Kein „Horrorszenario“ bei Betreuungszahlen

Ein Kind auf Warteliste

Babenhausen - Die Stadt mit ihren Ortsteilen wird stetig attraktiver für junge Familien – der Ansturm auf das Baugebiet Lachewiese 1, das hohe Interesse für Lachewiese 2 und die zügige Bebauung kleinerer Baugebiete in den Stadtteilen sind Belege dafür. Von Stefan Scharkopf 

Für die Stadt heißt das, dass Kita-Plätze in ausreichender Zahl bereitgestellt werden müssen. Derzeit gibt es in Babenhausen neun Kinderbetreuungseinrichtungen, vier in der Kernstadt, je eine in den fünf Ortsteilen. Die Stadtverordneten hatten im Juli 2014 festgelegt, eine Betreuungsquote von 50 Prozent im U 3-Bereich und von 100 Prozent bei Ü 3 zugrunde zu legen. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag wurde das Betreuungskonzept für 2015/16 zur Kenntnis genommen; abgestimmt musste darüber nicht werden. Derzeit haben alle Kinder einen Betreuungsplatz. Lediglich ein Kind aus Hergershausen steht auf der Warteliste. Seit August 2013 haben Eltern laut Kinderförderungsgesetz einen Rechtsanspruch darauf, dass für ihren Nachwuchs ab der Vollendung des ersten Lebensjahres ein Betreuungsplatz zur Verfügung steht.

Wie Bürgermeister Achim Knoke sagte, habe man die nötigen Kita-Plätze vor diesem Hintergrund prognostiziert und mit dem höchstmöglichen Bedarf kalkuliert, quasi ein „Worst-Case-Szenario“ entworfen. „Mit diesen hohen Zahlen weiter zu arbeiten ist in Ordnung, aber die Realität ist doch eine andere. Nicht jeder nimmt die Plätze in Anspruch. Wir müssen nicht bauen, was das Zeug hält.“ Dem pflichtete Bettina Mathes (Grüne) bei. Die „schlimmen Prognosen“ hätten sich nicht bestätigt, bei Tagesmüttern gäbe es für Drei- bis Sechsjährige sogar noch freie Plätze. Frank Bornschlegell (FWB) meinte, statistische Zahlen erwiesen sich oft als heiße Luft. Gut sei, dass der „Bauwahn“ zurückgefahren werden könnte.

Dem widersprach Günther Eckert (CDU). Die Zahlen für die kommenden Jahre hätten sich nicht geändert. Das vorliegende Betreuungskonzept sei lediglich eine Bestandsaufnahme. Er beantragte, dass die Verwaltung einen Maßnahmen- und Finanzplan für 2016 bis "18 ausarbeiten solle – unnötig aus Sicht der anderen Fraktionen. Dass derzeit nur ein Kind auf der Warteliste stehe, habe mit dem „Kita-Tourismus“ zu tun, sagte Horst Grimm (CDU). Die Mädels und Jungs müssten teils in andere Stadtteile kutschiert werden. So hätten viele nicht die Möglichkeit, mit ihren künftigen Schulkameraden zusammen zu sein. Das Betreuungskonzept weist aus, dass für 2016 rund 221 fehlende Plätze prognostiziert werden, für 2017 sogar 260 – wenn es denn so kommt; die Zahlen werden jedes Jahr neu berechnet.

Um dem entgegenzuwirken, wurden bereits, wie des Öfteren berichtet, Entscheidungen gefällt. So steht in dem städtischen Papier, dass Anfang 2016 die evangelische Kita im Sophie-Kehl-Haus zwei Gruppen aufstockt. Zu Beginn 2019 ist dann der Umzug der Kita in den Neubau geplant. Laut Parlamentsbeschluss vom Juni sollen die drei bis vier Gruppen 2,4 Millionen Euro an Baukosten nicht überschreiten. Mitte 2016 soll die Erweiterung in der Danziger Straße bezugsfertig sein, eine zusätzliche Gruppe wird entstehen. Auch in Harpertshausen könnte um zwei Gruppen erweitert werden. In Hergershausen werden Container für zwei Gruppen aufgestellt und die Planungen für einen sechsgruppigen Neubau (mind. 3,6 Millionen Euro) vorangetrieben. Parallel sind eine Wald- oder Bauernhofgruppe als Alternative oder Ergänzung im Gespräch.

Im Durchschnitt aller Kitas zahlt die Stadt Babenhausen netto rund 120.000 Euro pro Kita-Gruppe an Personal- und Betriebskosten (Zuweisungen des Landes und Elternbeiträge abgerechnet). Der Betrag hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 10.000 Euro pro Kita-Gruppe erhöht. Das liegt hauptsächlich an erhöhtem Personalaufwand durch erweiterte Öffnungszeiten, Lohntariferhöhung der Erzieherinnen und an gestiegenen Betriebskosten.

Quelle: op-online.de

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