Bummelgass’ in Babenhausen

„Mix ist ansprechend“

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Soll attraktiver werden: die Bummelgass’ in Babenhausen.

Babenhausen - Das Phänomen ist nicht ungewöhnlich, das Problem nicht hausgemacht: Kleine Geschäftsflächen in der Innenstadt stehen leer, während an der Peripherie vor den großen Läden die Kundenparkplätze voll stehen – so auch in der Kernstadt. Von Ursula Friedrich

„In vielen Orten sind die Märkte auf der grünen Wiese voll, im Zentrum steht Ladenfläche für den Einzelhandel leer“, so Sylvia Kloetzel vom Stadtmarketing. Noch schlimmer: Manch ein Verbraucher verlässt nicht mal mehr das Haus zum Shoppen, sondern bestellt Waren, vom T-Shirt bis zur Kopfschmerztablette, per Internet. Seit Langem bemüht sich die Stadt im Schulterschluss mit dem Gewerbeverein, das Zentrum, insbesondere die Bummelgass’ zu beleben. Auch am Unternehmerstammtisch, der im vierwöchigen Turnus tagt, ist der innerstädtische Ladenleerstand ein stets wiederkehrendes Thema. „Es tut sich was (in der Bummelgass´)“, griff nun jüngst Bürgermeister Achim Knoke den Slogan des Gewerbevereins auf. Zwei leer stehende Immobilien im historischen Herz der Gersprenzstadt werden demnächst neu eröffnet. Im ehemaligen Café Buchinger macht ein Asia-Imbiss auf und vis-à-vis der Stadtkirche wird in der Fahrstraße 24 bereits am Samstag, 5. März, das Damenbekleidungsgeschäft „Sitas Moden“ eingeweiht.

Um die Innenstadt zu beleben, arbeitet das Stadtmarketing eng mit Gewerbetreibenden und -verein, aber auch lokalen Künstlern zusammen. Mit Ausstellungen im Rathaus am Marktplatz versucht man ebenso Publikum anzulocken, wie mit Kunstausstellungen in sonst gähnend leeren Schaufensterfassaden. Eigentlich, so Wirtschaftsförderin Kloetzel, sei der Branchenmix in der Bummelgass’ sehr ansprechend: Stadtbücherei, Friseur, Gastronomie, Fotostudio, Schreibwarenladen, Schuhgeschäft und Juwelier, Apotheke, Physiotherapeut haben sich angesiedelt, donnerstags bietet der Wochenmarkt auf dem Rathausplatz Frisches und Gesundes bis in die späten Abendstunden.

Um im Einzelhandel überlebensfähig zu sein, muss man sich gegen die große Konkurrenz durchsetzen: „Freundlichkeit, Kompetenz und gute Beratung funktionieren, auch der Mut, mal etwas anders zu machen“, so Kloetzel – und gute Ideen, wie das Naschcafé, das vor rund einem Jahr eröffnete und ein Eldorado süßer Gaumenfreuden und Kaffeegenüsse ist. „Momentan haben wir gute Geschäfte in der Bummelgass’“, meint auch Helmut Fendt, der mit seiner Ehefrau Angelika einen Vergnügungsbetrieb betreibt, aktiv im Gewerbeverein sowie diversen weiteren Vereinen ist. Er hob (unter anderem) 1992 den Ostermarkt aus der Taufe, der inzwischen ein erfolgreiches Kooperationsmodell von Stadt und Einzelhandel, Gewerbeverein und Hobbykunst ist. Und am 19. und 20. März zum 25. Mal veranstaltet wird.

Innerstädtische Ladenleerstände beträfen sogar größere Städte wie Aschaffenburg, so Fendt, „als Einzelhändler brauchst du eine gute Idee, die passt, und das Durchhaltevermögen, eine Durststrecke zu überwinden.“ Ideen hat auch der Gewerbeverein um die Vorsitzende Silke Kasamas, der vor zwei Jahren die Nacht der Lichter, ein Mix aus Kultur und Late-Night-Shopping aus der Taufe hob. Trotz dieses Erfolgsmodells bleibt die dauerhafte Belebung der Bummelgass’ im Babenhäuser Alltag eine große Aufgabe. Das Planungsbüro Früchtenicht siedelt hier vom tristen Hinterhaus nach Dieburg in die Zuckerstraße um, wo definitiv „mehr los ist“, so zwei Mitarbeiterinnen. Cafés, wo man tagsüber gemütlich draußen sitzen kann, schlagen sie zur Belebung Babenhausens vor, und raten an: „Der Verkehr muss raus, wir brauchen eine echte Fußgängerzone.“ Trotz Rückschlägen, Internetkonkurrenz und zu wenig Publikumsverkehr gibt es ausgesprochene Erfolgsgeschichten. Das Dessousgeschäft von Kati Mehler feiert Ende April dritten Geburtstag. Mit viel Herzblut hat sich die Radheimerin um Kunden bemüht. Herzlichkeit, Gastfreundschaft (Kaffee, Wasser, Sekt und Sofa), Zeit (auch Mittwochnachmittag ist geöffnet), Aktionen und Lesungen haben ihr einen schönen Kundenstamm beschert. „Ich bereue keine Sekunde, dass ich hier bin“, so die Radheimerin, die sich selbstständig machen wollte, und einen Laden suchte. Gefunden hatte sie ihn allerdings nicht beim Stadtbummel, sondern via Immobilienscout im Internet.

Quelle: op-online.de

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