Deutsche Bahn vertröstet Stadt

Bahnhof noch längst nicht barrierefrei

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Fahrräder, schwere Koffer, Kinderwagen oder Rollatoren – sie alle müssen am Babenhäuser Bahnhof noch die Treppe hoch- und runter getragen werden.

Babenhausen - Mit voll gepacktem Koffer zum Flughafen, mit Baby im Kinderwagen zur Verwandtschaft oder mit dem Fahrrad zur nächsten Tour: Solche Pläne sind am Babenhäuser Bahnhof mit Stress und Kraft verbunden. Denn die Aufzüge zu den Gleisen sind immer noch nicht in Betrieb. Von Corinna Hiss

„Ich verfolge den Bau jetzt mittlerweile seit einem halben Jahr“, sagt Jesko Schwarzer, als er leicht genervt seinen schweren Koffer die zahlreichen Stufen bis hoch zum Gleis schleppt. Der gebürtige Bonner arbeitet in Babenhausen und pendelt einmal pro Woche in die rheinische Heimat. Jedes Mal, wenn er wieder mit seinem Gepäckstück zum Bahnhof fährt, hofft er, dass er diesmal bequem per Knopfdruck zum Zug gebracht wird. Stattdessen blickt er auf neu glänzende Aufzüge, die nach wie vor versperrt sind.

Als der Spatenstich für die Modernisierung des Babenhäuser Bahnhofs im Dezember 2013 erfolgte, war klares Ziel, den Haltepunkt barrierefrei zu gestalten. „Das Ein-, Aus- oder Umsteigen ist sehr unbequem“, sagte die damals amtierende Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Auch wenn seitdem viel verändert wurde, trifft diese Aussage nach wie vor zu. „Für uns ist das sehr ärgerlich“, bestätigt Katharina Freckmann vom städtischen Bauamt auf Anfrage. Denn: Ursprünglich war angedacht, dass die zwei Aufzüge Mitte September in Betrieb genommen werden können. So steht es auch in großen Lettern auf der Infotafel der Deutschen Bahn, die den Zugreisenden ins Auge fällt, wenn sie sich der Unterführung nähern.

Weshalb sich alles verzögert, kann Freckmann nicht sagen. Seit Wochen bereits steht das Gehäuse, auch die notwendige Technik ist installiert. Was fehlt, ist die offizielle Abnahme von Seiten der Bahn. „Da werden wir immer wieder vertröstet“, sagt sie. So müssen Ausflügler ihre Fahrräder nach wie vor die Treppe hoch- oder runter tragen, ebenso schwierig ist es mit schweren Koffern oder Kinderwagen. Ältere Damen und Herren übergeben ihre Rollatoren meist hilfsbereiten Mitreisenden, während sie sich auf der Treppe ans Geländer klammern. Dabei hat sich natürlich in der Umbauphase einiges in Sachen Barrierefreiheit getan: Relativ schnell waren die Bahnsteige erhöht worden, um ein ebenes Ein- und Aussteigen in die Züge zu ermöglichen. Wer es also bis zum Gleis schaffte, konnte sich auf einen bequemen Zustieg freuen.

Bilder: Bahnhof des Jahres 2015 in Marburg

Bis zum Schluss der Sanierung scheint sich nun aber der letzte Schritt, die Inbetriebnahme der Aufzüge, hinzuziehen. „Der ursprüngliche Sinn der Bahnhofserneuerung war ja die Barrierefreiheit, und darauf müssen wir immer noch warten“, so Freckmann. Oft melden sich empörte Anrufer bei der Verwaltung, denen immer wieder gesagt werden muss, dass nicht die Stadt, sondern die Deutsche Bahn für die Verzögerung verantwortlich ist. Denn mit dieser Maßnahme sollte der Haltepunkt unter anderem noch attraktiver gestaltet werden.

Viele der Zugreisenden sind Pendler, die das öffentliche Verkehrsmittel täglich nutzen. Aber der barrierefreie Aufzug würde auch den Tourismus in der Gersprenzstadt positiv beeinflussen. „Radtouren von Babenhausen zu starten ist nach wie vor keine gute Idee“, bedauert die Expertin. In solchen Fällen empfiehlt sie dann eher den ebenerdigen Bahnhof in Hergershausen. Ganz anders sieht es hingegen mit der neu gebauten Park-and-Ride-Anlage aus. „Sie ist immer voll ausgelastet und zieht mehr und mehr Pendler an“, freut sich Freckmann. Da sich die Tarifgrenze der Bahn zwischen Stockstadt und Babenhausen befindet, fahren immer mehr Menschen mit dem Auto in die Gersprenzstadt, um von dort aus weiter mit dem Zug zu fahren.

Trotz der Verzögerung bei den Aufzügen rechnet Freckmann nicht mit einem verspäteten Abschluss der Arbeiten am Bahnhof. Geplant ist, bis Ende des Jahres fertig zu sein, „aber es ist noch einiges zu tun.“ Dazu zählt die neue Verkleidung an den Wänden der Unterführung. Mitte nächstes Jahr soll dann – wenn die Fördermittel genehmigt werden – die Park-and-Ride-Anlage an der Aschaffenburger Straße gebaut werden.

Quelle: op-online.de

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