei nicht nur Gebäude fotografiert, sondern auch mit vielen Detailaufnahmen etwa von Treppen, Türen oder auch Heizungen die besondere Ästhetik dieser architektonischen Avantgarde eingefangen.

Die Ausstellung „Licht Luft Sonne - Das Neue Frankfurt“ ist bis 10. Januar 2015 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Do - So 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr. (www.dam-online.de)

Quelle: op-online.de

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