Ehrenamts-Agentur richtet Reparatur-Café ein

Die Nähmaschine rattert schon

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Klein-Emma (7) legte zur Eröffnung des Reparatur-Cafés gleich tatkräftig los und flickte eine offene Naht an ihrem Röckchen – unterstützt von Leiterin Brigitte Bassenauer.

Hergershausen - Wegwerfen oder reparieren? Wenn der Toaster seinen Dienst verweigert oder die Schuhsohle ein Loch hat, landet das Produkt meist im Müll. Von Ursula Friedrich 

Ein Phänomen der modernen Gesellschaft, zu dem das Reparatur-Café der Babenhäuser Ehrenamts-Agentur (BEA) ein Gegengewicht schaffen will. Die Idee ist simpel, ihre Wirkung kann groß werden, wenn viele mitmachen. Kaputte Dinge, von der ausgefransten Jeans, dem platten Fahrrad oder Kinderspielzeug bis zum kaputten Haushaltsgerät werden mitgebracht und von ehrenamtlichen Helfern kostenlos repariert. Nebenbei ist ein gemütliches Sofa idealer Ausgangspunkt für nette Gespräche mit Besuchern und dem Team der Babenhäuser Ehrenamts-Agentur. Jetzt hat BEA die erste Einrichtung dieser Art in Babenhausen eröffnet, die am Standort des Bürgervereins Herigar in der Alten Schule ein Domizil fand.

„Die Idee stammt aus den Niederlanden“, so die BEA-Ansprechpartnerin aus dem Rathaus, Annemarie Gaßmann, am Samstag, dem internationalen Tag des Ehrenamts. „Es ist eine tolle Sache für Menschen, die keine Wegwerfmentalität leben oder wenig Geld für Reparaturen haben.“ Als Starthilfe für das Café gab es diverse Spenden aus der Bevölkerung: Fünf Nähmaschinen, Stoffreste, Knöpfe, Garn und Werkzeug sind eine gute Grundlage, um zu starten. Diese Chance ergriff die kleine Emma Heizmann (7) gleich beim Schopf und reparierte mit großem Eifer eine offene Naht an ihrem Lederröckchen.

„Wir sind keine Konkurrenz zu einer Änderungsschneiderei“, sagte Brigitte Bassenauer, Leiterin des Reparaturcafés, die Emma fachlich unterstützte. „Vielmehr geben wir Anleitung zur Selbsthilfe“, sagte die Hergershäuserin, die sich bereits in dem Prototyp des Cafés am Standort Groß-Zimmern tatkräftig einsetzt. Brigitte Bassenauer war es wichtig herauszustellen, dass Reparatur-Cafés nicht nur von ökologischen Gedanken getragen werden. Armut sei auch in unserer Gesellschaft kein Tabu und die Cafés so eine Chance für Bürger mit schmalem Budget, Unterstützung zu erhalten.

Eine dritte Säule, die das Projekt trägt, ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement. Menschen, die einander, ganz unabhängig von Alter, Herkunft und sozialem Stand unterstützen. Und als einziges Entgelt, ein Lächeln, ein Danke oder ein nettes Gespräch erwarten.

Das Reparatur-Café öffnet immer am letzten Mittwoch eines Monats von 17 bis 20 Uhr. Erstmals ist im neuen Jahr, am 27. Januar geöffnet. Gesucht werden außerdem noch ehrenamtliche Mitstreiter mit handwerklichem Geschick, die Spaß am Reparieren haben. Adresse: BEAs Reparatur-Café, Rodgaustraße/ Alte Schule Hergershausen, Ansprechpartner Annemarie Gaßmann, 06073/60248.

Quelle: op-online.de

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