Traktoren für Technikfans, Kulinarisches und Live-Musik für alle

Babenhäuser feiern ihr 36. Altstadtfest

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Babenhausen - Mit rund 60 Ständen von Vereinen und Gewerbetreibenden war am Samstag und Sonntag bei der 36. Auflage des Babenhäuser Altstadtfestes wieder Unterhaltung pur geboten. Von Petra Grimm

Stolz steht Reiner Matthes neben seinem grünen Bulldog, Marke Deutz, Baujahr 1955. In den vergangenen Jahren war er immer nur als Besucher bei der großen Oldtimer-Traktorausstellung unterwegs. Am Wochenende präsentierte der Hergershäuser zum ersten Mal selbst ein Fahrzeug beim Altstadtfest. „Meine Frau Petra hat ihn mir dieses Jahr zum 50. Geburtstag geschenkt. Der Traktor war schon komplett restauriert“, erzählt der Landschaftsgärtner und zeigt auf die große Leier, mit der man das Fahrzeug starten kann. Aber es geht auch „moderner“, denn bei der Restaurierung wurde auch eine normale Zündung eingebaut. „Mein Bruder hat mir noch einen Hänger in der gleichen Farbe dazu geschenkt“, sagt Matthes. So könne er damit nicht nur spazieren fahren, sondern beispielsweise auch sein Holz holen.

Heidi Spiehl und ihr Enkel machten eine Rundfahrt auf einem Traktor.

Die Augen vieler Technikbegeisterter im Allgemeinen und Schlepperfans im Besonderen sah man am Wochenende auf dem großen Areal hinter der Stadtmühle wieder leuchten. Hier hatten die Traktorfreunde Babenhausen neben rund 200 alten Schleppern auch historische landwirtschaftliche Geräte aufgebaut. Zwei alte Waschmaschinen aus Großmutters Zeiten fanden ebenfalls Bewunderer. Bei der 100 Jahre alten mussten die Frauen bei der Wäsche noch ihre Muskeln spielen lassen, die zweite, etwa 85 Jahre alt, lief bereits mit einem Elektromotor.

Eine fahrbare Bandsäge aus dem Jahr 1927, die neueste Errungenschaft von Reinhard Geißler von den Babenhäuser Traktorfreunden, war zur Begeisterung der Besucher im Einsatz. Viele Kinder fuhren mit kleinen, bereit gestellten Plastiktraktoren und Bobbycars über eine Mini-Wippe. Um das große Exemplar hatten sich jede Menge Zuschauer versammelt, als Reinhard Geißler auf einem seiner Traktoren den Balanceakt probierte. Es folgten noch andere Fahrer, aber Geißler blieb der einzige, dem es gelang, die Wippe für einige Sekunden in der Waagrechten zu halten. Da war hochkonzentrierte Zentimeterarbeit, ein Gefühl für die schwere Maschine und natürlich eine gute Portion Erfahrung gefragt. Als einzige Frau wagte sich Erna Obenauer von den Bulldogfreunden Hohen-Sülzen mit einem Schlepper sichtlich angespannt auf die Wippe. Das war eine Premiere. „Eine Frau hat es hier noch nie versucht“, sagte Geißler, der als Teilnehmer mit der weitesten Anreise einen 79-jährigen Traktorbesitzer aus dem Hintertaunus begrüßte, der 120 Kilometer zurückgelegt hatte, um in Babenhausen beim Treffen dabei zu sein.

Altstadtfest und Gesundheitstage in Babenhausen: Bilder

Landrat Klaus Peter Schellhaas eröffnete das bunte Open-Air-Spektakel, das vom Vereinsgremium auf die Beine gestellt wird, gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat Kurt Lambert und dem Gremiumsvorsitzenden Helmut Fendt und lobte das ehrenamtliche Engagement für das Altstadtfest, das diese traditionelle Großveranstaltung trägt. Auch aus der Partnerstadt Bouxwiller war eine Delegation, an der Spitze der Erste Stadtrat Marc Heintz, angereist. Kulinarische Genüsse, Live-Musik, Tanzvorführungen des TVB-Nachwuchses auf der Marktplatzbühne, eine große Modelleisenbahn in der Stadtmühle, Gewinnspiele und professionelle Straßenkünstler gehörten zum bewährten Rezept, das zum Gelingen des geselligen Festes führte.

Aber ehrenamtliche Initiative, Enthusiasmus und Gemeinschaftsgeist reichen nicht aus. Denn ohne Moos nix los. Die Stadt und die örtlichen Geschäftsleute unterstützen die Partymeile des Vereinsgremiums finanziell. „Die Stadt durch die Leistungen des Bauhofs, außerdem gibt sie einen Zuschuss von 50 Prozent zum Künstlerprogramm, maximal 2500 Euro. Die Gewerbetreibenden haben rund 3000 Euro gespendet“, sagte Helmut Fendt, der hofft, dass die Finanzspritze der Stadt auch in Zeiten knapper Kassen erhalten bleibt. Erster Stadtrat Kurt Lambert sprach bei der Eröffnung von „einem schwierigen Spagat“. Denn Einsparungen seien nötig, aber das kulturelle Leben und vor allem auch solche Traditionsfeste sollten bewahrt und gefördert werden.

Quelle: op-online.de

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