Neujahrsempfang in der Pfarrei St. Josef

Eine Gemeinde im Umbruch

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Pfarrer Ferdinand Winter ehrte und verabschiedete offiziell das Team der öffentlichen, katholischen Bücherei, die Ende 2014 geschlossen wurde. Er dankte (von links) Brigitte Müller, Rita Dirks, Traudel Frömmel, Inge Nadolny und Gerlinde Peters. Die Damen überreichten ihm 1100 Euro aus dem Verkauf des Büchereibestandes für die inzwischen abgeschlossene Orgelsanierung.

Babenhausen - Wohin geht die Reise bei St. Josef? Die Pfarrei will sich zukunftsfähiger machen und mit vier Schwerpunkten neu aufstellen. Von Petra Grimm

Wie in anderen Kirchengemeinden auch ist die Lage der katholischen St. Josefgemeinde ernst, aber nicht hoffnungslos. Beim Neujahrsempfang, den Amanda Haag musikalisch unterstützte, ging der Blick zurück und nach vorne. Die Gemeinde sei vom Umbruch geprägt, sagte Pfarrer Ferdinand Winter und zitierte einige Sätze aus der Neujahrsansprache des Bischofs von Essen. Danach verliere der Glaube an Gott im Leben der Menschen zunehmend an Bedeutung und wirke wie ein erstarrtes Ritual aus vergangenen Zeiten. „Was nutzen Gebäude und Strukturen, wenn keiner nach Gott fragt“, zitierte der Pfarrer und sagte: „Das trifft auch auf die Situation in unserem Bistum zu. Es sind Sätze, bei denen man schlucken muss, bei denen man deutlich spürt, was im Moment Sache ist. “ Pfarrer Winter rief dazu auf, das Einschlagen von neuen Wegen auch als Chance zu sehen und sich von den Menschen berühren zu lassen.

Er wies auf künftige Aufgaben im Bereich der Flüchtlingshilfe hin und erwähnte das im Jahr 2014 erfolgreich angelaufene „Tafelessen“ für Bedürftige. Bei diesem ökumenischen Projekt wird von Oktober bis März einmal im Monat zu einer warmen Mahlzeit eingeladen.

Positiv sind vor allem die geselligen Veranstaltungen

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Sigmar Nadolny ließ das zurückliegende Jahr Revue passieren. Und da war viel Positives in Form von geselligen Veranstaltungen, Konzerten, Ausflügen und Wallfahrten dabei. Auch die gerade wieder beendete Sternsingeraktion, die 2014 insgesamt 4 623 Euro für das Hilfswerk und in diesem Jahr sogar 4 725 Euro einbrachte, war erfolgreich.

Pfarrer Winter dankte den ehrenamtlichen Helfern bei den Veranstaltungen und im pastoralen und liturgischen Dienst und denen, die im Stillen wirken, wie beispielsweise den Austrägern des Gemeindebriefes. Auch die Messdiener hob er hervor, „die unter Gleichaltrigen mit diesem Einsatz nicht unbedingt punkten können“.

Nachdenklich stimmte der Blick, den Reinhold Gotta vom Pfarrgemeinderat auf die im Dezember 2013 unter den Gemeindemitgliedern durchgeführte und im Frühjahr 2014 ausgewertete Fragebogenaktion warf. Ziel war es, die Wünsche, Anregungen und auch Kritik der Babenhäuser Katholiken zu erfragen, denn der Gottesdienstbesuch geht immer mehr zurück und auch die Teilnahme an den Veranstaltungen lässt zu wünschen übrig. Vor allem der Nachwuchsmangel in vielen Bereichen und Gruppen zieht sich wie ein roter Faden durch die Analyse des Status Quo. Enttäuschend sei, dass von den 3 290 verschickten Fragebögen überhaupt nur 173 beantwortet zurück kamen, gerade mal 5,3 Prozent. „Das ist fast identisch mit der Zahl der Gottesdienstbesucher. Aber wir wollten eigentlich genau die anderen erreichen“, sagte Gotta und erläuterte die Pläne und Ideen, um die Gemeinde zukunftsfähiger zu machen. Dazu haben man vier Themenschwerpunkte gebildet, für die man jetzt Projektgruppen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzen wolle. Der erste Punkt bezieht sich auf die Kinder und Jugendlichen der Pfarrgemeinde, für die man Hausaufgabenbetreuung, und mehr Freizeitaktivitäten, wie Zeltlager oder auch eine Lesenacht organisieren könne.

Seniorenkreis attraktiver machen

Als Zweites gelte es den Seniorenkreis attraktiver zu machen, um auch jüngere Senioren anzusprechen. Die dritte Idee betraf die Wallfahrten, die man in Zukunft mehr im Pfarreiverbund, also gemeinsam mit den Gemeinden in Mosbach und Schaafheim/Radheim durchführen könne. Als vierten Ansatz für Veränderungen nannte Gotta die traditionellen Feste, die mit neuen Ideen belebt werden sollten. Wer in den Projektteams mitarbeiten möchte, soll sich bis 15. Februar anmelden.

Neben den Baustellen im übertragenen Sinn ging es beim Empfang auch um die im wörtlichen, nämlich die geplante Renovierung des Gemeindezentrums, der Heizung und der Betonsanierung an der Kirche. Bis Ende des Monats rechne man mit einem positiven Bescheid aus Mainz, dann sollen die Arbeiten losgehen. Wie hoch die finanzielle Unterstützung genau aussehe, wisse man noch nicht, sagte Johannes Fäth vom Verwaltungsrat. Die im vergangenen Jahr für 27 000 Euro sanierte Orgel wurde vom Orgelbeauftragten des Bistums abgenommen.

Brand in Kieswerk bei Harreshausen

Brand in Kieswerk bei Harreshausen

Ehrungen nahm der Pfarrer beim Empfang auch vor, allerdings verbunden mit offiziellen Verabschiedungen. Nachdem die öffentliche, katholische Bücherei Ende des Jahres wegen mangelnder Nachfrage für immer ihre Pforten schloss, galt es nun die langjährige, ehrenamtliche Arbeit der Frauen aus dem Büchereiteam zu würdigen.

So erhielten die Leiterin Rita Dirks, die 20 Jahre dabei war, und die frühere Leiterin Traudel Frömmel, die 26 Jahre im Team war, neben Urkunden auch eine goldene Ehrennadel. Die silberne Nadel für 18 Jahre Engagement überreichte Winter an Brigitte Müller. Gerlinde Peters und Inge Nadolny erhielten für sieben Jahre Einsatz in der Bücherei eine Urkunde. Alle Damen erhielten zudem ein Geschenk von der Pfarrgemeinde. Seit vergangenem Sommer wurde der Bestand der Bücherei verkauft. Den Erlös von 1.100 Euro übergaben die Frauen an Pfarrer Winter für die Orgelsanierung.

Quelle: op-online.de

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