Mitmachtraining bei Judo und Ju-Jutsu

Zur Fitness kommt Sozialverhalten

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Der Turnverein stellt beim Sporttag Judo und Ju-Jutsu vor. Selbstverteidigung zu lernen gehört dazu, aber wer nur schnell kämpfen lernen will, ist hier falsch. Die Judo-Abteilung führte vor, wie die Griffe richtig gesetzt werden.

Babenhausen - Japanische Kommandos und Wortfetzen klingen durch die TV-Halle. Kinder und Erwachsene zeigen Fallübungen und Wurftechniken, Griffe und Bewegungen, mit denen man einen Angreifer auf Abstand halten kann. Von Petra Grimm 

Zu Vorführungen und Mitmachtraining luden die Judo- und Ju-Jutsu-Gruppen des Babenhäuser Turnvereins ein. „Wir wollen bei diesem Aktionstag einem größeren Publikum zeigen, dass es mehr als Kampfsport ist“, sagten die Organisatoren, zu denen der Judo-Trainer Tadeusz Kurzetkowski und der Ju-Jutsu-Trainer Björn Pippert gehörten. Beide sind auch die Ansprechpartner für am Training Interessierte.

Unter den Besuchern waren viele Eltern, die die sportlichen Fortschritte ihrer Sprösslinge in Augenschein nahmen, aber auch Leute, die sich informieren und die Unterschiede der beiden Sportarten kennenlernen wollten. Gemeinsam ist, dass Fitness und Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer trainiert werden.

Pädagogischer Nutzen für die kleinen Sportler

Tadeusz Kurzetkowski, der bereits Kinder ab fünf Jahren trainiert, betonte auch den pädagogischen Nutzen für die kleinen Sportler: „Sozialverhalten, Disziplin und die Konzentrationsfähigkeit werden durch gezieltes Training gefördert.“ Rund 70 kleine und große Sportler trainieren beim TVB Judo auf verschiedenen Niveaus. „Alle Gürtelfarben und Altersgruppen sind bei uns vertreten“, sagte die Judo-Trainerin Julia Gottwald. Sowohl beim Judo als auch beim Ju-Jutsu wird Training im Bereich Breiten- und Leistungssport angeboten.

Dass es bei dem Aktionstag auch um Imagepflege geht, sagte Björn Pippert. Wer nur schnell kämpfen lernen wolle, sei an der falschen Stelle. Verschiedene Selbstverteidigungstechniken gehören natürlich beim Ju-Jutsu dazu, „aber dieser Aspekt wird mit zunehmendem Training eigentlich immer unwichtiger“. Bestimmte körperliche Voraussetzungen gibt es nicht, erklärte Pippert: „Dieser Sport ist sogar mit einem Bandscheibenvorfall geeignet. Da lässt man bestimmte Techniken, die nicht gut tun, einfach weg.“

Keine Altersgrenze nach oben gegeben

Trainingszeiten, Kontaktadressen und weitere Infos findet man auf der Homepagedes TVB, der im Bereich Kampfsport auch Kickboxen anbietet, das aus organisatorischen Gründen jetzt aber nicht präsentiert werden konnte.

Dass es nach unten oder oben kaum Altersgrenzen gibt, belegt der älteste Ju-Jutsu Teilnehmer des TVB, der 84-jährige Horst Stader aus Münster. „Ich habe zwar mit 25 Jahren schon mal ein halbes Jahr Judo gemacht, bin aber eigentlich erst mit 69 Jahren richtig eingestiegen“, erzählt er. Einige Wochen habe er Karate ausprobiert, aber Ju-Jutsu habe ihm dann besser gefallen. Dabei ist er geblieben. „Außer mal blaue Flecken habe ich keine körperlichen Probleme durch diesen Sport. Der Körper braucht ja Bewegung. Nur zuhause sitzen geht nicht“. Warum macht er nicht Nordic Walking oder ähnliches wie andere Altersgenossen? „Das wäre mir viel zu langweilig“, sagt der rüstige Senior. Seine Kampfpartner nehmen auf sein Alter auch Rücksicht, erzählt er: „Natürlich knallen mich die anderen nicht so fest auf die Matte, wie einen jüngeren.“

Auch der 41jährige Volker Gilbert aus Münster fühlt sich seit acht Jahren wohl in der Ju-Jutsu-Abteilung des TVB, die 25 Mitglieder zählt: „Dieser Sport trainiert den gesamten Körper, alle Muskelpartien. Für mich sind die zwei Stunden Training zweimal die Woche ein toller Ausgleich zu meiner Bürotätigkeit. Ich kann dabei richtig abschalten.“

Natürlich habe Ju-Jutsu auch Aspekte, die nicht jedem liegen. „Man hat viel Partnerkontakt. Wer das nicht mag, ist beim Fußball wahrscheinlich besser aufgehoben. Aber das ist ja auch okay. Die Hauptsache, man macht einen Sport, bei dem man sich wohlfühlt“, sagt Volker Gilbert.

In Unkosten stürzen muss sich niemand, der einen Kampfsport beginnen möchte. Einfach Sportkleidung reicht am Anfang völlig aus. Wer einmal reinschnuppern möchte, ist willkommen, sollte sich aber per E-Mail anmelden, bittet Björn Pippert.

Hallenbau in Babenhausen

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Quelle: op-online.de

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