Erklärung gegen den Terror

Achim Knoke übernimmt

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Der neue Bürgermeister mit seiner Familie im voll besetzten Stadthallensaal.

Babenhausen - So hat noch keine Stadtverordnetensitzung begonnen. Parlamentschef Wulf Heintzenberg verlas eine gemeinsame Erklärung aller im Gremium vertretenen Parteien, in der die islamistischen Terroranschläge in Paris verurteilt wurden. Von Stefan Scharkopf

Die „Akzeptanz“ der Turnvereins zeigte zu Beginn der Amtseinführung eine Performance.

„In einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sind Presse- und Meinungsfreiheit ein unerschütterlicher Grundsatz, der niemals aufgegeben werden darf“, heißt es darin und weiter: „Wir stellen uns jedem Versuch entgegen, diesen schrecklichen Akt terroristischer Gewalt für politische Zwecke zu missbrauchen oder gar islamophobe Reaktionen damit anzuheizen.“

Eine Erklärung, die nicht zuletzt die französische Delegation aus der Babenhäuser Partnerstadt Bouxwiller gerne gehört hat.

Gekommen waren die Elsässer wie viele Vertreter aus Bundes- und Landtag, von politischen Gremien, Schulen, Kirchengemeinden und weiteren lokalen Einrichtungen, um den neuen Bürgermeister Achim Knoke zu begrüßen und die seitherige Amtsinhaberin im voll besetzten Stadthallensaal von ihren Amtspflichten zu entbinden. Viel Lob für beide war zu hören.

Lambert lobte Mut Coutandins

„Sie haben in den sechs Jahren mit einem Tempo gearbeitet, dass einem schwindlig werden konnte“, sagte Erster Stadtrat Kurt Lambert, der die Verabschiedung vornahm. Die Umgestaltung des Bahnhofs, die anstehende Bebauung des ehemaligen Feuerwehrgeländes, neue Bau- und Gewerbegebiete nannte Lambert unter anderem als „sichtbaren Beweis dafür, dass sich die Stadt unter Coutandin sichtbar und sehr gut entwickelt“ habe.

Das alles gebe es freilich nicht zum Nulltarif. Er lobte den Mut Coutandins, den Bürgern zu sagen, dass sie sich auf Mehrbelastungen einstellen müssten: „Normalerweise scheuen Politiker davor zurück wie der Teufel vorm Weihwasser.“ Zu den selbst gestellten Aufgaben einer Stadt kämen auch Leistungen für übergeordnete Instanzen hinzu, die ordentlich Geld kosteten.

Lobesworte für Coutandin gab es naturgemäß von Vertretern der „Allianz“ aus SPD, FWB und FDP. SPD-Ortsvereinsvorsitzende Simone Kirchschlager sagte, die scheidende Verwaltungschefin habe „Arbeitsplatzentwicklung und Soziales“ in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt.

Überparteilichkeit war großes Thema

Nach einer längeren Reihe von guten Wünschen wurde Coutandin am Donnerstag mit stehenden Ovationen verabschiedet. „Wir haben vieles erreicht, aber vieles liegt noch vor uns“, meinte Hans-Jürgen Lohde (SPD) in Richtung Knoke. Die Kasernenkonversion („ärgerliches Verhalten der Bima“), die Haushaltskonsolidierung und die weitere Ansiedlung von Gewerbe seien drängende Aufgaben für den neuen Mann an der Spitze des Rathauses.

Die Sprecher von Union und Grünen, CDU-Stadtverbandsvorsitzende Heidrun Koch-Vollbracht, und Grünen-Fraktionsvorsitzender Frank Ludwig Diehl wandten sich direkt an Achim Knoke. Koch-Vollbracht („Wir schauen nach vorne“) sagte, sie hoffe auf einen neuen Politikstil. und darauf, dass künftige Entscheidungen mit breiter Mehrheit getroffen werden. „Keine Machtdemonstration, sondern Schulterschluss“, darauf zähle sie. Eine der größten Aufgaben, der Haushaltsausgleich bis 2017, sei nicht nur durch die Belastung der Bürger, sondern durch strukturelle Veränderungen zu schaffen. Dafür sollte Knoke überparteilich stehen. Lob gab es von der Christdemokratin dafür, dass Knoke bereits eine Fraktionssitzung der CDU besucht habe. Das habe man wohlwollend registriert. Überparteilichkeit war auch der Kernpunkt in der kurzen Rede von Ludwig Diehl, der Knoke im Übrigen in dessen Amt als früherem SPD-Fraktionschef schätzen gelernt habe.

Achim Knoke zum Bürgermeister gewählt

Achim Knoke zum Bürgermeister gewählt

Der neue Mann im Rathaus beließ es in einem kurzen Beitrag bei einem Dank an seine Vorgängerin, seine Mitstreiter und die Bürger: „Gemeinsam mit Ihnen will ich die Stadt in eine gute Zukunft führen.“

Der lange Reigen an Ansprachen und Grußworten wurden von Liedbeiträgen und einer Performance der „Akzeptanz“ des TVB aufgelockert. Auf der Bühne standen zudem der Chor der Offenen Schule, die A-capella-Formation ChorColores und der Gesangverein Eintracht.

Bei der Bürgermeisterwahl im Oktober 2014 hatte sich Achim Knoke überraschend bereits im ersten Wahlgang mit 53,9 Prozent gegen Rüdiger Manowski (CDU; 36,4 Prozent), Bernd Buchinger (parteilos; 6,1) und Heinz Schumacher („Bürger“; 3,6) durchgesetzt. Gabi Coutandin hatte aus Altersgründen auf eine zweite Amtszeit verzichtet.

Quelle: op-online.de

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