Ausstellung über das Werk von Saul Leiter

Beglückendes und magisches Sehen

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Saul Leiters „Postmen“ aus dem Jahre 1952.

Frankfurt - Das Fotografie Forum Frankfurt würdigt den Fotografen und Maler Saul Leiter in einer Überblicksschau. Die Ausstellung, die bis zum 1. März 2015 zu sehen ist, umfasst mehr als 100 Arbeiten. Leiter starb im Jahre 2013 kurz vor seinem 90. Geburtstag. Von Eugen El 

Er gilt als einer der führenden Pioniere der Farbfotografie. Eine von innen beschlagene Scheibe, auf der Wassertropfen in Streifen herunterrinnen. Dahinter zeichnen sich eine schreitende Figur ab, ein gelbes Auto, Gebäude, grauer Himmel. Die Fotografien des 1923 geborenen Saul Leiter entstanden fast ausschließlich im New Yorker Stadtteil East Village, einer Künstlerhochburg der Nachkriegszeit. Leiter wurde als Sohn jüdischer Eltern in Pittsburgh geboren. Dem Wunsch seines Vaters, die familiäre Rabbinertradition fortzusetzen, wollte Leiter nicht nachkommen. Es zog ihn zur Kunst, zuerst vor allem zur Malerei. Seinen Lebensunterhalt verdiente Saul Leiter, der letztlich Autodidakt war, jahrzehntelang mit Modefotografien für renommierte Magazine wie Harper’s Bazaar, Elle, British Vogue.

Ein Freund hat Leiter einmal als „Meister der verpassten Gelegenheiten“ bezeichnet. So wurde er erst Ende der neunziger Jahre als künstlerischer Fotograf und Maler entdeckt. Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen. Seitdem gilt Saul Leiter als ein Pionier der Farbfotografie, mit der er etwa 1948 begann. 2012, noch zu Leiters Lebzeiten, fand in den Hamburger Deichtorhallen eine umfangreiche Retrospektive seiner Werke statt.

Die beiden Kuratoren der damaligen Schau, Ingo Taubhorn und Brigitte Woischnik, haben die Saul-Leiter-Ausstellung des Frankfurter Fotografie Forums eingerichtet. Es werden Werke aus diversen Schaffensphasen gezeigt. So sind Straßenfotografien ebenso zu sehen wie Auftragsarbeiten für Modezeitschriften. Schwarzweiß- und Farbfotografien halten sich dabei die Waage. Ein kleiner Saal ist Leiters Frauenakten gewidmet, die ihn von einer sinnlichen Seite zeigen. Den Einstieg zur Ausstellung bilden die malerischen Arbeiten. Skizzenbücher und private Fotos ergänzen die Präsentation.

Als Fotograf holt Saul Leiter Dinge und Menschen selten in den Fokus. Fast scheint es, als würde er seine Motive eher verdecken als zeigen wollen. Leiter ist kein Fotojournalist. Er interessiert sich für Flächen, Strukturen und ins Abstrakte gehende Bildkompositionen. Oft fotografiert Leiter durch Scheiben, um Spiegelungen, Überlagerungen und auch Unschärfen einzufangen. Seine Bilder sind meist kleinformatig und strahlen Poesie aus. Als Maler ist Leiter an der Wirkung von Farbe interessiert: Seine Palette ist alles andere als blass. Eine Verbindung der beiden Medien versucht Leiter, indem er einige Aktfotografien übermalt.

Tritt man nach dem Besuch dieser Schau wieder auf die Straße, so kann es passieren, dass man die Umgebung für einige Zeit mit Saul Leiters Augen sieht. Diesen besonderen Blick auf den Alltag zu erleben, ist eine magische und beglückende Erfahrung. Mehr kann man von einer Ausstellung nicht erwarten.

Quelle: op-online.de

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