„Rate mal, wer dran ist“

Tipps für 250 Senioren gegen Trickbetrug 

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Charlie Braun, Chef des Roßdörfer Seniorentheaters Spätlese und im früheren Leben Kriminalhauptkommissar, mimte inmitten von 250 Senioren in der Schaafheimer Kulturhalle den Schmuckbetrüger.

Schaafheim - Vor dem Einstieg ins kriminalistische Aufklärungsprogramm, das weit über den „Enkeltrick“ hinausreicht, gibt es zunächst Spaßiges und Formales. Von Klaus Holdefehr 

Das Seniorentheater Spätlese wärmt das Publikum mit der „Stinkesocke“ auf, Schaafheims Bürgermeister Reinhold Hehmann begrüßt 250 Senioren und freut sich, dass die Sparkasse Dieburg die Rechnung für Kaffee und Kuchen übernimmt. Christian Markert vom Geldinstitut und Simone Stock von der Polizei stellen ihr Kooperationsprojekt vor – dann geht´s in der Kulturhalle los.

So stehen zunächst zwei falsche Handwerker im Wohnzimmer von Frau Bergmann, sind angeblich im Auftrag der Gemeinde Schaafheim unterwegs und sollen die Haustechnik prüfen. Der Trick: Ein Handwerker lotst Frau Bergmann in den Keller, der andere packt oben die Wertsachen in den Handwerkerkoffer.

Gegensprechanlage nutzen oder Tür nur einen Spalt weit öffnen

Einsatz Simone Stock, im Polizeipräsidium Südhessen zuständig für Prävention: „Was ist hier falsch?“ Sehr schnell stellt sich heraus, dass es falsch ist, „Handwerker“ in die Wohnung oder das Haus zu lassen, die man nicht selbst bestellt und deren Auftrag man nicht überprüft hat. Also: Gegensprechanlage nutzen oder Tür mit Sicherung nur einen Spalt weit öffnen und die „Echtheit“ des Teams durch einen Anruf bei der Gemeinde prüfen.

Es gibt auch den falschen Handwerker, der solo kommt und sein Opfer unter Vorwänden zum Verlassen des Raums bewegt. Er steht später bei Frau Weber im Wohnzimmer. Der Besucher kann sich aber auch als Kriminalbeamter ausgeben, was Charlie Braun mit großem Vergnügen tut. Der Chef der Roßdörfer Truppe war in seinem früheren Leben tatsächlich Kriminalhauptkommissar, jetzt lotst er Frau Schneider auf den Balkon, während der Komplize ihre Wertsachen einsammelt. Wieder gibt Stock Verhaltenstipps, und diesmal wird deutlich, dass die Polizei selbst für mehr Sicherheit sorgen könnte: durch „seniorengerechte“ Dienstausweise. Die aktuellen sind klein wie eine Scheckkarte, für viele Senioren nur schwer zu erkennen, und wer kennt schon die eingearbeiteten Sicherheitsmerkmale? Verhaltenstipp: „Lassen Sie auch die Polizei nicht so einfach rein, vergewissern Sie sich durch einen Anruf bei der Dienststelle der Echtheit, und scheuen Sie sich nicht, im Zweifelsfall die 110 anzurufen.“

Geldbörse immer nahe am Körper tragen

Trickdiebstahl beim Einkaufen oder an der Bushaltestelle: Dagegen rät die Polizei, die Geldbörse immer nahe am Körper zu tragen und empfiehlt den Brustbeutel, allerdings nicht für die warmen Sommermonate, weil er dann zu sichtbar ist. Den „Kettentrick“ gibt’s gleich in zwei Varianten: Einmal wird als Dank für eine Notfall-Auskunft bei einer Umarmung der echte gegen billigen Modeschmuck getauscht, dann gibt Braun den durchreisenden Schmuckhändler, der sensationelle Angebote macht und bei der Anprobe den betrügerischen Tausch vornimmt. Dazu wiederum Stock: „Körperkontakt verhindern und den eigenen Schmuck nicht offen tragen“ – was nun aber ein wenig dem Sinn des Schmückens widerspricht.

Auch der Enkeltrick wird dargestellt. Im Sketch der Roßdörfer ist es eine „Enkelin“, die dringend Geld für die Anzahlung auf eine Eigentumswohnung braucht und die Oma dazu bewegt, ganz kurzfristig 30 000 Euro Erspartes von der Bank zu holen und einem fremden Abholer auszuhändigen, weil „Enkelin“ Tina ja so viel mit dem Studium zu tun hat. Solche Telefongespräche fangen eigentlich immer mit der Frage an: „Weißt du, wer dran ist?“, „denn die Trickbetrüger kennen ja die Namen aus der Verwandtschaft nicht“, erklärt Stock. Und sie suchen sich aus dem Telefonbuch Menschen mit „altertümlich“ klingenden Vornamen aus. „Deshalb schafft es mehr Sicherheit, den Eintrag ändern und den Vornamen mit dem ersten Buchstaben abkürzen zu lassen“, rät die Präventions-Fachfrau.

Bargeldlose Überweisung

Dann darf Markert das Kooperations-Projekt vorstellen. Es ist aus Erfahrungen von Bankmitarbeitern entstanden, die sich über Kunden im Seniorenalter wunderten, die plötzlich ganz schnell größere Geldbeträge abheben wollten und keine Nachfrage zuließen – auch unter Berufung auf ihre Autonomie: „Das geht Sie gar nix an!“ Die Sparkassen-Mitarbeiter können in solchen Situationen nun auf einen kurzen Fragebogen zurückgreifen, der mit vier Fragen den Verdacht des „Enkeltricks“ überprüft und Rücksprache mit einer Person des Vertrauens empfiehlt. Markert wiederum empfiehlt grundsätzlich den Weg der bargeldlosen Überweisung, mit der die Trickbetrüger wenig anfangen können. Auch der Verweis auf die Dringlichkeit greife nicht, „denn wir können dafür sorgen, dass das Geld noch am selben Tag auf dem anderen Konto ist“.

In allen Filialen der Sparkasse Dieburg sind Fragebögen verfügbar, die zum Einsatz kommen, wenn Senioren plötzlich und eilig größere Geldbeträge abheben wollen und der Verdacht besteht, dass der Kunde dem „Enkeltrick“ aufgesessen ist. Auch andere Geldinstitute haben entsprechend geschulte Mitarbeiter.

Schlummertrunk: Heißer Milch orientalischen Touch geben

Quelle: op-online.de

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