Ausstellung von Künstlern in der Seniorenresidenz K&S

Ihre Figuren dürfen nicht lächeln

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Sonja Schilling-Zimmer kreiert am liebsten Tonskulpturen ohne Gesichtszüge, hier das Motiv „Ich bin bei dir“.

Babenhausen - Demut, Trauer, Freude – solche Emotionen stellt Sonja Schilling-Zimmer nicht durch Mimik her. Die Skulpturen der Babenhäuser Künstlerin werden durch ihre Haltung lebendig. Von Corinna Hiss 

Da staunten die älteren Menschen der Seniorenresidenz K&S in Babenhausen nicht schlecht, als sie direkt im Eingangsbereich ein neuer Bewohner anblickte: Sorgsam in einer Vitrine verstaut sitzt da ein Punker lässig auf einem Mäuerchen. Der markante Irokesenschnitt fehlt bei ihm genauso wenig wie enge Lederhose, Nietenweste und Springerstiefel. „Mittlerweile trauen wir uns was“, war die Erklärung von Sylvia Kloetzel, die im Rathaus unter anderem für Kunst und Kultur in der Gersprenzstadt zuständig ist.

Bereits zum dritten Mal dient die Seniorenresidenz am Ostring als Ausstellungsort lokaler Künstler. Neben der Babenhäuserin Sonja Schilling-Zimmer, die sechs Tonskulpturen im Eingangsbereich präsentiert, wurde auch das Darmstädter Ehepaar Jürgen und Ulrike Glörfeld mit ins Boot geholt. Beim ersten Kunstexperiment im Pflegeheim waren mit Horst Käse und seinen Bildern von Babenhäuser Motiven kein Risiko eingegangen. Was Bewohner und Interessierte jetzt sehen, ist hingegen wagemutiger. „Sowohl die Skulpturen als auch die Gemälde behandeln abstrakte Themen“, sagte Kloetzel.

Bei der Vernissage zeigte sich auch Bürgermeister Achim Knoke angetan von den Werken. „Ich bin eigentlich ein Mann der Zahlen, aber die sind kalt. Kunst hingegen bewegt“, sagte er. Um große Emotionen geht es auch bei Schilling-Zimmers Figuren, die überwiegend aus Ton, selten mit Holz oder Metall verstärkt, modelliert wurden. Auffällig dabei ist, dass sie allesamt – bis auf den Punker – kein Gesicht haben. Viel mehr legte die Künstlerin ihren Fokus auf die Haltung und Gestik der Skulpturen.

Eine Kugel statt Augen, Mund und Kopf

Wo sonst Augen, Nase und Mund den Kopf vervollständigen, sieht der Betrachter nur eine Kugel. „Allein damit möchte ich Gefühlsregungen und Stimmungen ausdrücken“, erläuterte sie. Besonders eindrucksvoll wird ihre Intention bei einem Motiv mit dem Namen „Ich bin bei dir“ deutlich. Zu sehen sind zwei Personen, die eine steht, hat die Arme weit ausgebreitet. Die zweite kniet vor ihr, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Auch ohne Gesicht erkennen Besucher der Ausstellung schnell, welcher Zustand beschrieben wird: Demut und Vergebung. „Die stehende Person verdeutlicht zum einen die göttliche Gnade in Form eines Engels, zum anderen einen Menschen, der nicht nachtragend ist“, sagte die Babenhäuserin, die auch auf den Kunst- und Kulturtagen im vergangenen November zu sehen war.

Völlig andere, aber ebenso abstrakte Werke, zeigt das Ehepaar Glörfeld nun in der Seniorenresidenz. Der Speisesaal ist bestückt mit den Aquarellen von Ulrike Glörfeld. „Sie passen hier wegen ihres kleinen Formats gut hin“, freute sich Knoke bei der Vernissage. Mit weichen Mustern sind dort beispielsweise Gesprenkel in Blau und Gelb zu sehen. Klarere Konturen, aber ebenso ungegenständlich, zeigt Ehemann Jürgen in den Fluren. Er zeichnet Acryle mit geometrischen Formen, die zur Fantasie anregen. „Das ist das Tolle an abstrakter Kunst“, sagte er, „sie stellt nichts Konkretes dar.“ Dadurch ist auch der Schaffensprozess für den Künstler besonders spannend: „Am Anfang weiß ich selbst nicht, was am Ende dabei herauskommt.“

Die Seniorenresidenz mit seinen Bewohnern und ständig wiederkehrenden Besuchern sei ideal als Kunstgalerie, so Kloetzel. Dabei wurde ihr die Arbeit bereits ziemlich leicht gemacht: An allen freien Flächen im Speisesaal und den Fluren sind Bilderleisten angebracht, die, wenn eine Ausstellung zu Ende ist, nur darauf warten, erneut bestückt zu werden.

Die Skulpturen und Bilder sind noch bis zum 31. Juli zu sehen.

Quelle: op-online.de

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