Bahnhaltepunkt Sickenhofen

Fast unendliche Geschichte

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Blick vom Sickenhöfer Bahnübergang Richtung Hergershausen. Auf dem Brachgelände im Bild rechts müsste der Bahnsteig für die Züge Richtung Darmstadt entstehen. Doch bevor dies Realität wird, sind noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen.

Sickenhofen - Seit langen Jahren warten die Sickenhöfer auf einen eigenen Bahnhaltepunkt. Kommt durch schnellere Züge jetzt auch Bewegung in die Planung? Von Walter Kutscher 

Ab 2018 werden auf der Bahnstrecke Aschaffenburg – Babenhausen – Dieburg nach Darmstadt flottere Züge die heutigen Regionalbahnen der DB ablösen. Nach Auskunft des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) betreibt die Hessische Landesbahn nach europaweiter Ausschreibung diese Linie. Mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 160 km/h wäre es dann auch möglich – so eine Forderung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) – in Sickenhofen einen Bahnhaltepunkt einzurichten und trotzdem das Anschlussgefüge in den Bahnhöfen Aschaffenburg und Darmstadt beibehalten zu können.

Nun ist der Wunsch nach einem Zughalt in Sickenhofen nicht neu und beschäftigt bereits über Jahrzehnte hinweg immer wieder lokale Gremien. Doch sind schnellere Züge nicht alleine die Lösung, sondern es müssen auch die Rahmenbedingungen für einen Haltepunkt in Sickenhofen geschaffen werden. Schaut man auf die Webseite der verantwortlichen Stelle bei der Bahn-Konzerntochter DB Netz sind hier zurzeit noch keine Planungen für den Ausbau der Strecke Darmstadt – Aschaffenburg eingetragen. Wenn nun wirklich in drei Jahren hier 160 km/h schnelle Züge eingesetzt werden, sollten die Arbeiten zur Anpassung der Infrastruktur bald beginnen. Nicht nur die im Schotterbett verlegten Schwellen und Gleise müssen diese Geschwindigkeit zulassen (heute sind maximal 140 km/h erlaubt), auch eine Anpassung aller Bahnübergangsschaltungen ist vonnöten, damit die Schranken auch bei schnelleren Zügen rechtzeitig schließen. Weiterhin müssen Bahnsteige gebaut werden.

Das notwendige Gelände dafür wurde bereits im Bebauungsplan „Östlicher Ortsrand Sickenhofen“ 1999 von der Stadt Babenhausen berücksichtigt und es sind Flächen dafür vorgesehen. Betrachtet man die Situation vor Ort, so sind neben der Errichtung der Bahnsteige auch weitere Bauarbeiten nötig. Die Fahrleitungsmasten der Bahn stehen heute in Nähe der Gleise, so dass bei einem Bahnsteig mit 170 Metern Länge und drei Metern Breite diese mitten darin aufragen würden; eine Versetzung dieser Masten ist dann wohl unumgänglich. Auch die Zugänge zu den Bahnsteigen müssen analog der Lage in Hergershausen barrierefrei sein und an die Bürgersteige rechts und links des Bahnübergangs angeschlossen werden. Weitere Arbeiten sind für Parkplätze, Kanalisation, Beleuchtung, Fahrradabstellmöglichkeiten, Wetterschutz und Informationstafeln notwendig.

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

Vergleicht man die Fahrzeiten der Züge zwischen Babenhausen und Darmstadt, so sind in den letzten 60 Jahren keine gravierenden Verbesserungen zu verzeichnen. Im Jahre 1955 wurden mit der Dampflokomotive nur sieben Minuten mehr benötigt, als es heute der Fall ist. Die unten abgebildete Grafik zeigt einen entsprechenden Fahrzeitenvergleich der Jahre 1955, 1985 und 2015.

Wie der ehemalige Ortsvorsteher Helmut Mahr mitteilt, beauftragten die Stadtverordneten bereits 1996 den Magistrat, mit dem RMV und der Dadina Verhandlungen führen, da man davon ausging, dass die Bahn ab Ende 2008 schnellere und modernere Triebwagen auf der Strecke einsetzen würde. Der Grund dafür war, dass mit der Bahnreform im Jahre 1993 die Bundesländer für den Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf Schiene und Straße verantwortlich wurden. Demnach erfolgen Ausschreibungen nach EU-Normen im Intervall von zehn Jahren, wo potenziellen Betreibern von Schienenstrecken vorgegeben wird, wie der Betrieb gestaltet werden muss. Dazu gehören auch Richtlinien, wie die Fahrzeuge ausgerüstet sein müssen, etwa Angaben zur Höchstgeschwindigkeiten, Klimaanlagen und anderen Ausstattungsmerkmalen.

Nun darf man gespannt sein, ob in drei Jahren solche Züge auf der Strecke unterwegs sind und ob Sickenhofen 160 Jahre nach Eröffnung der Bahnlinie am 25. Dezember 1858 endlich einen Haltepunkt bekommt.

Quelle: op-online.de

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