Babenhausens größter Arbeitgeber auf Suche nach Azubis

Continental geht in die Offensive

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Ausbildungsbetrieb Continental: Azubi Niklas Klein bedient bereits versiert die Universalfräsmaschine (rechts Chefausbilder Wolfgang Michel).

Babenhausen - Der seit Langem prognostizierte Fachkräftemangel spitzt sich angesichts der Ausbildungssituation in der südhessischen Metall- und Elektroindustrie zu. Von Ursula Friedrich 

174 Ausbildungsplätze sind, so die jüngsten Zahlen des Verbands der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen in Südhessen noch zu vergeben. Das heißt: 21 Prozent der insgesamt 449 hessischen Ausbildungsstellen für den Sommer 2016 sind noch frei. „Ich habe mich an einem Tag der offenen Tür über eine Ausbildung bei Continental informiert“, erzählt Niklas Klein (19). In seinem ersten Ausbildungsjahr ist der junge Mann überglücklich. Die Erwartungen in den Beruf sind stimmig, die Ausbildung fundiert, die Atmosphäre gut. Und: Wer hier lernt, hat beste Chancen, später übernommen zu werden.

Für das neue Ausbildungsjahr ab September 2016 hat Babenhausens größter Arbeitgeber Continental erst einen Teil seiner Lehrlinge und Studenten unter Vertrag. Von 23 Ausbildungsplätzen und acht Plätzen für das Duale Studium sind etwa die Hälfte vergeben. Angesichts sinkender Schülerzahlen geht das Unternehmen seit einigen Jahren in die Offensive, um junge Menschen für einen technischen Beruf zu begeistern. „Wir bilden in vielen relativ unbekannten Berufen aus, da ist es schwer, Bewerber zu finden“, erklärt Ausbildungsleiter Wolfgang Michel.

Um Nachwuchs zu finden, arbeitet der Konzern eng mit der Offenen Schule in Babenhausen (Zukunftswerkstatt) zusammen und präsentiert sich auch heute bei der 18. Job-Info-Börse der Gesamtschule, arbeitet des Weiteren auch mit der Eichwaldschule in Schaafheim zusammen. Anlässlich Job-Infotagen an Schulen in mehreren Landkreisen, Ausbildungsbörsen und -messen stellt Wolfgang Michel die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten seines Unternehmens vor: „Macht man das nicht, kriegt man allmählich Probleme.“ Der Zugang zum Lehrvertrag kann bereits mit einem ordentlichen Hauptschulabschluss geebnet werden. Michel: „Die Mathe-Note muss stimmen.“

Man möchte ernten, was man gesäht hat. Um mit qualifizierten Kräften die Unternehmenszukunft zu gestalten – derzeit wird der Bereich Entwicklung in Babenhausen weiter ausgebaut –, geht man neue Wege. Seit rund drei Jahren hat sich das Blatt gewendet, so Michel, offensive Werbung um junge Menschen ist angesagt. Auch Studienabbrecher finden häufig den Weg in einen technischen Ausbildungsberuf, der, ganz nebenbei, bereits in den Lehrjahren attraktive Löhne bietet (z.B. Mechatroniker 998 Euro). Der starke Zustrom junger Flüchtlinge nach Deutschland wird in der Metallindustrie als Chance begriffen. „Wir haben fünf sogenannte Einstiegsqualifizierungen für Flüchtlinge reserviert“, so Michel, „nach einem Jahr mündet dies im Idealfall in einen Ausbildungsvertrag.“ Bislang gibt es drei Bewerber, junge Menschen, die aus Afghanistan und dem Sudan nach Deutschland kamen, würden gerne bei Continental eine Ausbildung machen. Erste Gespräche stehen auf der Agenda des Ausbildungsleiters, die die Zuwanderung junger Menschen aus dem Ausland positiv sieht. So könnte der demografische Wandel in Deutschland abgepuffert werden.

Quelle: op-online.de

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