Arbeiten in vollem Gange

Kaserne: Erste Flüchtlinge kommen nächste Woche

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Jede Menge Platz: In der ehemaligen Turnhalle stehen die Feldbetten in Reih und Glied.

Babenhausen - Die vorbereitenden Arbeiten zur Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne sind fast abgeschlossen, so dass die ersten Schutzsuchenden aufgenommen werden können – wahrscheinlich bereits kommende Woche. Von Stefan Scharkopf 

An der Mannschaftsunterkunft mit der Nummer 4521 wird gegraben. Bagger buddeln den Untergrund auf, schaffen Platz für letzte Leitungen oder Rohre. Im Gebäude selbst sind Maler damit beschäftigt, Wände zu tünchen. Die Arbeiten in der Kaserne – sie ist die achte Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung innerhalb des Regierungspräsidiums Darmstadt – sind im vollem Gange. Begonnen wurde unmittelbar nach Bekanntgabe des Standortes durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration. Container, Betten, Bettzeug, Handtücher, Wolldecken, Windeln, Hygieneartikel, Toilettenpapier, Bierzeltgarnituren, Waschmaschinen etc. wurden mittlerweile bereits beschafft. Und es wurde einiges renoviert und repariert, etwa bei der Strom-, Trink- und Abwasserversorgung sowie an der Heizungsanlage. „Drei Tage lang waren die Wasserhähne aufgedreht“, sagte Bürgermeister Achim Knoke, „um alles zu spülen, so dass wir wieder Trinkwasserqualität haben.“

Vor den Mannschaftsunterkünften, in denen die Flüchtlinge unterkommen, sind noch Erdarbeiten zu erledigen.

Die relative Nähe zum Heizkraftwerk beim Schwimmbad ist gut für die Wärmeversorgung. Viele der Leitungen sind nicht verrottet, und die Heizkörper konnten teils leicht wieder in Betrieben genommen werden. Bevor die ersten Flüchtlinge einziehen, hatte Regierungsvizepräsident Dr. Alexander Böhmer gestern zu einem Presserundgang eingeladen. Wie er sagte, werden die Arbeiten noch andauern, wenn die ersten Flüchtlinge eintreffen. Abhängig ist die Belegung vor allem von der Nutzungsmöglichkeit der sanitäten Anlagen. Vorübergehend werden Duschcontainer aufgestellt, die vorhandenen Boiler sind verkeimt und neue Warmwasserbereiter dieser Leistungsklasse haben lange Lieferzeiten. Die Flüchtlinge werden in drei Bereiche aufgeteilt. In der Nummer 4521 der Mannschaftsunterkünfte kommen alleinreisende Frauen unter, im südlichen Nachbargebäude Familien und im größten Gebäude, dem Boardinghouse Männer, die allein unterwegs sind. Die einzelnen Räume unterscheiden sich erheblich: von Stuben, die früher mit drei bis vier Soldaten belegt waren, über einzelne Parzellen, in denen etwa eine fünfköpfige Familie wohnen kann, bis hin zu Massenunterkünften, wie etwa die ehemalige Sporthalle, in der die Feldbetten in Reih und Glied nebeneinander aufgestellt sind.

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Als wäre noch Betrieb: Die Einrichtung der Mensa stammt noch original aus der Zeit, als die US-Soldaten hier aßen.

Im ehemaligen Kino, dem „Rammers Theater“, so Knoke, stapelten sich bis vor wenigen Tagen noch rund 1 200 Feldbetten. In einer großen Aktion schafften es Mitarbeiter der Verwaltung, der Feuerwehr und des Bauhofs gemeinsam mit vielen freiwilligen Flüchtlingshelfern und anerkannten Asylanten in sechs Stunden, die Betten zu verteilen. „Das macht schon stolz, wenn sieht, wie die Freiwilligen sich hier engagieren“, sagt Knoke, der ebenfalls anpackte. Zunächst wird es eine Teilbelegung geben, weil die Einrichtung vorerst eben mit Feldbetten und nicht mit Doppelstockbetten ausgestattet ist. Spätestens mit Ertüchtigung des Boardinghouses wird dann die Kapazitätsgrenze von 1 500 Flüchtlingen erreicht sein. Die Verantwortung für den Betrieb der Unterkunft in der Kaserne obliegt dem Regierungspräsidium. Bedienstete der Behörde werden regelmäßig vor Ort sein, um aktuell auf Vorkommnisse reagieren zu können.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Der Arbeiter-Samariterbund, Landesverband Hessen, übernimmt ab Montag die Betreuung einschließlich Sanitätsdienst. Per Temperaturmessung und Inaugenscheinnahme wird zunächst geprüft, ob die Flüchtlinge erkrankt sind. Die Einrichtung verfügt auch über einen Bereich, in dem eine Isolation von Personen mit ansteckenden Krankheiten erfolgen kann. Die Menschen werden vor Ort registriert. Die Verpflegung stellt die ASB Hessen Catering GmbH sicher. Ein Wachdienst, der vom Hessischen Immobilienmanagement gestellt wird, ist rund um die Uhr im Einsatz.

Wie geht es mit der Konversion des Restgeländes weiter? Eine Frage, die jüngst des Öfteren gestellt wurde. Dazu Bürgermeister Knoke: „Wir warten auf die Freigabe, dann kann es losgehen. Der Einzug der Flüchtlinge markiert nicht das Ende der Entwicklung, sondern den Beginn.“

Quelle: op-online.de

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