Alpenglühen unter Palmen

„Happy Man“ exportiert zünftige Volksmusik nach Thailand

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Norbert Herbert mit seinem Kumpel Harald „Harry“ Butte: Zusammen wollen sie das Königreich Thailand im November auf deutsche Volksmusik einschwören.

Babenhausen - Die klassische Musik in Südostasien wird von Xylophon, Fidel, Trommel oder dem Glockenspiel erzeugt. Das Akkordeon und erst recht die Tuba sind dort eher unbekannt und Instrumente der „Langnasen“ – also der Ausländer. Anfang November wird sich das ändern. Von Michael Just

Norbert Herbert, in Babenhausen besser als „Happy Man“ bekannt, sieht sich als Exporteur deutscher Volksmusik nach Thailand. Angesteuert werden vor allem die deutschsprachigen Auswanderer in den Touristenorten in Thailand, die dort Gaststätten und Restaurants für die Urlauber betreiben. Über das Internet hat Herbert bereits verschiedene Arrangements vereinbart. Unterstützt wird er dabei von seinem Musikpartner Harald Butte, der Tuba und Gitarre spielt. Gemeinsam wollen sie unter Palmen für Alpenglühen und Heimatgefühle sorgen. „Vor allem bei den Schweizern ist die Atmosphäre und die Stimmung immer gut“, berichtet der 68-Jährige, der bald zum vierten Mal als musikalischer Botschafter nach Thailand reist. Um die Schweizer zu überraschen, hat er sogar Liedgut der Eidgenossen gelernt. Daneben bilden Stücke wie „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Rosamunde“ oder „Der Schornsteinfeger aus Egern“ die wesentlichen Bestandteile des Repertoires. Dass die nicht nur bei Anhängern des Musikantenstadls Wohlgefallen auslösen, weiß der Musikus aus Erfahrung: „Damit rennen wir offene Türen ein.“

Die bevorstehende Tour führt – nach der Landung in Bangkok – zuerst nach Pattaya. Dann geht´s nach Hua Hin und zuletzt auf die Ferieninsel Koh Samui. Insgesamt sind zehn bis 15 Auftritte in Oktoberfestmanier in den drei Wochen geplant. In der Heimat hat Herbert zuletzt auf der Harpertshäuser Kerb gespielt sowie Senioren auf einer Rheintour erfreut. Die Frage, warum das Duo ausgerechnet in Südostasien Akkordeon und Tuba auspackt, ist schnell beantwortet: Es sind der „Spaß an der Freude“ und die Neugier, wie diese Musik in anderen Ecken der Welt ankommt. Neben Thailand hat der gebürtige Sickenhöfer die Volksmusik auch schon auf den südamerikanischen Kontinent getragen: Vor zwei Jahren machte er sich in den Süden Brasiliens in die Nähe von Porto Alegre auf. Einer der Orte hieß Sao Leopoldo. Hier landeten 1824 die ersten deutschen Auswanderer. Noch heute ist die deutsche Kultur dort omnipräsent. Als der Happy Man in die Tasten griff, schaltete ihn ein kleiner, regionaler Radiosender „live“ auf den Äther.

Jetzt geht es für den gelernten Metaller, der seit 13 Jahren Musik macht, erneut nach Südostasien. Schon rund 15 Mal war er in Siam, dreimal als Musiker. Seine Frau Wan stammt ebenfalls von dort. Letztes Jahr im August gaben sich beide das Ja-Wort. Die Frage, ob die Bewohner im Land des Lächelns bei „Dicke-Backe-Musik“ immer noch lächeln, bejaht der 68-Jährige: „Sie bleiben stehen, zeigen sich neugierig und interessiert“. Letzte Zweifel würden mit dem Spielen der thailändischen Nationalhymne beseitigt, die stets Begeisterung auslöst. Weil von vielen deutschen Gaststätten in den Urlaubsgebieten das Interesse groß ist, dass das Duo für Abwechslung im Alltag sorgt, möchte Herbert verhindern, dass die Tour zu hektisch wird. So ist beim Zwischenstopp im Seebad von Hua Hin, wo auch der thailändische König gerne verweilt, Ruhe angedacht. Auch in Zukunft soll’s im Lande Buddhas für den Happy Man etwas gemächlicher zugehen.

Als ganz gewöhnlicher Tourist will er aber trotzdem nicht nach Thailand reisen: So hat der 68-Jährige den Traum, das Land, das die Form eines Elefantenkopfes besitzt, der Länge nach zu durchqueren. Das wären immerhin 1 800 Kilometer. Als Fortbewegungsmittel soll ein Tuk Tuk dienen. Tuk Tuks sind dreirädrige Autorikschas, die wegen ihrer geringen Geschwindigkeit in Thailand gerne als Taxis für die Kurzstrecke verwendet werden. Für sein Vorhaben sucht Herbert noch Sponsoren, die helfen, das Anliegen zu finanzieren und die nötige Öffentlichkeit herstellen. Auch im Tuk Tuk durch Siam wird der Babenhäuser wohl nicht gänzlich auf die Musik verzichten: Wer den Happy Man kennt, der weiß, dass er ohne sein Akkordeon nicht wirklich glücklich ist.

Quelle: op-online.de

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