Seit rund einem Jahr im Amt

Bürgermeister Achim Knoke im großen Interview

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Bürgermeister Achim Knoke – hier bei der Amtseinführung – steht auch 2016 vor vielen Herausforderungen.

Babenhausen - Nach einem Jahr im Amt blickt Babenhausens Bürgermeister Achim Knoke auf eine ereignisreiche Zeit zurück. OP-Redakteurin Corinna Hiss sprach mit ihm über die vergangenen und die zukünftigen Monate und darüber, was es ausmacht, Rathauschef zu sein.

Herr Knoke, was hat sich seit der Amtseinführung in Ihrem Leben verändert?

Nun ja, mein Arbeitsweg hat sich enorm verkürzt und ich kann jetzt mit dem Fahrrad ins Büro fahren (lacht).

Nein, im Ernst, das Themenspektrum hat sich enorm vergrößert. Von Straßenbau über Müllbeseitigung, Grünpflege bis hin zu Ausschreibungs- und Baurecht ist eine breite Palette abzudecken. Das empfinde ich als sehr spannend und bereichernd: Die Zeit, die ich nun nicht mehr als Pendler auf dem Weg zur Arbeit zubringe, reicht für die Einarbeitung in diese Themenvielfalt kaum aus.

Was gehörte bisher zu Ihren schönsten Erlebnissen als Bürgermeister?

Wenn ich das Gefühl habe, dass alle zum Wohle der Stadt an einem Strang ziehen. Wir hatten in diesem Jahr zwei Stadtverordnetenversammlungen, die nach guten Vorarbeiten in den Ausschüssen wirkliche Entscheidungstermine mit sachlichen Statements waren. Das Miteinander in den Gremien ist zwar kontrovers, aber demokratisch sachlich. Und auch Irritationen, die es gab, wurden schnell und fair aus der Welt geschafft. Zum Jahresende wurden wichtige Projekte zum Abschluss gebracht. Und das Miteinander im Rathaus und mit den Kollegen in den Außenstellen sind mir wirklich ein Grund zur Freude.

Neben Eröffnung der Ferienspiele oder Reden bei Seniorennachmittagen gab es aber auch schwierige Dinge zu entscheiden: Die Haushaltskonsolidierung sieht bis 2017 die „schwarze Null“ vor. Vergangenes Jahr sollten 150.000 Euro eingespart werden. Ist das gelungen?

Der Abschluss liegt noch nicht vor. Ob die ambitionierten Sparziele erreicht wurden, wird sich zeigen. Allerdings ist schon jetzt klar, dass im Bereich Straßenbau und Erhaltung mehr als geplant ausgegeben werden musste. Die Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung konnten bislang auch nicht vollständig umgesetzt werden.

Viele vorgeschlagenen Sparmaßnahmen kamen von Seiten der CDU. Sind die Christdemokraten radikaler zu Kürzungen bereit als die SPD?

In der Opposition sind radikale Vorschläge einfach zu machen. In den vergangenen Jahren wurde das Defizit von über 4,5 Millionen auf unter 2,5 Millionen Euro reduziert. Jetzt sind Mehrheiten für wirklich schmerzhafte Konsolidierungen erforderlich. Allerdings darf man Babenhausen auch nicht kaputtsparen. Wenn wir viele der Initiativen der letzten Jahre einfach zurückdrehen, löst das nicht das Problem der jahrzehntelangen Unterfinanzierung. Das wissen alle Akteure.

Sparmaßnahmen, Kürzungen oder Steuererhöhungen stoßen den Bürgern meist bitter auf. Inwiefern profitieren sie dennoch davon?

Das betrifft mindestens zwei Ebenen. Zunächst einmal sollte man sich fragen, ob man bereit ist, seine eigenen Ansprüche per Neuverschuldung auf die Schultern seiner Kinder zu legen. Zum zweiten schwebt die Gefahr der Nichthandlungsfähigkeit der politischen Gremien über der Stadt. Wenn wir die Konsolidierung nicht aus eigener Kraft schaffen, wird von der Aufsichtsbehörde entsprechender Zwang erfolgen. Dann entscheiden die Babenhäuser nicht mehr selbst über ihre Stadt.

Noch ist die „schwarze Null“ nicht erreicht. Was wird sich 2016 ändern auf dem Weg dorthin?

Wir werden die Investitionen erneut auf den Prüfstand stellen und alles auf die Waagschale legen. Ausgaben, die nicht vermeidbar sind, müssen zum bestmöglichen Preis erfolgen.

Welche Bauprojekte werden 2016 angegangen?

Es sind Wohngebiete im Bruchborn, in den Lachewiesen, in Harreshausen, Langstadt und Harpertshausen in Arbeit. Das Gewerbe wartet auf die Flächen im Riemen, nördlich der B 26 und natürlich soll das Projekt Kaserne vorwärts gehen.

Achim Knoke zum Bürgermeister gewählt

Die Bürger müssen im neuen Jahr auf die Kunst- und Kulturtage verzichten. Was wird ihnen alternativ an Kultur in der Stadt geboten?

Um nicht missverstanden zu werden: Man kann nicht Mittel kürzen, um zu sparen, und dann nach Alternativen fragen. Für die Kunst- und Kulturtage kann die Stadt ohne Budget keine Alternative liefern. Die Kunstschaffenden prüfen gerade, welche Möglichkeiten ohne Hilfen der Stadt umsetzbar sind. Wir hoffen, die anderen Angebote weiter aufrecht zu erhalten.

Im März steht die Kommunalwahl an. Welches Ergebnis wünschen Sie sich?

Eine breite und stabile Mehrheit wäre hilfreich, um die großen Aufgaben gemeinsam anzugehen. Ich hoffe auf sachliche Diskussionen und Entscheidungen auf breiter Basis.

Was haben Sie aus ihrem ersten Amtsjahr gelernt? Was wollen Sie in Zukunft besser machen?

Es ist gerade im vergangenen Jahr deutlich geworden, dass die Gremienarbeit von einem sehr manuellen und langsamen Prozess getragen wird, der viele Personen beinhaltet. Allein die Menge an Papier, die verschickt wird, sollte deutlich reduziert werden. Hier wünsche ich mir mehr Flexibilität und Geschwindigkeit. Im Ganzen hoffe ich, dass die Verwaltung mehr und mehr von den Bürgern als Dienstleister empfunden wird, auch, wenn hoheitliche Aufgaben wahrgenommen werden. Die große Herausforderung bleibt, die wenigen Mittel möglichst gewinnbringend für die Stadt einzusetzen.

Quelle: op-online.de

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