Lehrer streiken heute

„Nullrunde“ wird nicht akzeptiert

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Babenhausen - Eine 42-Stunden-Woche und insgesamt 18 Monate lang keine Einkommenserhöhung – das wollen die hessischen Lehrer, nicht mehr länger hinnehmen. Heute wird gestreikt, und das, obwohl Beamte eigentlich kein Recht dazu haben. Von Corinna Hiss 

Auch in Babenhäuser Schulen läuft deshalb so manches anders. Besonders betroffen ist die Schule im Kirchgarten. Dort streiken so viele Lehrer, dass der Unterricht für alle ersten bis vierten Klassen komplett ausfällt. „Eine Betreuung ist selbstverständlich eingerichtet, für Eltern entsteht also kein weiterer Umstand“, heißt es von der Schulleitung auf Anfrage. In der Eduard-Flanagan-Schule mit Förderschwerpunkt Lernen treten auch einige verbeamtete Lehrkräfte in den Streik und sind bei der hessenweiten Kundgebung in Wiesbaden dabei. Für die Schüler ergibt sich daraus aber kein Nachteil: Der Unterricht findet heute normal statt. Das liege daran, dass nur die Lehrer streiken, die an diesem Tag sowieso keine Schulstunden gehalten hätten.

In der Joachim-Schumann-Schule (Offene Schule) wird das Problem anderweitig gelöst. Dort sind nur wenige Kollegen abwesend, Änderungen ergeben sich daraus ausschließlich für die fünften und sechsten Klassen. Die können aber nicht auf lockere Betreuung hoffen: Der Unterricht findet statt, indem Vertretungslehrer eingesetzt oder die Schüler in den Parallelklassen untergebracht werden.

An der Bachgauschule hat der Streik keinerlei Auswirkungen, dafür aber die letzten mündlichen Abitursprüfungen, die heute stattfinden. „Nur deshalb fällt zum Teil Unterricht aus, die Lehrer unterstützen den Abschlussjahrgang und streiken nicht“, heißt es als Begründung der Schule.

Claudia Weiland von der Schule im Kirchgarten und Manfred Nodes von der Eduard-Flanagan-Schule, beide Vertrauensleute der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), begründen in einer Stellungnahme ihre Teilnahme am Streik. „Die Lehrer im Beamtenverhältnis streiken nicht aus Jux und Tollerei. Sie werden an diesem Tag ihrer Unterrichtsverpflichtung nicht nachkommen, sondern zusammen mit den Mitgliedern anderer Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Wiesbaden vor dem Hessischen Landtag demonstrieren. Sie werden ihrem Ärger darüber Luft machen, dass das Land Hessen als Arbeitgeber ihre Gehälter nach unten drücken will. Und sie werden für einen leistungsstarken Öffentlichen Dienst in Hessen demonstrieren, ein gutes Bildungssystem und einen Sozialstaat, der diesen Namen auch verdient“, schreiben sie in einer Presseerklärung.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern herrscht für hessische Beamte nach wie vor die 42-Stunden-Woche. Die von der Landesregierung beschlossene „Nullrunde“, bei der es ab 1. Januar dieses Jahres für längere Zeit keine Gehaltssteigerung gibt, hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. „Die Wertschätzung und den Respekt vor einer verantwortungsvollen Arbeit wünschen wir uns auch von unserem Arbeitgeber, dem Land Hessen“, wenden sich Weiland und Nodes an die betroffenen Eltern.

Quelle: op-online.de

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