Babenhausen ist beliebter Trainings- und Wettkampfstandort

Pfeilschnelle Vierbeiner

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Auf die Plätze, fertig, lo: Zu einer Trainingseinheit beim Coursing kamen nun wieder zahlreiche Windhunde und deren Besitzer nach Babenhausen.

Babenhausen - Auf der großen Wiese beim Reit- und Fahrverein treffen sich regelmäßig Windhundfreunde aus der Großstadt. Von Michael Just 

„Gleich kommt ein Häschen“, sagt Stefan Schnee, während er kniet und seinen Hund Frodo zwischen den Beinen hält. Der kleine Windhund schaut aufmerksam und neugierig, was da gleich passieren mag. Die Worte des 50-Jährigen wirken beruhigend, dazu überbrücken sie die Zeit. Ein plötzlich knatternder Motor ist das Signal, dass es gleich losgeht: Eine Winde und mehrere im Boden verankerte Umlenkrollen werden die Schleppe – ein Flatterband mit integriertem Lockstoff – in Bewegung setzen, das bei Frodo einen Schlüsselreiz auslöst. Dieser wird daraufhin mit Höchstgeschwindigkeit versuchen, auf einem 650 Meter langen Zickzack-Kurs den „falschen Hasen“ zu erbeuten. In Fachkreisen wird das „Coursing“ genannt.

Nicht zum ersten Mal waren nun die Windhunde in Babenhausen los. „Seit nunmehr sechs Jahren sind wir hier“, erzählt Vorsitzender Jörg Winkel vom Club für Windhunderennen (CWF) in Frankfurt und hebt dabei heraus, dass es sich diesmal, zum Saison-Abschluss, nur um ein Training ohne Wertung handelt. Seit 2009 ist die ausladende Wiese vor dem Reitverein zum beliebten Terrain für Training und Wettbewerbe des CWF geworden. Die mangelnden Möglichkeiten in der engen Großstadt treiben die Hundefreunde regelmäßig an den Rand des Rhein-Main-Gebiets. Mit dem Babenhäuser Landwirt, dem das Feld gehört, klappt die Zusammenarbeit reibungslos.

„Mittlerweile ist Babenhausen bei Windhundebesitzern in ganz Deutschland bekannt“, sagt Winkel. Neben dem Training hätten hier schon große Wettbewerbe stattgefunden. Das soll auch 2016 so sein, wenn an zwei Tagen der deutsche Coursing-Sieger in jener Stadt ermittelt wird, die sonst für Pferde bekannt ist.

Dabei geht es nicht nur um Schnelligkeit: „Konzentration, Intelligenz, Eifer, Gewandtheit und weitere Aspekte beim Jagdverhalten fließen beim Coursing ebenfalls in die Wertung ein“, weiß der Vereinschef.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil drei)

Eine Jagdschule braucht es für Windhunde, die bis zu 80 Kilometer schnell werden können, nicht: Der Hetztrieb steckt bereits in ihren Genen. Rund 20 Windhundearten gibt es. Sie unterscheiden sich optisch erheblich: Neben dem Kurzhaar, wie dem Greyhound, gibt es das Langhaar (Afghane, Saluki, Barsoi) und das Rauhaar (Deerhound, irischer Wolfshund). Auch auf eine Mini-Version muss man nicht verzichten: Der kleinste Windhund der Welt ist das sogenannte Italienische Windspiel. Seine Schulterhöhe liegt unter 40 Zentimeter, sein Gewicht bei rund fünf Kilo.

Zum italienischen Windspiel gehört auch Frodo. „Hast du fein gemacht“, lobt ihn Herrchen Stefan Schnee, ein Versicherungskaufmann aus Hanau, nach dem temporeichen Einsatz. Im Anschluss wird der gedrungene, äußerst elegant wirkende Hundekörper mit einem Deckchen auf dem Rücken überzogen, damit ihm die herbstlich-kühlen Morgentemperaturen nichts anhaben können. Auch der Maulkorb, den jeder Hund zum Laufen angelegt kriegt, kommt wieder ab. Der ist aufgrund der Schleppe vonnöten: Stoppt diese hinter der Ziellinie, besteht die Gefahr, dass sich die konkurrierenden Hunde verletzen. „Das ist schließlich Beute, die verteidigt wird“, erklärt Schnee. Meist lassen sich die Hunde von ihren Besitzern, die in der Nähe der Ziellinie warten, aber schnell wieder beruhigen.

Auch Katrin Frischmann aus der Nähe von Gießen ist mit zwei Hunden nach Babenhausen gekommen. Die 42-Jährige hält die grazilen Vierbeiner aus einem eher ungewöhnlichen Grund: „Windhunde verstehen sich ausgezeichnet mit Katzen“, sagt sie. So wohnen bei der Lehrerin vier Katzen und zwei Whippets friedlich unter einem Dach. Einer der beiden heißt Ikara. Den Name hat Frischmann von einer Rockband abgeleitet. Der treue Blick von Ikara führt dazu, dass ihn seine Besitzerin vor dem Start des Coursings immer wieder herzt und an sich drückt, was sämtliche Wettbewerbsgedanken verfliegen lässt. „Wettkämpfe bedeuten mir nichts, wir trainieren nur. Es geht darum, dass der Hund seinen Spaß hat“, sagt die Lehrerin. Dafür fährt sie auch regelmäßig die 70 Kilometer von ihrem Wohnort nach Offenbach, wo es eine Hunderennbahn gibt.

Zum Training nach Babenhausen kamen rund 50 Windhundbesitzer aus der Region. Wenn 2016 der deutsche Coursing-Sieger ermittelt wird, klettert die Zahl auf rund 400 pfeilschnelle Vierbeiner aus der ganzen Republik.

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Quelle: op-online.de

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