Joachim-Schumann-Schüler beschäftigen sich mit Stadtgeschichte

Schicksal jüdischer Bürger recherchiert

Babenhausen - Über 30 Stolpersteine wurden in Babenhausen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bereits verlegt. Doch wer steht hinter den Namen? Damit hat sich nun eine neunte Klasse der Joachim-Schumann-Schule beschäftigt. Von Michael Just 

Im Foyer präsentierten die Schüler den von ihren konzipierten Flyer. 2500 Exemplare gibt es. -

Und noch mehr: Sie erstellte einen Flyer, den Interessierte und Touristen an mehreren Stellen im Stadtgebiet, wie etwa dem i-Punkt oder dem Territorialmuseum, mitnehmen können. „In der Sackgasse 13 wohnte die alleinstehende Emma Oppenheimer. Sie meldete sich am 20. Mai 1936 nach Worms in ein Altersheim ab. Emma Oppenheimer wurde nach Theresienstadt deportiert und überlebte die Naziherrschaft nicht.“ Diese Informationen lassen sich in der Broschüre „Stolpersteine in Babenhausen“ nachlesen. Über andere Opfer des Dritten Reichs in Babenhausen ist der Lebenslauf bezüglich Beruf oder Persönlichem noch umfangreicher. Zum Teil gibt es sogar Fotos, wie etwa von Martha und Lazarus Frank oder der Familie Kahn.

„Bleibender Wert“

Wissbegierige und fleißige Schüler der Joachim-Schumann-Schule stehen hinter dem aufwendig gestalteten Faltblatt. Im evangelischen Religionsunterricht von Ruth Selzer-Breuninger beschäftigten sie sich ein halbes Jahr lang mit dem jüdischen Leben in Babenhausen und dem Schicksal von Menschen, die man aufgrund ihrer Religion verfolgte. Um Näheres zu erfahren, trafen sich die Neuntklässler im Stadtarchiv mit Georg Wittenberger, befragten mit Ria Fischer eine Zeitzeugin oder besuchten den jüdischen Friedhof. „Wir haben dafür gesorgt, dass jene, die hier nicht gewollt waren, wieder ins Gedächtnis kommen“, sagt Selzer-Breuninger über die Arbeit ihrer Schützlinge. Mit der Broschüre hätten diese einen bleibenden Wert geschaffen. Der darin verwirklichte Anspruch sei hoch: „Das Projekt würde eher zu einer Oberstufenklasse als zu einem neunten Jahrgang passen“, so die Schulpfarrerin. Bei der Gestaltung der Broschüre ließen sich die Schüler vom Babenhäuser Büro für Erinnerungskultur helfen. Holger Köhn und Christian Hahn brachten die Ergebnisse in eine ansprechende Form. Bei der Finanzierung des Drucks griff der Schulförderverein „Impuls“ unter die Arme.

Grundlage sind die Stolpersteine

Grundlage für die Leistung der Schüler sind die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, der in Deutschland und 18 weiteren europäischen Ländern schon über 50.000 Exemplare verlegte. Die Stolpersteine gelten als das größte, dezentrale Mahnmal. In der Regel werden sie vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in das Trottoir eingelassen. Auf den Steinen sind Name, Geburtsdatum und, soweit bekannt, das Schicksal, wie Deportation oder Ermordung, aufgeführt. Die Steine wecken beim Betrachter oft den Wunsch, mehr über die Menschen zu erfahren, die hier gewohnt haben. Diesem Wunsch kamen die Schüler mit ihrer Broschüre nun eindrucksvoll nach.

Der Jüdische Friedhof in Berlin

Bei der Übergabe der zehn Kartons mit insgesamt 2500 Exemplaren an Bürgermeister Achim Knoke und Georg Wittenberger erwartete die Jugendlichen im Foyer ihrer Schule ein dickes Lob. Wie der Bürgermeister sagte, sei die Arbeit nicht nur inhaltlich bedeutend, sondern in dem Fall auch die Tatsache, von wem sie kommt. „Bewegen sich junge Menschen und Schüler in diesem Thema, dann ist das etwas anderes, als wenn das darauf spezialisierte Vereine oder Verbände tun. Entgegen aller Vorurteile habt ihr nicht nur aufs Handy geschaut, sondern über den Tellerrand hinaus“, lobte Knoke. Er sei stolz auf die Schüler, dass sie an Dinge erinnern, die nicht mehr passieren dürfen. Zudem seien sie ein Vorbild für andere Mitbürger. Laut dem Bürgermeister freue man sich über jeden, der das Geschaffene in Babenhausen mit Stolz nach außen trägt. Noch wichtiger sei es aber, sich selbst zu engagieren und Verantwortung dafür zu übernehmen, was in der Stadt vorgeht. Das hätten die Schüler beeindruckend gemacht.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Just

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