Eiskalt oder emotional?

Doku „Unschuldig hinter Gittern“ behandelt den Fall Darsow

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Andreas Darsow während der Dreharbeiten.

Babenhausen - Fast vier Jahre ist es jetzt her, dass Andreas Darsow zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Seine Frau hält nach wie vor an seiner Unschuld fest. Jetzt erscheint eine weitere Fernsehdokumentation über den Babenhäuser und das Mysterium des Doppelmords. Von Corinna Hiss

Jedes vierte Strafurteil ist falsch – so drastisch sieht BGH-Richter Ralf Eschelbach die Justizirrtümer in der Bundesrepublik. Diese Zahl ist zwar nicht nachweisbar, Fakt ist aber dennoch: Immer wieder landen Menschen zu Unrecht im Gefängnis wegen eines Vergehens, das sie nicht begangen haben. Dieser Ansicht ist auch Andreas Baum, studierter Jurist und Rechtsjournalist. In seiner neuesten Dokumentation „Unschuldig hinter Gittern“, die am Dienstag, 2. Juni, auf 3 Sat läuft, zeigt er vier Fälle auf, in denen die Justiz versagt haben könnte – darunter wird auch die Geschichte des Babenhäusers Andreas Darsow aufgegriffen.

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„Auf der Suche nach geeigneten Fällen bin ich auf sein Schicksal gestoßen. Zudem habe ich selbst gute Kontakte zum Rechtsanwaltsbüro Strate“, berichtet Baum. State hat Anfang 2014 das Mandat für das Wiederaufnahmeverfahren des Falls Darsow aufgenommen. Als das Urteil im Juli 2011 gefallen war, legten die Babenhäuser zwar Revision ein, der Antrag wurde jedoch abgelehnt. An dem geplanten Wiederaufnahmeverfahren von Strate hängen nun alle Hoffnungen von Ehefrau Anja, die vom Verein Monte Christo unterstützt wird. „Der Titel der Dokumentation müsste eigentlich mit einem Frage- und einem Ausrufezeichen versehen sein“, sagt Baum. Zwei der vorgestellten Fälle sind ganz klar als Justizirrtümer erkennbar – dort war die Revision erfolgreich. Die anderen zwei Fälle – darunter auch Darsows – sind noch ungeklärt. „Das Wiederaufnahmeverfahren wurde noch nicht beantragt, es gibt leider noch nichts Neues“, bedauert Christoph Kemp, Mitglied im Verein Monte Christo. Als Strate sein Mandat aufgenommen hatte, habe es lange gedauert, bis die Staatsanwaltschaft alle Unterlagen geschickt hat. Momentan seien die Gutachter dran, den Fall zu sichten.

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Drei Tage hat das Team von Andreas Baum rund um Andreas Darsow gedreht, das Interview mit dem Verurteilten im Gefängnis dauerte etwa zwei Stunden. Doch wie war es für ihn, einem verurteilten Mörder in die Augen zu blicken? „Ich habe 28 Jahre Berufserfahrung, sowohl als Jurist als auch als Reporter. Mein Gefühl sagt mir, Darsow wirkt authentisch und glaubwürdig“, sagt Baum. Sein größter Einwand in der Urteilsbegründung: Der Tatbestand werde zwar akribisch genau geschildert, die sorgfältige Dokumentierung bestätige aber dennoch nicht, dass es Darsow gewesen war.

Die Doku läuft am Dienstag, 2. Juni, um 21.45 Uhr auf 3Sat

Die Justiz hat den Familienvater als eiskalt beschrieben. „Er zeigt sehr wohl Emotionen“, schildert Baum seinen Eindruck während der Dreharbeiten. Besonders bewegt habe es den Babenhäuser, als er erzählte, dass sein jüngster Sohn bei der verhaftung erst vier Wochen alt war. Ein drahtiger Körper, Stirnglatze und tiefliegende Augen – Darsow entspräche laut Baum auf den ersten Blick den Klischees eines Bösewichts. „Aber macht ihn das auch gleich zum Mörder?“, fragt sich der Reporter. Mit der 3 Sat-Dokumenation erhofft sich Monte Christo weitere Aufmerksamkeit für den Fall. Dass das Wiederaufnahmeverfahren so lange dauert, ist für Kemp kein Grund zum Aufgeben. „Auch wenn Darsow erst nach sieben Jahren frei kommt, ist das immer noch besser als 25 Jahre hinter Gitter!“

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Quelle: op-online.de

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