Eine Welt, in der alles möglich ist

Autorin ermutigt zu Kreativität und Fantasie

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Interessiert lauschte die 2 c der Schule im Kirchgarten Autorin Jutta Wilke.

Babenhausen - Blaue Feen, die Nudeln mit Tomatensoße lieben, oder jagen wie in der Steinzeit – in Jutta Wilkes Büchern geschehen die unglaublichsten Dinge. Wie leicht es sein kann, sich Geschichten zu überlegen, verriet sie in der Schule im Kirchgarten. Von Corinna Hiss 

Damit traf Jutta Wilke bei der Klasse 2 c voll ins Schwarze: Mit der kleinen Anna, die Gemüse hasst und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine große Portion Spaghetti zum Mittagessen zu verdrücken, konnte sich jeder identifizieren. Die Hanauer Autorin, die Kinder- und Jugendbücher schreibt, war zu einer Lesung in die Schule im Kirchgarten gekommen. Alle zweiten Klassen lauschten an einem Vormittag ihren Geschichten – und durften selbst kreativ werden. „Ich habe erst 2008 angefangen zu schreiben“, verriet die fünffache Mutter, die Jura studiert und ihre Arbeit als Rechtsanwältin für den Traum als Autorin aufgegeben hatte. Mit lebendiger Stimme las sie aus zwei ihrer Bücher vor und konnte die Schüler damit sogleich in ihren Bann ziehen.

Ihr Erfolgsrezept für eine gute Kindergeschichte: „Ich erschaffe eine völlig neue Welt mit den Dingen, die es bereits gibt.“ Zuerst erzählte sie der Klasse von Finn, der mit seinem Vater im gemütlichen Wohnzimmer sitzt, während draußen der Sturm tobt. Als plötzlich das Licht ausgeht, weil der Strom ausgefallen ist, machen Vater und Sohn das Beste aus der Situation: Sie spielen Steinzeit, bauen Höhlen unterm Wohnzimmertisch, suchen nach Essbarem und verteidigen sich vor wilden Tieren. „Auch wenn ihr keine Bilder seht, so könnt ihr es euch doch vorstellen“, fragte Wilke und die 2 c nickte einvernehmlich.

Schnell er kannten die Grundschüler, dass Finn in der Geschichte nicht wirklich in die Steinzeit katapultiert wurde, sondern es nur spielt. „Fantasie ist so wichtig“, sagte Wilke, die mit ihren Büchern öfter durch die Schulen tourt, aber das erste Mal in Babenhausen war. Die Autorin bedauerte, dass auch Kinder immer weniger Muse hätten, ihre Fantasie kreisen zu lassen und kreativ zu werden. „Das braucht Zeit, und die fehlt heute leider schon den Kleinen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr Appell an alle Schüler: Trotz straffem Lehrplan und geregelten Freizeitaktivitäten solle das selbstständige Denken nicht verloren gehen.

Die „Bücherschreiberin“, wie sie von einer Schülerin genannt wurde, hatte aber nicht nur Finn und die Steinzeit in petto. Auch die kleine Anna, die auf eine blaue Fee namens Netti Spaghetti trifft und ihr hilft, Wünsche zu erfüllen, kam bei den Zweitklässlern gut an. Lachend wurde kommentiert, wie sich die Rechnungen in der Tasche des Postboten in einen Berg Tortellini verwandeln, oder auf dem Baum anstatt Äpfel Spaghetti wachsen. „Lasst eure Fantasie spielen“, ermutigte sie. „Bäume gibt es wirklich, aber was könnte da noch so alles drauf wachsen?“ Da hatten die Kinder so einige Ideen und schwärmten davon, sich Unmengen von Döner, Legosteinen, Pizza oder Geld vom Baum zu pflücken. Jutta Wilke selbst hatte eine ganz andere Vorstellung von ihrem privaten Lieblingsbaum. „Er soll voll von Gummibärchen sein, von denen kriege ich nicht genug“, verriet sie.

Quelle: op-online.de

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