Tour zu den Przewalski-Pferden

Ein Fernglas sollte griffbereit sein

+
Nicht immer sind die Pferde so nah zu sehen.

Babenhausen - „Als ich meinen Freunden gesagt habe, dass ich heute beim FFH eine Führung mache, haben die gedacht, dass ich zum Radio gehe“, sagt Karin Maruhn lachend. Von Michael Just 

Am Sonntagmorgen stehen die 65-Jährige und weitere Personen um kurz vor 11 Uhr am Haupttor zum Beobachtungs-Hügel für die Przewalski-Pferde im FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat). „Ich habe mir Zeit gelassen, bis ich herkommen wollte. Jetzt habe ich mich aber dazu entschlossen, das endlich mal zu machen“, sagt die Langstädterin. Die Tierart kennt sie von einem Besuch im Leipziger Zoo und einer TV-Doku. Sie weiß, dass man die Vierbeiner hier auf ihre Auswilderung in Zentralasien vorbereitet.

Lesen Sie dazu auch:

Przewalski-Pferde erwarten Nachwuchs

Zur Führung steht auch Alena Schüler (22) mit ihrem Vater aus Rodgau bereit. „Meine Mutter hat das in der Zeitung gelesen. Da ich selbst reite, schlug sie vor, dass ich hierher komme“, berichtet sie. Die Gruppe wird von der Babenhäuser Tierheilpraktikerin Iris Malzkorn empfangen, die täglich nach den fünf Stuten schaut. Am Sonntag entpuppt sich der Hinweis im Vorfeld, ein Fernglas mitzunehmen, als wertvoll: Die ein- bis eineinhalbjährigen Pferdchen mit der Bürstenmähne und dem Aalstrich stehen ganz am anderen Ende des Geländes beim Flugplatz und sind mit dem Auge nur als winzige Punkte auszumachen: „Bei Flugbetrieb beobachten sie das Geschehen immer äußerst interessiert“, weiß Malzkorn über deren Neugierde.

Bei herrlichem Wetter gab es wieder eine Führung der Stadt zu den Przewalski-Pferden.

Ihren Gästen kann sie stets aus einem Fundus von Informationen berichten: warum das FFH-Gebiet so heißt, was dort an Tieren und Pflanzen zu finden ist, warum ausgerechnet die Przewalskis das Areal in seiner jetzigen Form erhalten sollten, weshalb die Wildpferde so kostbar sind, was ihre Erkennungs- und Verhaltensmerkmale sind, ob sie sich an ihrem neuen Standort eingelebt haben oder wie das Europäische Zuchterhaltungsprogramm ihre Auswilderung plant. Seit die Pferde 2014 ankamen, bietet die Stadt jeweils am ersten Sonntag im Monat eine öffentliche Führung an. Karten für drei Euro lassen sich vorher im Rathaus oder mit Beginn der Führung erwerben. Die Resonanz bei den bisher acht Terminen war geringer als erwartet: Eine zweistellige Teilnehmerzahl blieb bis dato aus.

Als Grund führt Malzkorn an, dass viele lieber individuell die Tiere sehen wollen, was durch das offene Gelände kein Problem darstellt. „Man glaubt, in der Führung geht es nur darum, die Tiere zu sehen. Das krieg ich doch auch alleine hin“, erklärt die Tierheilpraktikerin die allgemeine Denkweise. Für die Babenhäuserin ist das schade, denn damit gehen unzählige Erfahrungen verloren, die sie aus erster Hand präsentiert und die das Projekt-Verständnis gewährleisten. Gänzlich aus blieb bisher das Interesse von Schulklassen, Vereinen oder Firmen für gesonderte Gruppenführungen. Hier wartet man immer noch auf die ersten Gäste. „Es gab zwar schon Anmeldungen. Die wurden aber alle wieder abgesagt“, weiß Malzkorn. Das mag auch daran liegen, dass man die Kosten für die Führung nicht im Vorfeld bezahlen muss, sondern erst zur Führung. Das macht es leicht, Pläne kurzfristig zu ändern.

Für die warme Jahreszeit hofft Malzkorn auf einen größeren Zuspruch. Vor allem wenn die geschützten Pflanzen blühen und die Tierwelt fliegt und krabbelt, gibt es –zusätzlich zu den Pferden – eine Menge zu zeigen und zu erklären. Um die Resonanz anzukurbeln, hat die Stadt nun zusätzliche Hinweistafeln auf die Führungen am Torbereich angebracht. Ohnehin ist die Wahrscheinlichkeit größer, die Pferde bei einer Führung zu sehen. Denn bevor es losgeht, eruiert Malzkorn stets deren Standort. Mit dem Rad lassen sich die Tiere gut in Augenschein nehmen. Alena Schüler und ihr Vater kamen mit dem Auto, weshalb die beiden mit fünf winzigen Punkten in der Ferne vorlieb nehmen mussten. Die junge Rodgauerin nahm´s gelassen: „Das sind Wildpferde. Da kann man nicht wie bei einem Reitpferd voraussetzen, dass das am Zaun steht und auf mich wartet.“

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare