Zweckverband Gruppenwasserwerk pumpt Millionen Euro ins Leitungsnetz

Hahn auf, Geld marsch!

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ZVG-Chef Dietmar Birkenfeld vor der Filterhalle des Wasserwerks in Hergershausen, das etwa 130 000 Menschen versorgt.  

Babenhausen - Qualität, Verfügbarkeit und ausreichender Druck: Der Zweckverband Gruppenwasserwerk (ZVG) Dieburg versorgt rund 130 000 Menschen im Kreis mit Wasser. Von Sarah Neder

In diesem Jahr investiert der Dienstleister mehrere Millionen Euro, um das Versorgungsnetz zu pflegen, es auszubauen und Wasserqualität zu prüfen. Betriebsleiter Dietmar Birkenfeld über unverwässerte Zahlen und wieso Wassersparen nicht immer Geldsparen bedeutet.

Alle Zeichen stehen auf Wasser: Eine wellenförmige Wandlampe spendet im Treppenaufgang des Verwaltungsgebäudes Licht. Im ersten Stock wartet eine Edelstahl-Zapfsäule mit eigenem Produkt auf durstige Passanten. Der kaufmännische Betriebsleiter des Zweckverbands Gruppenwasserwerk, Dietmar Birkenfeld, trägt dunkelblaue Jeans zum hellblauen Hemd, darüber ein dunkelblaues Sakko: Blau auf Blau auf Blau. Für ihn ist Wasser „das beste Produkt der Welt“. „Es ist das Lebensmittel Nummer eins. Wasser wird immer gebraucht“, sagt Birkenfeld schwärmend. Den Stoff des Lebens liefert sein Unternehmen zum monatlichen Grundpreis von 6,90 Euro für den ersten Kubikmeter. Jeder weitere kostet 1,68 Euro. Dafür bekämen Kunden ein „bedenkenlos trinkbares“ Produkt, „von hervorragender Qualität, mit niedrigen Nitratwerten“, so Birkenfeld.

Verbreitungsgebiet wächst ständig

Das Verbreitungsgebiet des Verbands ist groß und wächst stetig. Von Hergershausen versorgt er über Dieburg und Babenhausen hinaus den nordöstlichen Landkreis, beliefert auch Rödermark und Rodgau. Im vergangenen Jahr kamen die Gemeinden Otzberg und Messel dazu. Doch 2015 plane der ZVG vorerst keinen Gebietszuwachs, denn „sonst kommen wir personalmäßig an unsere Grenzen“, sagt Birkenfeld.

Schon jetzt ist das Leitungsnetz 1000 Kilometer lang. Eine Strecke, weiter als von München bis Kopenhagen. Durch die Rohre fließen jährlich etwa 6,5 Millionen Kubikmeter Wasser, das ist etwa 33 Mal der Inhalt des Schwimmerbeckens im Dieburger Freibad. Diese Massen gewinnt der ZVG aus rund 30 Brunnen, die meisten davon zwischen Epperts- und Hergershausen und der Mosbach-Quelle in Schaafheim. Etwa 80 Mitarbeiter hat das Gruppenwasserwerk im Moment, bei weiterem Wachstum des Verbreitungsgebiets müsse man auch über mehr Personal nachdenken, so der ZVG-Chef.

Doch 2015 investiert der Wasserlieferant zunächst ins bestehende System. Ein Großteil der insgesamt 4,16 Millionen Euro schüttet der Zweckverband ins Reparatur- und Sanierungsbecken. „Wir wollen die Rohrnetzerneuerungsquote von 1,5 Prozent erfüllen“, sagt Birkenfeld. Umgerechnet sind das 15 Kilometer Leitung, die der ZVG 2015 sanieren muss.

Der Betriebsleiter zeigt auf ein buntes Tortendiagramm. Dort sind die Anteile der Leitungen nach Materialien aufgegliedert. „Früher verlegte man Rohre aus Stahl oder Asbest-Zement. Diese Altlasten wollen wir mit neuen Polyethylen-Leitungen ersetzen“, erklärt er und deutet auf ein schmales Kuchenstück, das den Teil der Rohre mit dem neuesten Material repräsentiert.

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Die Gebühren der Verbraucher fließen außerdem in Verlegungen und Kanalerneuerungen bei Straßenausbau oder Neubaugebieten. So zahlt der Zweckverband in diesem Jahr allein 2,3 Millionen Euro fürs Leitungsnetz.

Ein weiterer Löwenanteil von knapp einer Million Euro kommt dem neuen, gegen Mitte des Jahres beziehbaren Verwaltungsgebäude und Modernisierungen etwa der Software zu Gute. Den drittgrößten Betrag investiert der ZVG in die Überwachung des sogenannten Rohwassers. Dafür unternimmt der Betrieb Probebohrungen, um zu prüfen, wo in Zukunft neue Brunnen entstehen können.

Chef Birkenfeld erläutert den Grund für diese großzügigen Subventionen: „Wasser ist ein Privileg unserer Gesellschaft, das es zu sichern gilt.“ In Deutschland gebe es zwar Wasser im Überfluss, aber in anderen Ländern Europas, etwa in Spanien oder Portugal, sei das nicht so.

Deshalb bei uns knausrig mit dem Rohstoff umzugehen, hält Birkenfeld nicht immer für eine gute Idee. Natürlich sollen die Bürger mit Wasser nicht verschwenderisch umgehen. Aber bei zu geringem Verbrauch müsse der Zweckverband die Rohre spülen, was wiederum hohe Kosten verursache, die auf die Wassergebühren zurückfallen können.

Quelle: op-online.de

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