Reparieren statt wegwerfen

Ehrenamts-Agentur (BEA) braucht noch den passenden Raum

Babenhausen - Muss die Lieblingshose mit dem kaputten Reißverschluss eigentlich gleich im Müll landen? Nein, findet Annemarie Gaßmann und hat die Idee von einem Reparatur-Café. Von Corinna Hiss 

Insgesamt fünf ausgebildete Ehrenamtslotsen gibt es in Babenhausen, die sich in ihrer Freizeit in den unterschiedlichsten Bereichen der Stadt engagieren. Sie treffen sich jeden Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr im Erasmus-Alberus-Haus, Marktplatz 7, um dort neue Ideen für weitere Projekte zu sammeln. Kommunale Ansprechpartnerin der Ehrenamtlichen im Rathaus ist Annemarie Gaßmann, die gemeinsam mit Jessica Schumacher, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Soziales und Familie, nun eine weitere Idee hatte.

„Wir möchten in Babenhausen ein Reparatur-Café aufmachen“, erzählt sie. Ihr Vorschlag ist im Landkreis kein neuer: Dort gibt es bereits in anderen Kommunen wie Groß-Zimmern oder Groß-Umstadt kleine Gruppen, die sich ein Mal im Monat treffen und Dinge gemeinsam reparieren, die sonst weggeschmissen werden würden. Solch ein Treffen in Babenhausen wünscht sich auch Gaßmann für die Zukunft. Und die Bereitschaft dafür ist bei den Bürgern vorhanden. „Es haben sich bereits Personen gemeldet, die mit ihrer Maschine kleine Näharbeiten verrichten können. Auch ein pensionierter Techniker stellt sein fachliches Wissen zur Verfügung“, freut sich Gaßmann über den Zuspruch.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wie das Reparatur-Café konkret ablaufen soll, ist noch offen und hängt auch von den Bedürfnissen der Bürger ab. Geplant ist, dass es einmal im Monat für drei bis vier Stunden stattfindet und sich einem Thema widmet. Sprich: In der einen Sitzung werden Knöpfe angenäht, Reißverschlüsse repariert, Hosen gekürzt. Beim darauffolgenden Café bleibt die Nähmaschine im Schrank, dafür wird versucht, den kaputten Toaster zu reparieren, Batterien von Uhren werden ausgewechselt oder das alte Radio wieder zum Laufen gebracht. Auch das Flicken von Fahrrädern kann zu den Aufgaben des Cafés gehören. „Natürlich können wir für nichts garantieren, aber es wird immerhin versucht“, sagt Gaßmann. Denn die Idee, die dahintersteckt ist ganz einfach: „So viele Dinge werden weggeworfen, obwohl sie mit wenigen Handgriffen wieder zu reparieren wären. Aber viele wissen einfach nicht wie – und da kommen wir ins Spiel.“

Hilfe zur Selbsthilfe soll das Konzept sein. Das bedeutet nicht, dass die Bürger ihre Sachen im Café abgeben und den reparierten Gegenstand später wieder abholen, sondern dass sie gemeinsam mit den Experten lernen, wie er zu reparieren ist. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an solche, für die ein Neukauf aus finanziellen Gründen nicht infrage käme. „Jeder ist angesprochen, denn alles, was nicht weggeworfen wird, produziert weniger Müll“, so die Rathausmitarbeiterin, die selbst die Ausbildung zum Ehrenamtslotsen absolviert hat.

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Bis jetzt ist das Projekt sowohl von Seiten der Stadt, als auch der Bürger auf fruchtbaren Boden gestoßen. Aber es gibt nach wie vor ein Problem, weshalb das erste Reparatur-Café nicht schon nächste Woche aufmachen kann. „Wir suchen einen Raum, in dem zirka zehn Personen Platz finden und wo ein Schrank untergebracht werden kann“, sagt Gaßmann. Denn Nähmaschine, Bügeleisen und Co. sollen nicht jedes Mal wieder neu mitgebracht werden, sondern ordentlich verstaut sein.

Da sich die Gruppe immer nur ein Mal im Monat treffen möchte, eignen sich auch Räumlichkeiten, die bereits an mehreren Tagen genutzt werden, aber eben nicht durchgehend. Elektrizität, fließendes Wasser und eine Toilette in der Nähe wären auch von Vorteil. „Egal ob Vereinsheim, Firmenraum, alte Scheune oder Privatzimmer: Für die kostenfreie Nutzung wären wir dankbar“, sagt Gaßmann. Dabei muss das Reparatur-Café nicht zwangsläufig in der Kernstadt angeboten werden, auch die Stadtteile bieten sich als Ort an. Wer einen Raum zur Verfügung stellen möchte, kann sich an Annemarie Gaßmann unter  06073/60248 (Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr) oder per E-Mail an annemarie.gassmann@babenhausen.de wenden.

Quelle: op-online.de

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