Rundgang mit dem Nabu

Wenn's in der Wohnung flattert

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Dirk Alexander Diehl (2.v.l.) gilt als Fledermausexperte in der Region. Bei einer Führung kamen auch Detektoren zum Einsatz, um den Säugetieren auf die Spur zu kommen.

Babenhausen - Das Hochhaus im Erloch trifft optisch nicht den Geschmack aller Babenhäuser. Und dennoch: Für den Naturschutz hat es eine nicht unerhebliche Bedeutung. Von Michael Just 

„Die Verkleidungsplatten sind bei den Fledermäusen sehr beliebt. Dahinter bieten sich nämlich zahlreiche Versteckmöglichkeiten“, berichtete Dirk Alexander Diehl bei der jüngsten Fledermauswanderung. Die hatten die Nabu-Ortsverbände Babenhausen und Langstadt organisiert. Wie der Fledermaus-Experte weiß, kommt es öfter vor, dass die flinken Flatterer durch ein offenes oder gekipptes Fenster in einer der Wohnungen im Hochhaus landen. Und das nicht nur in Einzahl: „Bei genauerem Hinsehen können hinter einem Schrank gleich noch mehr sitzen“, führte der Diplom-Biologe an. Jene Möglichkeit sei in diesen Tagen besonders groß, da der Fledermaus-Nachwuchs gerade flügge werde und neugierig seine Umgebung erkunde. Die Reaktionen der Menschen auf die Säuger sind laut Diehl immer unterschiedlich: „Einige reagieren mit Begeisterung, andere mit Panik“. „Fledermaus-Alarm“ gibt es in gewissen Abständen nicht nur im Hochhaus im Erloch, sondern auch in der Seniorenwohnanlage Bethesda in Harreshausen. Auch sie ist mit Platten verkleidet. So mancher hochbetagte Bewohner erhielt in der Vergangenheit abends schon überraschenden Besuch.

Ob die Harreshäuser Senioren die Fledermäuse als Boten des Teufels ansahen, ist nicht bekannt. Die Christen früherer Epochen taten das und verfolgten sie. In der Bibel gelten die Tiere als Ausgeburt der Finsternis und der Dämonen. Völlig unverständlich war ihre nachtaktive Lebensweise, während sie am Tag kopfüber von der Decke hingen. Anders in China: Dort sind sie Sinnbild für Glück und ein langes Leben. Als Symbol für Wiedergeburt und Unsterblichkeit betrachten sie die Indianer auf dem amerikanischen Kontinent. Derzeit gibt es in Deutschland 26 Fledermausarten. Sie unterscheiden sich unter anderem bei der Wahl der Quartiere: Einige ziehen Mauerspalten vor, andere lieber Dachböden oder Bäume. „Moderne Baustoffe und Dämmmethoden haben die Unterschlupfmöglichkeiten für die Säugetiere stark eingeschränkt“, bedauerte Diehl. Wenn Hausbesitzer nicht ganz bewusst Öffnungen bei den Blenden ließen, hätten es die Tiere heutzutage schwer, Unterschlupf zu finden.

Diese Tierarten sind nach Deutschland eingewandert

Die Fledermaus-Tour erlebte ihren Höhepunkt in einem Garten der Konfurter Mühle, wo kurz nach Einbruch der Dunkelheit zahlreiche Exemplare der Zwergfledermaus den rund 15 Entdeckern um die Ohren flatterten. Immer wieder reagierten die Detektoren von Dirk Alexander Diehl sowie Klaus Hillerich. Der Anflug der Tiere wurde mit einem langsamen Knacken angezeigt. Innerhalb von Sekunden wurde das immer schneller und plötzlich segelten die hungrigen Jäger für einen kurzen Augenblick über die Köpfe ihrer Beobachter. Die Detektoren wandeln die Ultraschalllaute der Fledermäuse, mit der sie Beute und ihre Umwelt orten, in hörbare Töne für den Menschen um. Die Zwergfledermaus ist die am meisten verbreitete europäische Fledermausart. Wie der Name schon sagt, ist sie nahezu winzig: Sie erreicht eine Körpergröße von nur 4,5 Zentimetern und ein Gewicht von nur wenigen Gramm. Damit wiegt sie kaum mehr als ein Stück Würfelzucker und ist mit angelegten Flügeln so groß wie eine Streichholzschachtel. Die Teilnehmer der Wanderung zeigten sich fasziniert vom Thema und wollten wissen, ob es Möglichkeiten zur Unterstützung gibt.

Diese Stars ziehen sich für Tiere aus

Mittlerweile lassen sich Fledermauskästen kaufen oder per Anleitung im Internet selber bauen. Sie helfen den Baumfledermäusen. Diverse Nabu-Gruppen geben regelmäßig Sammelbestellungen auf. Die Kästen sind bis zu einem halben Meter groß und wiegen durch ihre Isolierung oft bis zu 40 Kilo. Die dicken Wände sind für den Winter nötig, da die Tiere bei -1,5 Grad erfrieren. Mit der Führung gelang es Diehl, Begeisterung für eine immer noch als mysteriös betrachtete Tierart zu entfachen. Während einige Zeitgenossen vor Fledermäusen zurückschrecken, kann das der Langstädter nicht von sich behaupten. Wie er sagt, setzt er sich die kleinen Säuger auch gerne mal auf den Kopf. „Es ist schon ein faszinierendes Gefühl, wenn sie sich mit ihrer Daumenkralle, die sie wie einen Kletterhaken benutzen, hochziehen“, so der passionierte Naturfreund über diese etwas andere Form der Kopfmassage.

Quelle: op-online.de

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