Mit Battys Sensoren durch Bahnhof

+
Student Arif Basaran setzt einem Langstädter Grundschüler den Helm „Batty“ auf. Auch Biologe Dirk Alexander Diehl (links im Hintergrund) machte sich ein Bild von der Jagd à la Fledermaus.

Langstadt - Nur wenige Säugetiere können fliegen. Die Fledermaus ist dazu in der Lage - und steht darüber hinaus für eine andere recht seltene Fähigkeit: Sie jagt dank ihres Echo-Ortungssystems erfolgreich in der Dunkelheit und ist dabei nicht auf ihre Augen angewiesen. Von Jens Dörr 

Pech für die Insekten, die auf dem Speiseplan der „Flattermäuse“, bemüht man den Ursprung ihres deutschen Namens, ganz oben stehen. Im Langstädter Bahnhof blieben jetzt alle auf dem Boden - und gingen auf zwei Beinen dennoch auf Beutezug à la Microchiroptera.

Im Frühjahr gründeten einige Enthusiasten aus dem Babenhäuser Stadtteil und der näheren Umgebung den Verein „Netzwerk Bahnhof Langstadt“, mit dem sie seither auf einen künftigen, regelmäßigen Kultur- und Bürobetrieb in der zuvor lange ungenutzten und verfallenen Immobilie hinarbeiten. Erste Akzente setzten die inzwischen mehr als 40 Mitglieder bereits mit einem Bahnhofsfest und zwei Theateraufführungen. Mit Blick auf die Umbau- und Modernisierungsschritte tauschen sie sich dabei mit dem Groß-Umstädter Bauunternehmer Hans Goll aus, dem Grundstück und Gebäude gehören. Während trotz einiger erster Verbesserungen die großen Baumaßnahmen noch anstehen und der Verein von Beginn an betonte, nichts krampfhaft vom Zaun zu brechen und sich Zeit zu geben, belebte nun ein außergewöhnliches Projekt zwei Tage lang den Bahnhof, wie es in der jetzigen Ruine wohl sogar besser möglich ist als im sanierten Zustand. Denn für die Fledermaus-Navigation „Batty“, die in Nadine Mlakar, Ruven Sprenger, Arif Basaran und Norman Flauaus vier Studenten des Studiengangs Interactive Media Design am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt entwickelt haben, ist die große Dunkelheit, wie sie im Langstädter Bahnhof noch zu finden ist, von großem Vorteil.

Unter der Anleitung der Professoren Claudia Söller-Eckert und Frank Gabler - und in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (Nabu), vertreten durch den Langstädter Biologen und Vorsitzenden Dirk Alexander Diehl - entwickelten sie einen speziellen Helm, der die Jagd der Fledermäuse auch dem Menschen plausibel machen kann. Der Spieler muss in einem Raum voller Hindernisse dabei bestimmte Aufgaben erledigen - ohne dabei etwas zu sehen, in vollkommener Dunkelheit. Der Helm ist mit Ultraschallsensoren, Kopfhörern und Mikrofon ausgestattet. Das Spielfeld - in diesem Fall ein dunkler Raum im Erdgeschoss des Langstädter Bahnhofs - ist zudem mit einer Klangkulisse ausgestattet, wie sie im Jagdraum einer Fledermaus zu finden ist.

Die 10 tierischsten Passagiere

Ratte an Bord! Die 10 tierischsten Flugpassagiere

Jener, der sich den „Batty“ („Bat“ ist der englische Begriff für Fledermaus) betitelten Helm aufsetzt, muss sich also ganz auf die Ultraschallortung verlassen, um sein nächstes Ziel zu erreichen. Den Ultraschallsensor kann er per Schnalzen mit der Zunge aktivieren. Daraufhin erhält er ein akustisches Feedback, wie es auch die Fledermaus - in wesentlicher höherer Geschwindigkeit und Abfolge - erhält, und kann sich durch das Echosignal orientieren. Davon machten als erste Tester auch einige Langstädter Grundschüler Gebrauch. Deren Praxisversuch bewies: Der Helm der Zweitsemester funktioniert. Schon nach kurzer Eingewöhnung lösten die Schüler immer wieder aufs Neue die klangliche Rückmeldung aus und bewegten sich damit im Raum voran. Das beobachteten aus dem hellen Eingangsbereich auch die Mitschüler auf einer Videoleinwand. Nebenan durften derweil wieder die Augen gebraucht werden: Dort informierten Nabu und der Fledermausschutz Südhessen mit einigen Plakaten über die faszinierende Art.

Quelle: op-online.de

Kommentare