Zum Schluss wird immer gesungen

Frauengymnastik-Gruppe gibt es seit 55 Jahren

+
Die Frauengymnastik im Jubiläumsjahr: Seit 55 Jahren existiert die Gruppe und kommt jeden Dienstag zur körperlichen Betätigung zusammen.

Babenhausen - Immer wieder dienstags – und das seit 55 Jahren. Die Frauengymnastik ist die am längsten bestehende Gruppe im Turnverein Babenhausen. Jetzt wurde das Jubiläum mit einem gemeinsamen Abendessen im Goldenen Engel sowie dem Blick zurück gefeiert. Von Michael Just 

„Wir haben alle eingeladen, die mit uns aktiv oder inaktiv in Verbindung stehen“, erzählt Leiterin Alice Sauer. So kamen rund 30 Personen zusammen, denen Thea Scharwinski im Namen des TV-Vorstands gratulierte. Besonders geschätzt wurde die Teilnahme von Karola Fendt und Marie „Mariechen“ Thierolf: Sie riefen die Frauengymnastik einst ins Leben und gehören in der Gegenwart mit 96 und 91 Jahren zu den ältesten Vereinsmitgliedern. Annemarie Fendt, ebenfalls Mitbegründerin, starb vor wenigen Jahren.

1961 legten sich Gerda Rose und Marga Uhl als erste Übungsleiterinnen ins Zeug. Dann engagierte sich Marie Thierolf, die ihre Aufgabe 27 Jahre lang verrichtete. Im Anschluss fiel es schwer, einen neuen Kopf zu finden, der sich der eingespielten Gruppe annehmen wollte. Mit viel Einfühlungsvermögen ging Alice Sauer ab 1992 die Sache an und ließ sich in Bezug auf persönliche Befindlichkeiten oder Erwartungen nicht beeindrucken. Heute, nach bald einem Vierteljahrhundert Einsatz, ist die Übungsleiterin nicht mehr wegzudenken. Derzeit zählt die aktive Riege rund 20 Damen. Das Gros ist über Jahrzehnte dabei und gemeinsam alt geworden. Mit 64 Jahren gilt Rita Dowald als die Jüngste. Ihr stehen Käthe Klump (88) und Anna Jost (85) gegenüber. Noch rüstiger ist fast nicht möglich. Leiterin Alice Sauer darf sich mit 63 Jahren als junge Hüpferin betrachten. Neue Gesichter stoßen selten zur Gruppe, da es sich um einen gewachsenen Verbund handelt. Wenn doch, dann passiert das meist durch „Mund-zu-Mund-Propaganda“.

Marga Jonas wagte als eine der letzten Neulinge den Sprung. Als Babenhäuserin hatte sie den Vorteil, dass sie viele der Frauen kennt. Bereits 1981 schloss sich Anneliese Wege an. Zwei Jahre zuvor war sie in die Gersprenzstadt gezogen und wusste, dass der Anschluss am besten im Verein gelingt. 2016 sportelt sie mit 79 Jahren immer noch in der Frauengymnastik. Dazu gehört sie dem TV-Wirtschaftsausschuss an und macht mehrmals wöchentlich Dienst im Clubraum. Die Treue zu den Dienstagsfrauen begründet sie recht einfach: „Das sind alles normale Menschen.“

Die Übungsstunden sind von 20.30 bis 21.30 Uhr. Die Gymnastik beinhaltet leichte Bewegungen mit Handgeräten. Oft wird die Wirbelsäule gestärkt. „Die Matte mögen viele Frauen weniger, weil sie dann runter müssen“, weiß Sauer. Als sie kam, wurde die Musik flotter. Egal ob Abba oder Elvis, der Takt ist wichtig. Volksmusik und Märsche, die vor ihrer Zeit dazugehörten, sortierte Sauer aus. Allen Übungsstunden ist gemein, dass zum Abschluss ein Lied gesungen wird. Im Kalender stehen neben den Geburtstagen auch Ausflüge, die Gisela Rönsch organisiert. An Fastnacht wartet eine närrische Turnstunde. Früher bereiteten die Geburtstagskinder legendäre Bowlen zu, die zum Schutz des neuen Hallenboden nicht mehr mitgebracht werden dürfen. Dafür trinken sie einen Sekt im Clubraum, der nach den Übungsstunden auch dem geselligen Plausch dient, so dass es nicht selten später wird.

Zum Jubiläum wurden alte Gruppenfotos mitgebracht, auf denen die schnittigen Anzüge, wie etwa beim Gauturnfest in 1981 in Höchst, zum Schmunzeln anregten. Die Bilder offenbarten, dass die Zeit mächtig vorangeschritten ist. Mittlerweile hat die Gruppe vom Verein mit „Fitness Soft“ sogar einen neuen Namen bekommen. Der klingt für die Führungsspitze einfach zeitgemäßer als „Frauengymnastik“ oder „Dienstagsfrauen“. „Soft“ steht dabei für Übungen, die den Körper nicht überfordern. Der neue Name ruft bei den lebenserfahrenen Damen nicht nur Zustimmung hervor: Die Gymnastikerinnen haben Tradition und wollen diese auch beim Namen bewahren. „Sie dürfen uns gerne Fitness Soft nennen. In unseren Worten sind und bleiben wir die Frauengymnastik!“, ist sich die Gruppe fast unisono einig.

Quelle: op-online.de

Kommentare