Letzte Saison zum Selbstpflücken

Andrang aufs Erdbeerfeld bei Bauer Rademer hat nachgelassen

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Ist sie denn schon reif genug? Bauer Rademer prüft täglich seine Erdbeeren.

Babenhausen - Bioprodukte sind angesagt, frisches Fleisch und Obst vom heimischen Bauer ebenso. Zurück zu den Wurzeln geht es auf dem Erdbeerfeld von Jürgen Rademer. Dort können die süßen Früchte selbst gepflückt werden. Doch das Konzept hat auch seine Haken. Von Corinna Hiss 

Die süßen Früchte selbst pflücken – daran haben meist die Kinder ihren Spaß. Auch Rademers Sprösslinge Lukas (links) und Sarah kommen mit Cousin Simon oft aufs Feld.

Rund 100 Kühe muhen in den Ställen von Bauer Jürgen Rademer. Sie fordern seine volle Aufmerksamkeit und sichern seinen Lebensunterhalt. Nur wenige Meter daneben sind Sohn Lukas und Tochter Sarah auf dem Feld beschäftigt. Mit Begeisterung suchen sie unter den vielen hellgrünen Knollen die Früchte heraus, die in ansprechendem Rot zum direkten Genuss verleiten. „Nicht nur meine eigenen Kinder lieben das Erdbeerpflücken, für die Kleinen ist das ein echtes Erlebnis“, sagt Rademer.

Während viele junge Eltern das Erdbeerfeld schätzen, ist die Nachfrage aber dennoch in den letzten Jahren zurückgegangen: Hatte Babenhausens einziger Erdbeerbauer einst auf einer Fläche von rund 10. 000 Quadratmetern über 6000 Pflanzen anzubieten, ist das Feld mittlerweile auf nur noch 800 Quadratmeter geschrumpft. Einmal gepflanzt bringen die Erdbeerstauden drei Jahre in Folge Ertrag, nach nur mäßigem Andrang hatte Rademer das Kontingent dann immer weiter zurück geschraubt.

Dennoch: Ein Besuch auf dem Feld am Langenbrücker Weg lohnt sich allemal. Denn nirgends sonst in der Gersprenzstadt bekommen die Kunden die süße Sommerfrucht so frisch und knackig. Weiterer Pluspunkt: Anders als in einem gekauften Schälchen können sich die Pflücker die besten Stücke aussuchen. Keine unreife, keine geschmacklose und vor allem keine faulige Erdbeere landet dabei im Körbchen – und wenn hier und da eine besonders süße Versuchung gleich im Mund verschwindet, hat auch keiner etwas dagegen.

Mentalität habe sich gewandelt

Wieso ihm die Babenhäuser früher scharenweise das Erdbeerfeld geplündert haben und heute nicht genug geerntet wird, sodass Rademer einen weiteren Pflücker einstellen muss, kann der 54-Jährige sich nicht erklären. Auffällig sei für ihn nur, dass diejenigen, die kommen, nicht mehr die selben Massen mit heim nehmen als noch vor einigen Jahren. „Die Mentalität hat sich gewandelt“, stellt er fest. „Wer braucht noch eimerweise Erdbeeren, um daraus Marmelade, Püree oder Kompott einzukochen?“ Wer aufs Feld kommt, der geht wieder mit einem kleinen Schälchen für den direkten Verzehr oder für den Kuchen zum Kaffeetrinken.

Auch wenn für viele Spargel und Erdbeeren die perfekte Kombi ist, wird doch häufig vergessen, dass die roten Früchte später reif sind als das Königsgemüse. „Dieses Jahr sind wir wettermäßig nicht so verwöhnt wie vergangenes“, sagt Rademer. Damit überhaupt schon ab Pfingsten gepflückt werden kann, mussten die Pflanzen im Winter unter einem Vlies abgedeckt werden. Dass es die vergangenen Wochen viel weniger geregnet hat als sonst, ist für den Bauern kein Problem. Sein Feld liegt direkt neben dem ehemaligen Pumphäuschen der Stadt, auf das er zugreifen kann. Die Erdbeeren brauchen viel Wasser, um zu wachsen, ihre Süße erlangen sie durch beständigen Sonnenschein. Wenn es zu heiß ist, schadet das aber dem roten Obst. „Sie faulen dann schneller, und ich komme mit dem Pflücken nicht hinterher“, so der Bauer.

Obwohl das Erdbeerfeld immer nur ein Nebenverdienst war, hängt Rademer daran. Nur schweren Herzen hat der Babenhäuser den Entschluss gefasst, dass dies sein letztes Jahr als Erdbeerbauer ist. Der eingeführte Mindestlohn hat dabei auch nicht gerade dazu beigetragen, diese Entscheidung zu revidieren. „Wenn nicht mehr so viel selbst gepflückt wird, muss ich jemanden engagieren und das kostet dann wieder Geld. Damit rentiert sich das ganze Geschäft nicht mehr“, ist seine Hochrechnung.

Erdbeeren richtig verarbeiten

Bis dahin steht das Feld noch einige Wochen offen. Damit sich niemand die Schuhe ruiniert, sind die Gänge zwischen den Stauden mit Stroh ausgelegt. Kinderwagen haben dort ebenso Platz wie Rollatoren. Wer selbst Hand anlegt, zahlt für das Kilo nur 2,20 Euro. Die 500-Gramm-Schale im Hofladen kostet hingegen 2,50 Euro. Am Ende der Saison, wenn die meisten sich bereits an Erdbeeren satt gegessen haben und der Andrang nachlässt, macht Rademer den Babenhäuser Kindern noch eine Freude: Die Jugendförderung kommt auf einen Besuch vorbei, ebenso die heimischen Kindergärten.

Quelle: op-online.de

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