Mittagstisch der evangelischen Gemeinde Hergershausen

Gemeinsam statt einsam

Hergershausen - Einmal im Monat zieht der Geruch von gebratenem Fleisch und Gemüse durch das Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Hergershausen. Dann wird für Alleinstehende aufgetischt. Von Petra Grimm 

„Der Herd ist nur so groß wie in einer normalen Küche, in der für eine Familie gekocht wird“, sagt Doris Berz, während Elfriede Grigsby mehrere Bleche mit Zwiebelschnitzeln in dampfender Sahnesoße aus dem Backofen zieht. Die Kartoffeln werden abgeschüttet. Jetzt muss es schnell gehen. Im Ideal haben alle Gäste im angrenzenden Saal fast gleichzeitig ihre gefüllten Teller vor sich. Sonst ist das Schnitzel bei einigen schon kalt, ehe die letzten ihres haben. Denn mit dem Essen begonnen wird gemeinsam nach einem Tischgebet.

Die Küche im Gemeindehaus neben der Dorfkirche ist ist keine Großküche. Die Mitglieder des kochenden Teams, zu dem neben Grigsby und Berz seit zwei Jahren auch Yvonne Herget gehört, stehen sich beinahe gegenseitig auf den Füßen. Aber sie wirken trotz der räumlichen Enge ganz entspannt und sind mit Humor bei der guten Sache.

Der gemeinsame Mittagstisch für Alleinstehende ist seit 22 Jahren eine feste Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde im Stadtteil. Mit 27 Stammgästen ist die Resonanz sehr gut und sprengt inzwischen fast die räumlichen Kapazitäten der kleinen Küche.

Für den Fahrdienst, die Tischdekoration und das Auftragen der Gerichte ist Wilfried Happel im Einsatz. Der engagierte Senior hat im Jahr 1994 gemeinsam mit Elfriede Grigsby und seiner Ehefrau Erika Happel den Mittagstisch für Alleinstehende ins Leben gerufen. „Die Idee kam damals aus dem Kirchenvorstand, dem ich auch angehört habe“, erinnert er sich. Als seine Frau erkrankte, stieß ein Jahr später dann Doris Berz zum Team, um es zu unterstützen. Und mit dem Einzug ihrer Kochkünste veränderte sich das Konzept ein bisschen, wie Grigsby erzählt: „Ganz am Anfang, bevor die Doris dabei war, haben wir das fertig zubereitete Fleisch immer von einem Metzger oder Partyservice bringen lassen und nur die Beilagen, also meistens Kartoffeln, Gemüse oder Salat selbst gemacht. Aber seit sie mitmacht, kochen wir alles selbst.“

Serviert wird traditionelle deutsche Küche und in einem Jahreszyklus wiederhole sich kein Gericht, betonen die ehrenamtlichen Köchinnen. Ein Nachtisch gehört immer dazu. Und für die fünf Euro, die die Gäste pro Mahlzeit zahlen, erhalten sie außerdem noch Getränke und einen Kaffee. Da von dem Geld in der Regel was übrig bleibt, wird an Ostern und zu Weihnachten die Kasse geleert und an alle ein kleines Geschenk verteilt. Da kann man nicht meckern und das macht auch keiner. Im Gegenteil. Alle sind voll des Lobes für die Küche und schätzen die Geselligkeit.

Im lichtdurchfluteten Saal sind die einzelnen Tische zu einer großen Tafel zusammengeschoben. Jeder kann jedem ins Gesicht schauen, man ist einander zugewandt. „Ich bin seit drei Jahren dabei und komme vor allem wegen der Gesellschaft und weil die Doris so gut kocht. Hier ist einfach immer eine schöne Atmosphäre“, sagt die 83-jährige Irmgard Hoffmann. Für die gleichaltrige Nanni Klingenberger ist es gerade im Alter und wenn man alleine lebt „wichtig, einmal raus zu kommen.“ Termine, wie dieser oder auch ihre Gymnastikstunden beim TVH, strukturieren den Tag und das sei gut. Sie ist erst vor acht Jahren nach Hergershausen gezogen und hat beim gemeinsamen Mittagstisch neue Leute kennen gelernt. „Hier kommen zu den alteingesessenen Hegershäusern auch Neubürger dazu“, wie Helga Billing sagt.

Angefangen habe man mit 15 Gästen. Inzwischen stehen 27 auf der Liste und die kommen als Stammgäste jeden Monat. „Wenn jemand verhindert ist, muss er absagen. Denn wir müssen ja wissen, für wie viele Leute wir kochen“, so Grigsby, die sich wie die anderen im Team freut, dass das Angebot so gut angenommen wird. Was die Organisatoren allerdings ein bisschen wundert ist, dass derzeit nur Frauen kommen. Das sei nicht immer so gewesen. Einige der älteren, allein stehenden Männer habe man auch schon angesprochen, vergebens: „Sie sagen, ich kann mir doch noch selbst kochen“.

Das ist für die Frauen, die zum Essen kommen, kein Gegenargument. Sie sind alle gestandene Hausfrauen und haben ihr Leben lang für ihre Familien unzählige Mahlzeiten zubereitet. Sie kommen, weil sie so einmal im Monat nicht für sich allein kochen müssen und es einfach mehr Spaß macht, in geselliger Rund zu essen.

Quelle: op-online.de

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