Ehemalige US-Kaserne als Erstaufnahme-Station

700 Flüchtlinge kommen nach Babenhausen

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Der denkmalgeschützte Teil der US-Kaserne Babenhausen soll Erstaufnahme-Einrichtung für viele Flüchtlinge werden.

Babenhausen - Vage Aussagen bezüglich der Babenhäuser Kaserne wurden in den vergangenen Wochen von offizieller Seite gemacht, die mit der ersten Kreistagssitzung ein jähes Ende haben: Das ehemalige US-Gebäude soll als Erstaufnahme-Station für 700  Flüchtlinge dienen. Von Klaus Holdefehr und Stefan Scharkopf

Erstes und großes Thema der gestrigen Sitzung des Kreistags waren Flüchtlinge, ihre Unterbringung und Betreuung im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Nach einem detaillierten Bericht der zuständigen Kreisbeigeordneten Rosemarie Lück (SPD) berichtete Landrat Klaus Peter Schellhaas über einen Ortstermin zur Einrichtung einer Erstaufnahme-Einrichtung im Landkreis. Das dabei die Kaserne in Babenhausen ins Spiel kam, ist nicht wirklich eine Überraschung. Für Überraschung sorgte allerdings die Aussage, dass diese Kaserne bis Ende Oktober mit 700 Flüchtlingen belegt werden soll.

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Schellhaas schickte voraus, dass angesichts der wachsenden Zahl an Flüchtlingen auch der Landkreis eine Erstaufnahme-Einrichtung brauche. In Darmstadt sei bereits die zwischenzeitlich stillgelegte Unterkunft in Eberstadt wieder in Betrieb genommen worden. Bei den Vorüberlegungen habe man den Blick auch auf einen Kasernenkomplex in Pfungstadt gerichtet, „aber dort ist nichts zu gebrauchen“, so Schellhaas. So kam es fast zwangsläufig am Freitag zum Ortstermin in Babenhausen, laut Schellhaas unter Anwesenheit des Landrats, des CDU-Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Manfred Pentz, des Babenhäuser Bürgermeisters Achim Knoke, der bis vor Kurzem noch eine solchen Nutzung des seit langem brach liegenden Geländes ausschloss. Außerdem war die Bima vertreten, die Bundesimmobilien wie die Kaserne verwaltet, und gegen Ende soll auch der zuständige hessische Staatsminister Peter Beuth zugegen gewesen sein. Vertreter der Bima sollen geäußert haben, dass insbesondere der denkmalgeschützte Teil der Kaserne kurzfristig für eine Erstaufnahme-Einrichtung genutzt werden kann.

Zwei Investoren, die in Kontakt mit der Stadt Babenhausen stehen, sehen sich imstande, dort kurzfristig entsprechende Unterkünfte herzurichten. Den Investoren wird eine große Erfahrung in der Errichtung und dem Betrieb solcher Erstaufnahme-Einrichtungen zugemessen. Die Sammelunterkunft, deren Einrichtung Walter Busch-Hübenbecker im Kreistag scharf kritisierte, weil er eine dezentrale Unterbringung favorisiert, soll mittelfristig bis zu 1.500 Flüchtlingen Raum bieten.

Bima reagiert auf Wunsch des Landes Hessen

Die Bima antwortete auf unsere Anfrage, dass sie lediglich ihre Objekte zur Verfügung stelle und verwies auf den Bedarfsträger, also das Land Hessen. Ob die Gebäude letztendlich für Unterbringungszwecke geeignet sind, könne nur vom Bedarfsträger geprüft und entschieden werden. „Am Freitag hatten wir von den Absichten des Landes Hessen erfahren“, sagte Bürgermeister Knoke auf Anfrage unserer Zeitung. „Überrascht waren wir schon, dass die Not in Hessen so groß ist, dass wir sehr kurzfristig ins Gespräch kommen, zumal unsere Pläne zur Konversion recht weit gediehen sind. Wir können uns in dieser Frage aber nicht verschließen, und das wollen wir auch nicht.“ Mit Blick auf den Winter gehe es darum, den Menschen in Not zu helfen und sie nicht über die kalte Jahreszeit hinweg in Zelten zu belassen. Alle Überlegungen hinsichtlich der weiteren Nutzung der Kaserne sind aus Sicht Knokes nicht obsolet. Die Realisierung „modellhaft neuer Formen des ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftens, Arbeitens und Wohnens“ soll weiterlaufen. „Wir müssen natürlich jetzt mit allen Beteiligten klären, inwieweit es damit weitergehen kann. Womöglich können wir mit einigen Gebäuden beginnen und das, was wir vorhaben, umsetzen.“ Dass der historische Teil als Unterkunft genutzt werden soll, ist der Lage geschuldet und der Fernwärmeleitung: Das Heizkraftwerk in der Nähe des Schwimmbad-Parkplatzes ist relativ nah zum alten Gebäudeteil.

Quelle: op-online.de

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