Nach Mord an Ex-Freundin

Zweifel an tränenreicher Reue vor Gericht

Babenhausen/Darmstadt - Im Mai vergangenen Jahres schoss ein 54-Jähriger aus Babenhausen im Wald auf seine Ex-Freundin. Jetzt hat er im Prozess die Tat gestanden. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Im Mai vergangenen Jahres hat ein 54-jähriger Babenhäuser seine Lebensgefährtin mit drei Schüssen regelrecht hingerichtet und anschließend ins Krankenhaus gefahren. Vor der Schwurgerichtskammer zeigt er sich reumütig. Seine beiden Söhne zweifeln die Aufrichtigkeit allerdings an. Super Schauspieler oder ein zutiefst reuiger Sünder? Nach den Eindrücken des ersten Verhandlungstages vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt ist der Angeklagte in beiden Rollen vorstellbar. Dort gestand der 54-jährige Suayip C. unter Tränen den Mord an seiner langjährigen Lebensgefährtin. Am 19. Mai vergangenen Jahres hatte der Babenhäuser Imbissbudenbetreiber die 42-jährige F. mit drei Schüssen regelrecht hingerichtet. Zur Tat äußert sich C. über seinen Verteidiger. „Ich war mit ihr 25 Jahre zusammen, mal mehr, mal weniger eng. Die endgültige Trennung schafften wir trotz zweier Wohnungen nicht so richtig.“

Am Tattag habe er eine Untersuchung in einer Rüsselsheimer Klinik gehabt, zu der F. ihn begleitete. Auf der Rückfahrt habe sie ihn zu einem Gespräch über ihre Beziehung gebeten. C. hatte schon von seinem Sohn gehört, dass sie sich einen 15 Jahre jüngeren Mann angelacht hätte. Also steuert er den VW Golf in ein Waldstück zwischen Babenhausen und Zellhausen, um ihrem Gesprächswunsch nachzukommen. Was folgte, sei aber keine Unterhaltung, sondern eine wüste Schimpferei gewesen. Die Frau habe ihm vorgeworfen, eine sexuelle Niete zu sein, hässliche Worte wie „Schlappschwanz“ und Schlimmeres seien gefallen – zu allem Überfluss im gleichen Atemzug mit den Vorzügen des neuen Liebhabers. Um den für ihn unerträglichen Wortschwall zu unterbrechen, zieht C. die 7,65er Pistole unter dem Fahrersitz hervor. Er schießt einmal hinter den Sitz nach unten, dann in den Fußraum des Beifahrersitzes. Als keine Reaktion erfolgt, zielt er mit der Pistole direkt auf seine Lebensgefährtin, trifft insgesamt dreimal in Kopf und Brust. „Als mein Mandant kurze Zeit später wieder zu sich kam und realisierte, was er angerichtet hatte, raste er im Höllenritt in die Seligenstädter Klinik.“ so Anwalt Ulrich Endres. Für die Babenhäuserin kam jede Hilfe zu spät. Sie verstarb am Folgetag an den schweren Schussverletzungen.

Lesen Sie zur Tat im Mai 2014:

Mann schießt auf seine Ex

Am Ende verliest Endres regelrechte Beschwörungen: „C. würde sein Leben gegen das ihre geben. Die Tat ist ihm selbst völlig unverständlich, er hat noch nie jemandem etwas zuleide getan.“ Warum diese Sätze mit Vorsicht zu genießen sind, erklären die beiden ersten Zeugen, die 21 und 17 Jahre alten Söhne des Paares. „Es war geplant,“ sagte der Ältere, „nach der Trennung vor über einem Jahr hat er ihr nachgestellt, sie kontrolliert und verfolgt. Drohungen wie: ‘Nimm mich zurück, sonst wirst du es bereuen!’ fielen.“ Auch aus seinem Waffenbesitz habe er kein Geheimnis gemacht. „Er hat vor ihr die Pistole ausgepackt, auf sie gezielt und gleichzeitig geladen“, erinnert sich der Jüngere an die Wochen vor der Tat, „Dabei sagte er: ‘Keine Angst, ich schieße nicht – heute noch nicht!’“ Auch die angebliche Gewaltlosigkeit vor der Tat bestätigen die Söhne nicht. Sie hätten regelmäßig Prügel bezogen, C. habe die Mutter manchmal im Streit geschlagen. Die Frau habe sich allerdings nicht nur verbal gewehrt, sondern auch zurück geschlagen. Zur bitteren Reue des Angeklagten hat der ältere Sohn eine simple Erklärung parat: „Er ist ein sehr guter Schauspieler und kann auf Kommando weinen!“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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