Herzsportgruppe seit 25 Jahren

Mit spielerischer Leichtigkeit

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Herzsportgruppe des TV Babenhausen gibt es seit 25 Jahren. Leistungsdruck bleibt außen vor. Beim Boßeln wird eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke gerollt, Ziel ist es, den Holzstab zu treffen. Boßeln wird auch in der Herzsportgruppe gespielt.

Babenhausen - Humorvoll geht es eigentlich immer zu, wenn der TVB-Vorsitzende Bert Bernhardt eine Veranstaltung managt. So wurde auch bei der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen der Herzsportgruppe des Babenhäuser Turnvereins viel gescherzt und gelacht. Von Petra Grimm 

Bernhardt selbst hat diese Gesundheitssportgruppe gegründet und ist von Anfang an als lizenzierter Übungsleiter mit viel Elan im Einsatz. Neben den Sportlern und ihrem Übungsleiter, der seit 1994 von Amélie Kley unterstützt wird, fanden sich auch die TVB-Vorsitzende Ute Teuchner, Erster Stadtrat Kurt Lambert, der Kreisbeigeordnete und ehrenamtlich Beauftragte der Deutschen Herzstiftung Uwe Bülter und Wolfgang Scharf, als Vertreter des Sportkreises und Bezirksvorsitzender des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes (HBRS), im Foyer der Willy-Willand-Halle ein, um gemeinsam auf den runden Geburtstag der Herzsportgruppe anzustoßen. „Begonnen hat alles mit einer Handvoll Teilnehmern“, erinnert sich Bert Bernhardt. Inzwischen ist die Gruppe auf 50 Männer und sechs Frauen im Alter von 48 bis 86 Jahren angewachsen.

Eine Personengruppe, ohne deren Anwesenheit diese besondere Sportstunde nicht stattfinden darf, feierte auch mit, nämlich die Ärzte, die das Projekt ehrenamtlich mit ihrer Arbeit unterstützen. So engagierten sich in der Gründungsphase und lange Jahre danach Dr. Ralf Backhaus und Dr. Hans-Otto Schmank. Derzeit wechseln sich als betreuende Ärzte Gudrun Klühr, Dr. Stephan Orlemann, Matthias Hefter und Helga Welbers ab. Ohne Arzt darf nicht trainiert werden. „Schließlich hat fast jeder der Teilnehmer seine ganz persönliche Krankengeschichte: Bypass, Angina pectoris, Herzschrittmacher, Diabetes oder künstliche Herzklappe. Wer sich hier überanstrengt, bringt sich in Lebensgefahr. Telefon, Arztkoffer und Defibrillator müssen immer in Reichweite sein“, erklärte Bert Bernhardt, „gebraucht wurde von den Geräten glücklicherweise noch keines.“

Ärzte sorgen für die Sicherheit der Teilnehmer

Treffen ist jeden Montag in der Schulsporthalle, 19 bis 20.30 Uhr, zur Übungsstunde. Weitere Informationen gibt Bert Bernhardt unter 06073/4938 oder sind über die Homepagezu erhalten. Auch wer einfach nur einmal unverbindlich zuschauen möchte, ist willkommen.

Für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen die Ärzte und der erfahrene Übungsleiter, der eine umfangreiche Ausbildung zum Fachübungsleiter Rehabilitation mit der Fachrichtung „Innere Medizin“ absolviert hat und seine Lizenz alle zwei Jahre durch Fortbildungen verlängern lassen muss. Der TVB besitzt für die Herzsportgruppe das Qualitätssiegel „Rehabilitationsgruppe, geprüft und anerkannt“ des Deutschen Sportbundes als Zeichen für die hohe Qualifikation des Übungsleiters und den hohen Standard der Übungsangebote.

Wer in Bert Bernhardts Herzsportgruppe aktiv der Krankheit begegnet, den erwarten Spiel- und Bewegungsformen, die auf Harmonie, Geschick, Konzentration und Entspannung zielen. Viele Übungen werden paarweise oder in Gruppen bestritten – bunt gemischt: Männer und Frauen. Das Übungsklima wird durch spielerische Leichtigkeit und Spaß am Sport bestimmt. „Koordinationsübungen, die die linke und rechte Gehirnhälfte verknüpfen und Stabilisationstraining sind ein wichtiger Bestandteil. Leistungsdruck und Wettkampf bleiben bei uns außen vor“, sagte Bernhardt zum Konzept, bei dem nicht Schnelligkeit und Krafttraining im Vordergrund stehen, sondern die bessere Sauerstoffversorgung des Körpers, eine langsame und gezielte Verbesserung von Koordination, Beweglichkeit und Kondition. Dass Risikogrenzen nicht überschritten werden, dafür sorgen auch die Kontrolle von Puls und Blutdruck.

Die Teilnahme erfolgt auf hausärztliche Verordnung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Abschluss der ersten stationären Reha-Maßnahmen. „Sie haben einen Anspruch auf diese Reha-Leistung. Dafür gibt es eine gesetzliche Verpflichtung. Diese Verordnung belastet nicht das Budget ihres Arztes. Das Geld dafür kommt aus der Sozialversicherung, nicht aus dem Gesundheitswesen. Die Krankenkassen leiten das Geld nur weiter“, betonte Wolfgang Scharf vom HBRS.

Hallenbau in Babenhausen

Hallenbau in Babenhausen

Die Mitglieder der Babenhäuser Herzsportgruppe schätzen neben dem Gefühl, etwas für ihre Gesundheit zu tun, auch die Geselligkeit, wie die beiden Schaafheimer Erich Trautmann (86) und sein Schwager Eduard Hauck (80) betonen. „Ich bin seit 24 Jahren dabei. Nach einem Herzinfarkt habe ich hier angefangen, weil mein behandelnder Arzt es empfohlen hat“, erzählte Trautmann, für den der Sport am Montagabend inzwischen zu seinem Leben dazugehört. Rüstig und fit wirkt auch Eduard Hauck, der vor 17 Jahren vier Bypässe bekam, wie er erzählt und seitdem mit großem Spaß in der TVB-Herzsportgruppe mitmacht.

Quelle: op-online.de

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