Den Verkehrsknotenpunkt tunneln

Alternative zur B26-Ortsumfahrung

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So könnte die Lösung aussehen: Aus der Kreuzung der B26 mit der unter den Bahngleisen hindurch führenden Hindenburgstraße wird ein Kreisel. Der Verkehr in West-Ost-Richtung – Darmstadt-Aschaffenburg – fährt unter diesem hindurch (rot gepunktet).

Babenhausen - Zwei Architekten aus Babenhausen haben eine Lösung für die Verkehrsprobleme auf der B26 ausgetüftelt. Hessen Mobil prüft die Alternative zur Ortsumfahrung. Von Norman Körtge 

Großformatig hängt der Plan an der Wand im Architekturbüro von Kurt Schlösser und Michael Riegelbeck. Er zeigt die Lösung für eines der größten Verkehrsprobleme Babenhausens. Zumindest ist es ein Vorschlag, der wegführt von bisherigen Gedankengängen und Planungen. Statt den Verkehr auf der B26 über eine Südumgehung um die Stadt herumzuleiten, soll der innerstädtischen Knotenpunkt an der Bahnunterführung in einen Kreisel umgebaut werden. Ein darunter liegender Tunnel würde dafür sorgen, dass der Verkehr Richtung Darmstadt beziehungsweise Aschaffenburg ungehindert fließen könnte.

Bekannt ist die Problematik auf dem etwa 400 Meter langen Teilstück der B26, zu dem auch der weiter westlich gelegene Kreuzungsbereich mit der Schaafheimer Straße gehört, schon seit Jahrzehnten. „Bereits in den achtziger Jahren wurde darüber diskutiert“, weiß Schlösser. Mehr als 27 000 Fahrzeuge passieren an einem Werktag diesen Bereich, die ampel-geregelten Kreuzungen werden dieser Masse schon lange nicht mehr Herr. Die Folge: Im Berufsverkehr staut sich der Verkehr manchmal über mehrere hundert Meter.

Michael Riegelbeck (links) und Kurt Schlösser vom Babenhäuser Architekturbüro SAM haben sich intensiv mit dem Verkehrsknotenpunkt auf der B26 befasst.

Warum nicht die Bahn als Vorbild nehmen, hat sich Schlösser bereits vor Langem gefragt. Vor knapp 100 Jahren wurde das Brückenbauwerk mit dem hochgelegtem Gleisbett errichtet, um Schienen- und Straßenverkehr zu entkoppeln. Kein Warten mehr vor Heruntergelassenen Bahnschranken. Dieses Konzept hat Schösser nun zusammen mit Kollege Michael Riegelbeck auf den Straßenverkehr übertragen, ausgearbeitet und Entscheidungsträgern präsentiert. Unter ihnen waren Bürgermeister Joachim Knoke, Landrat Klaus Peter Schellhaas, Fachleute von Hessen Mobil und auch Babenhäuser Fraktionsvorsitzende. „Es ist eine Idee, die es weiter zu beleuchten gilt“, freut sich Bürgermeister Knoke über das Engagement der beiden Babenhäuser. Er sei gespannt auf die Simulationen und Berechnungen, die Hessen Mobil anfertigen möchte. Der Rathaus-Chef gibt aber auch zum einen zu bedenken, dass in die Planung dann auch eben jener Kreuzungsbereich der B26 mit der Schaafheimer Straße, der zweite Verkehrsknotenpunkt, mit einbezogen werden müsste. Zum anderen ärgert es ihn, dass im Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 die „Ortsumfahrung Babenhausen“ in der Dringlichkeit herabgestuft worden ist.

Vielleicht gibt die Kreisel-Tunnel-Alternative nun dem Projekt neuen Schwung, denn nach Auffassung von Riegelbeck und Schlösser dürfte diese schneller und kostengünstiger zu realisieren sein als die zirka 3,5-Kilometer lange Südumfahrung. Die Vorteile ihrer Lösung gegenüber der Ortsumfahrung überwiegen, sind sich die beiden sicher – und zählen die Nachteile letzterer auf. Das Gewerbe an der B26, unter anderem Tankstellen, Einzelhandel, Auto- und Fahrradhäuser – lebe stark vom Durchgangsverkehr. Mit der Südumfahrung würde sich Babenhausen die Möglichkeit nehmen, in Zukunft in diese Richtung weiter zu expandieren und schaffe eine Abriegelung hin zur Natur.

Archivbilder aus dem Jahr 2011

Tödlicher Unfall nach Überholmanöver

Für den innerstädtischen Verkehr hätte der Kreiselbau im Hinblick auf das „Bahnunterführungsloch“ einen weiteren großen Vorteil: Die Linksabbiegerspur auf der Hindenburgstraße würde wegfallen. Dadurch wäre mehr Platz für einen breiteren Fuß- und Radweg. Gerade im Hinblick darauf, dass auf dem ehemaligen Kasernengelände ein neues Wohnquartier für bis zu 1 000 Menschen entstehen soll, wäre eine gute Verbindung zwischen Kern- und Südstadt städtebaulich wünschenswert, meint Schlösser.

Quelle: op-online.de

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