Was erzählen Friedhöfe?

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Ein Detail aus dem Ehrenmal, das an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert.

Babenhausen - Es gibt besondere Ruhestätten alteingesessener Familien, typische Granitgrabsteine aus den Sechzigerjahren, Reihen mit Kindergräbern und Urnenwände. Von Stefan Scharkopf 

Ehrendenkmale erinnern an die Toten von Kriegen – jeder Friedhof gibt Zeugnis über die Dorf- und Familiengeschichte. Meist werden die Gottesäcker nur dann besucht, wenn ein Angehöriger bestattet wird oder dessen Grablege in Ordnung gebracht werdmuss. Oft genießen Besucher aber auch nur die Ruhe, die von den gartenähnlichen Anlagen ausgeht. Doch hier und da stellen sich manche aber auch Fragen: Was bedeutet die Inschrift, welche Geschichte ist mit der im Grab ruhenden Person verbunden?

Diese Fragen zu beantworten, Geschichten zu erzählen und Menschen auch mitten im Leben für Friedhöfe zu interessieren, hat sich das Projekt „Gärten der Erinnerung“ im Landkreis Darmstadt-Dieburg zur Aufgabe gemacht. Zusammen mit Ehrenamtlichen aus Heimat- und Geschichtsvereinen, Kirchengemeinden oder Hauptamtlichen von Friedhofsämtern ist nun eine ganze Reihe entstanden. Initiatoren der Route, die insgesamt 26 Friedhöfe (auch jüdische), Ehrenmäler sowie Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten beinhaltet, sind das Regionalmanagement im Ländlichen Raum Darmstadt-Dieburg, die Untere Denkmalschutzbehörde und das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald als Trägerin des Projekts. „Als Kirche ist uns die Begleitung von Menschen, die sich mit dem Leben und Sterben auseinandersetzen sehr nah“, sagt die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, Annette Claar-Kreh. Die Route soll alle Menschen unabhängig von ihrer Konfession ansprechen und helfen, „positive Zugänge und Hoffnungsbilder zum Thema zu entwickeln“.

Am heutigen Samstag werden die „Gärten der Erinnerung“ in Schaafheim eingeweiht. Dazu werden auch Flyer und Hinweisschilder ausgegeben, die vor den Friedhöfen aufgestellt werden. Sie sind ein Geschenk, finanziert durch Mittel des Dekanats und Spenden der Sparkasse Dieburg, der EKHN-Stiftung, dem bischöflichen Ordinariat, der Stiftung Andere Zeiten und der Merck Rest-Cent-Aktion.

Teil der Route sind auch die jüdischen Friedhöfe in Babenhausen und Sickenhofen sowie der Gottesacker der Kernstadt. So erfahren Interessenten, dass die Toten in Babenhausen bis zum Dreißigjährigen Krieg rund um die Stadtkirche bestattet wurden. Danach wurde das Areal zu klein und daraufhin erstmals um 1690 außerhalb der Stadtmauer vor dem Hanauer Tor ein neuer Friedhof am Bruchweg angelegt. Der wurde bis 1837 genutzt, danach geschlossen. Zwischen 1835 und 1837 wurde ein neuer Gottesacker im Westen der Stadt angelegt, zunächst nur auf einem Drittel des heutigen Ausmaßes. Die ehemalige Friedhofsmauer am Bruchweg wurde zur Jahreswende 2002/03 abgerissen. 13 in die Mauer integrierte Grabsteine wurden geborgen und haben am Eingang des Friedhofs einen neuen Platz gefunden.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht im Übrigen das Kriegerdenkmal, das wegen der aktuellen Umbau-Arbeiten am Bahnhof weichen musste.

‹ Dekan Joachim Meyer und Landrat Klaus Peter Schellhaas werden die Kirchhofsroute heute um 11 Uhr in der Friedhofshalle in Schaafheim, Weinbergstraße, eröffnen.

Quelle: op-online.de

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